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Titel – schon immer problematisch

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bedauerlicherweise ist die alte Sitte aus der Mode gekommen, Herrschern einen Beinamen zu geben, der nicht nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert wird, sondern zumindest im Nachhinein zum offiziellen Teil des Titels gehört. Vor allem die deutschen Kaiser durften in einer Zeit, als noch keine akademischen Titel zur Verfügung standen, ihren Namen verlängern oder sogar aufhübschen. Das gilt in erster Linie für die vielen Ludwigs unter den Würdenträgern. Es gab einen Ludwig den Frommen, einen Dicken und auch einen Blinden. Vor und nach ihnen gab es vor allem zahlreiche „große“ Anführer. Wobei in den meisten Fällen offen geblieben ist, ob mehr das Körperliche oder das Geistige gemeint war.

Bei Karl dem Großen, erster Kaiser des römischen Reiches, der sich anno 800 zu Rom krönen ließ, sind jetzt alle Zweifel ausgeräumt; denn in der alten Kaiserstadt Aachen wurde in einem Kellerverlies eine Tür gefunden, die von Karl dem Großen benutzt worden ist. Dem Dombaumeisters zufolge besteht kein Zweifel an der Echtheit, da Wissenschaftler festgestellt haben, dass das Holz über 1000 Jahre alt ist. Das historisch Wichtige an dem Fundstück aber ist seine Höhe: Die Tür misst 1,92 Meter. Dies gilt als unumstößlicher Beweis dafür, dass ihr Benutzer, der Kaiser, ein überdurchschnittlich großer Mann war. Gegen diese These spricht allerdings, dass Karls Vater Pippin der Kleine war. Da aus dessen Wohnumfeld keine Tür erhalten ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass in diesem Fall der Geist des Herrschers und nicht die körperliche Größe gemeint war.

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erstellt am 23.Jan.2014 | 11:58 Uhr

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