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Explosion in Konzerthalle : Terroranschlag in Manchester: Mindestens 22 Tote bei Konzert von Ariana Grande

vom

Bei der Explosion kurz vor Ende des Konzerts wurden auch 59 Menschen verletzt. Ein Einzeltäter zündete eine Bombe.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2017 | 06:06 Uhr

Manchester | Der Angriff auf ein Popkonzert der US-Sängerin Ariana Grande in Manchester mit 22 Toten und 59 Verletzten war nach Angaben der Polizei ein Bombenanschlag. Der männliche Attentäter sei bei der Explosion am Montagabend ums Leben gekommen, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Es habe sich um einen Einzeltäter gehandelt. Unter den 22 Toten und 59 Verletzten waren auch Kinder. Der Täter habe einen selbstgebauten Sprengsatz zur Explosion gebracht, teilte die Polizei mit. Die britische Regierung wollte am Dienstagvormittag zu einer Krisensitzung zusammenkommen.

Schwer bewaffnete Polizisten waren rund um die Arena im Einsatz.
Schwer bewaffnete Polizisten waren rund um die Arena im Einsatz. Foto: dpa

In Großbritannien wird am 8. Juni gewählt. Erst Ende März wurde Großbritannien von einem Terrorakt erschüttert. Am 22. März steuerte ein Attentäter ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke im Zentrum Londons und erstach anschließend einen Polizisten. Von den Opfern auf der Brücke erliegen vier ihren Verletzungen. Sicherheitskräfte erschießen den Täter.

Die BBC berichtete unter Berufung auf die Polizei, die Explosion sei im Foyer der Halle gewesen. Der Veranstalter sprach von einer Explosion in einem öffentlichen Raum außerhalb der eigentlichen Konzerthalle. Ein Video auf Twitter soll den Moment der Explosion zeigen:

 

Krankenwagen rasten zur Manchester Arena. Hubschrauber kreisten über dem Areal. Notfalldienste und Feuerwehr baten die Bevölkerung über Twitter, sie wegen des Einsatzes nur bei lebensbedrohlichen Angelegenheiten zu kontaktieren. Rund um die Halle zogen bewaffnete und maskierte Polizisten auf. Auch Sprengstoffspezialisten waren im Einsatz. Der unmittelbar neben der Halle liegende Bahnhof Manchester Victoria wurde gesperrt. Die Polizei forderte die Menschen via Twitter auf, sich aus der Gegend um die Halle fernzuhalten. Sie rief die Bürger zu Wachsamkeit auf.

Die Sängerin Ariana Grande ist vor allem bei Jugendlichen beliebt.
Die Sängerin Ariana Grande ist vor allem bei Jugendlichen beliebt. Foto: dpa
Hintergrund: Wer ist Ariana Grande?

Ariana Grande ist eine der derzeit angesagtesten Popkünstlerinnen. Die 23-jährige US-Amerikanerin gewann im November den American Music Award in der Königskategorie „Künstler des Jahres“. Sie setzte sich damit bei den Fans gegen Justin Bieber, Selena Gomez, Rihanna und Carrie Underwood durch. Derzeit ist sie mit ihrem Album „Dangerous Woman“ auf Tour. Am 3. Juni wollte sie auch in Frankfurt am Main auftreten.

Ihren großen Durchbruch erlebte die in Boca Raton geborene Schauspielerin und Sängerin 2014. Damals veröffentlichte sie zwei US-Nummer-Eins-Alben in einem Jahr und landete mit dem vier Millionen Mal verkauften „Problem“ einen der Sommerhits des Jahres.

Da hatte sie schon eine steile Karriere im Unterhaltungsgeschäft hingelegt. Mit 15 stand das Mädchen mit den italienischen Wurzeln zum ersten Mal im Broadway-Musical „13“ auf der Bühne, es folgten die TV-Serien „Victorious“ und „Sam & Cat“ auf dem Kindersender Nickelodeon, schließlich der Einstieg in die Popkarriere.

 

Wahlkampf in Großbritannien wird ausgesetzt

Premierministerin Theresa May drückte den Opfern und Angehörigen ihr Mitgefühl aus. „All unsere Gedanken sind bei den Opfern und den Familien von allen, die betroffen sind“, sagte sie. „Wir sind daran, alle Einzelheiten dessen, was von der Polizei als entsetzlicher Terroranschlag behandelt wird, herauszuarbeiten.“ Nach einer Meldung der britischen Nachrichtenagentur Press Association (PA) soll ihr Wahlkampf ausgesetzt werden. In Großbritannien wird am 8. Juni gewählt.

In der Konzerthalle spielten sich nach der Explosion Augenzeugenberichten zufolge dramatische Szenen ab. „Der Knall hallte durch das Foyer der Arena und die Leute fingen an zu laufen“, berichtete ein 17-Jähriger, der mit seiner zwei Jahre älteren Schwester das Popkonzert besucht hatte. „Ich sah, wie die Leute schreiend in eine Richtung rannten und sich plötzlich viele umdrehten und wieder in die andere Richtung liefen“, sagte der Jugendliche dem Nachrichtensender Sky News. Das Konzert der angesagten Sängerin hatten besonders viele Kinder und Jugendliche besucht.

Nach der Explosion herrschte Chaos an der Konzerthalle.
Nach der Explosion herrschte Chaos an der Konzerthalle. Foto: dpa

Ariana Grande und Kollegen zeigen sich bestürzt

Grande war angesichts der Ereignisse „am Boden zerstört“. „Aus tiefstem Herzen: Es tut mir so leid. Mir fehlen die Worte“, schrieb die 23-Jährige auf Twitter. Kollegen wie Justin Timberlake und Christina Aguilera zeigten sich entsetzt. Auch weitere Popstars zeigten auf Twitter ihre Anteilnahme.

Augenzeugen berichteten von Menschen, die blutüberströmt auf dem Boden lagen. Auf Bildern waren Konzertbesucher mit Beinverletzungen zu sehen. Menschen flohen in Panik und mit Tränen in den Augen aus der Halle, wie Augenzeugen in britischen Medien berichteten. Anwohner boten den Betroffenen Unterschlupf an. „Zuerst dachten wir, dass einer der riesigen Gasballons auf dem Konzert geplatzt sei. Aber als wir draußen waren, sahen wir, dass es etwas Ernsteres gewesen sein muss“, zitierte der britische Nachrichtensender Sky News eine Besucherin. Eine Konzertbesucherin berichtete der BBC, sie sei von Polizisten aufgefordert worden wegzurennen, nachdem sie die Halle verlassen habe. Per Alarmaufruf sei das Publikum aufgefordert worden, Ruhe zu bewahren.

Hintergrund: Die Manchester Arena

Die Manchester Arena ist nach Angaben des Betreibers Europas größte Veranstaltungshalle. Ihre Ränge fassen 21.000 Besucher. Pro Jahr strömen eine Million Fans in das Veranstaltungszentrum unmittelbar neben dem zweiten Hauptbahnhof der Stadt, der Victoria Station.

Die Halle wurde 1995 eröffnet und zunächst für Sportveranstaltungen, später vor allem für Konzerte genutzt. Weltstars des Rock und Pop haben dort gespielt: U2, die Rolling Stones, Madonna, Lady Gaga. Aber auch verschiedene Wettkämpfe der Commonwealth Spiele 2002 wurden dort ausgetragen, die Kurzbahn-Wettbewerbe der Schwimm-WM 2008 und internationale Boxkämpfe etwa von Mike Tyson und David Haye.

 

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, zeigte sich bestürzt. „Schreckliche Nachrichten aus Manchester“, schrieb Seibert am Dienstagmorgen bei Twitter. „In Gedanken bei den Toten, dem Leid der Verletzten + denen, die ihre Liebsten noch suchen.“

„Es ist unbegreiflich, dass jemand ein fröhliches Popkonzert ausnutzt, um so vielen Menschen den Tod zu bringen oder ihnen schwere Verletzungen zuzufügen“, so Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihre Anteilnahme gelte allen Opfern und Betroffenen sowie den Angehörigen in ihrer Trauer und Verzweiflung.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau sprach den Angehörigen der Todesopfer sein Mitgefühl aus. „Kanadier sind durch die Nachricht des schrecklichen Angriffs heute Abend in Manchester geschockt“, schrieb Trudeau am Dienstag bei Twitter. „Bitte nehmt die Opfer & ihre Familien in eure Gedanken auf.“

 

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon meinte auf Twitter: „Herzzerreißende Nachrichten aus Manchester.“ Ihre Gedanken seien bei all denen, die durch diesen „barbarischen Angriff“ geliebte Menschen verloren hätten und bei jenen, die verletzt worden seien.

 

US-Behörden beobachten Situation

Das US-Innenministerium beobachtet nach der Explosion die Situation. Derzeit gebe es keine Anzeichen dafür, dass auch für US-Ziele eine unmittelbare Gefahr ausgehe, heißt es in einer Stellungnahme des US-Innenministeriums aus der Nacht zu Dienstag. „Wir arbeiten mit unseren Kollegen im Ausland zusammen, um weitere Details zur Ursache der Explosion zusammenzutragen“, hieß es. Das Ministerium forderte US-Bürger in der Region auf, der Unglücksstelle fern zu bleiben.

Die Oppositionsführerin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, sprach dem US-Verbündeten Großbritannien ihre Anteilnahme aus. Sie sprach von einer „anscheinenden Terrorattacke“. Diese werde aufs schärfste verurteilt. Die Menschen müssten jetzt zusammenstehen. „Auch wenn noch viele Fragen offen sind: Wir werden niemals unsere unerschütterliche Überzeugung aufgeben, dass Hass uns weder beugen noch zerstören kann“, schrieb sie in einer Stellungnahme.

Kellyanne Conway, die Beraterin von US-Präsident Donald Trump, sprach den Hinterbliebenen ihre Anteilnahme aus. „Beileid, Hilfe und Gebete für Manchester“, schrieb sie auf Twitter.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat „mit Entsetzen und Bestürzung“ auf den Bombenanschlag in Manchester reagiert. „Er spricht dem britischen Volk das volle Mitgefühl und die Fürsorge Frankreichs aus, das in der Trauer an seiner Seite steht, mit einem besonderen Gedanken für die Opfer und ihre Familien“, teilte der Élyséepalast am Dienstag in Paris mit. „Der Präsident der Republik wird mit der britischen Regierung und den britischen Truppen den Kampf gegen den Terrorismus fortsetzen.“ Der Élysée kündigte an, dass Macron später mit der Londoner Premierministerin Theresa May telefonieren werde.

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