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Debatte im Netz : Terror in Paris und Beirut: Verdienen einige Opfer mehr Mitgefühl als andere?

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Die ganze Welt solidarisiert sich mit Frankreich. Viele sagen: Es ist eine Tragödie, aber wo war der Aufschrei bei anderen Terrorakten?

shz.de von
erstellt am 17.Nov.2015 | 17:20 Uhr

Die ganze Welt trauert um die Opfer von Paris. Am vierten Tag danach bleibt die Terrorserie Top-Thema in den Medien. Das globale Mitleid hat aber zu einer Debatte geführt: Egal wie viele Menschen von Terror sterben - es ist immer schrecklich. Aber wo war der Aufschrei nach anderen Terrorakten? Beispiele gibt es viele: Gaza, Syrien, Irak. Im Libanon hat einen Tag vor Paris ein Doppelanschlag im Süden der Hauptstadt Beirut Dutzende Menschen in den Tod gerissen. Es gab 43 Tote und 239 Verletzte. Viele kritisieren, die Medien und Politiker hätten sich nicht genug dafür interessiert.

Zwei Tage nach Terror-Anschlägen in Paris teilte der Künstler Jerameel Lu auf seiner Facebookseite diese Zeichnung. So kritisierte er die Reaktionen der Medien auf die tragischen Angriffe. Er schrieb: „Dieses Werk wendet sich nur gegen eine ungleiche Behandlung der Weltmedien von Terrorakten“. Statt dem verbreiteten Hashtag #prayforparis verwendet er #prayfortheworld.

#prayfortheworld#opinionPS: pls do understand that this piece is only against the almost unequal treatment of the world media on every terrorism act

Posted by Leemarej on  14 листопад 2015 р.

„Sind arabische Leben weniger wert?“ So heißt der Titel eines Blogbeitrag des 26-jährigen Arztes Elie Fares aus dem Libanon, der über die Ignoranz des Westens nicht schweigen will. Die Empörung des jungen Beiruters wurde mehr als eine Viertelmillion Mal auf Facebook geteilt. sueddeutsche.de hat den Text auf Deutsch veröffentlicht.

„Als meine Leute starben, hielt es kein Land für nötig, seine Sehenswürdigkeiten in den Farben seiner Flagge zu beleuchten. Nicht einmal Facebook hielt es für nötig, dass meine Leute sich als ,sicher' markieren konnten“, schreibt Fares. Facebook hatte den sogenannten „Safety Check“ eingeführt. Auch The New York Times berichtet, dass Beirut sich vergessen fühlt, zumal es das schwerste Selbstmordattentat in der Stadt seit 1990 ist.

Es gibt aber auch Erklärungsversuche der Medien, die der Kritik begegnen: „ZDF heuteplus“ beschreibt in einem Video, warum die Redaktion so umfangreich aus Paris berichtet und wie sie Nachrichten auswählt und gewichtet.

Auch in meinem Heimatland, in der Ukraine, wird kontrovers in den sozialen Medien diskutiert. Da die Mehrheit ihre Profilfotos als Tricolore einfärbte, wechselten manche ihre Profilbilder in blau-gelb, die Farben der ukrainischen Flagge. Im Laufe des Konflikts im Osten der Ukraine kamen mehr als 8000 Menschen ums Leben. Am Tag der Paris-Anschläge wurden fünf ukrainische Soldaten getötet. In den Weltmedien wurde darüber kaum geschrieben.

Khrystyna Bondarieva ist eine Gastjournalistin aus der Ukraine. Sie arbeitet für zwei Monate bei shz.de.

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