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Kommentar zu Bombenexplosion auf Spielplatz : Terroranschlag in Pakistan: Zynischer geht es nicht

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Die Taliban nennen es einen Anschlag auf das Christentum, doch es trifft die Schutzbedürftigsten: Kinder. Für Autor Martin Schulte sinnlos und vor allem unmenschlich.

shz.de von
erstellt am 29.Mär.2016 | 08:17 Uhr

Lahore | An Ostern steht die Welt erneut fassungslos vor einem menschenverachtenden Anschlag. Mehr als 70 Tote in der pakistanischen Millionenstadt Lahore, darunter 35 Kinder, brutal  getötet von einem Selbstmordattentäter. Mitten auf einem Spielplatz zielte dieser Anschlag ganz bewusst auf die schutzbedürftigsten Mitglieder jeder Gesellschaft – auf die Kinder. Zynischer und unmenschlicher geht es nicht.

Die Taliban haben das Attentat als Anschlag auf das Christentum bezeichnet. Sie wollen diese furchtbare Tat für ihre Zwecke einsetzen: Radikale Muslime töten Christen, das ist die Botschaft, die in der Welt erklingen soll. Dass auch viele Muslime bei dem Attentat getötet wurden, verschweigen die Terroristen. Es würde die Sinnlosigkeit ihres Tuns nur noch verstärken.

Natürlich hat der Anschlag eine politische Seite: Pakistan ist immer noch ein Land großer sozialer Unterschiede und es ist ein Land, in dem der Islamismus lange Zeit ungestört – und in Zeiten des Kalten Krieges auch vom Westen toleriert – gedeihen konnte. Damals war Pakistan ein nützlicher Verbündeter im Konflikt mit der Sowjetunion und Afghanistan.

Aber dieser Anschlag hat auch eine menschliche Seite, die während der Ostertage sehr offensichtlich wurde: Wenn so brutal und zynisch getötet wird, dann werden die Menschen weltweit über das Mitgefühl verbunden. Das Mitgefühl mit den kleinen Kindern, die sterben, während wir die eigenen Kinder voller Lebensfreude mit den Ostergeschenken spielen sehen. Das Mitgefühl mit den toten und schwer verletzten Menschen, die nichts getan haben, außer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Wir leben derzeit in einer Zeit der Unsicherheit, ob in Europa oder Asien, in Brüssel oder Lahore. Aber, das ist die Botschaft, die wir aussenden sollten: Nein, wir lassen uns nicht manipulieren und gegeneinander ausspielen – nicht religiös gegen säkular, nicht Christen gegen Muslime. Für uns zählt allein die Menschlichkeit – jenseits aller Glaubensfragen.

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