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Kommentar zu den Attentaten : Terror in Paris: Ein perverser Akt der Sprachlosen

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Attentate wie in Paris sind auch deshalb möglich, weil der „IS“ die Illusion bietet, Menschen eine Stimme zu geben. Ein Kommentar von Joachim Dreykluft.

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erstellt am 14.Nov.2015 | 13:14 Uhr

Terror ist wie Kriminalität eine Ausübung von Gewalt. Das Motiv ist grundsätzlich anders. Wer mordet, tut dies meist aus materiellen oder egoistischen Gründen. Terroristen tun dies, um zu kommunizieren. Sie wollen eine Botschaft verbreiten, gehört werden, sich selbst eine Stimme geben.

Die Terrorgruppe, die sich „Islamischer Staat“ nennt, gibt Tausenden Durchgeknallten die Illusion, ihnen zu einer Stimme zu verhelfen. Es klingt pervers: Mord als Ausdruck eines kommunikativen Bedürfnisses. Der größte und blutigste Teil der Anschläge von Paris war in einem Konzertsaal, aber der ohrenfälligste in der Nähe des Stade de France. Millionen Menschen bekamen die Botschaft mit, live im Fernsehen während eines Länderspiels.

Den „Islamischen Staat“ militärisch in Syrien und im Irak zu bekämpfen, scheint derzeit ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Jeder kocht auf dieser Flamme sein Süppchen. Saudi-Arabien, Iran, Putins Russland vor allem. Weil Putin weiß, dass es Obama ärgert, bombadiert der jeden, der sich gegen Assad stellt, egal ob „IS“ oder Demokrat. Er verkauft dies als Terrorbekämpfung.

Auch in Europa werden diverse Süppchen gekocht. Ordnungspolitiker verfallen in den üblichen Reflex der Einschränkung von Freiheitsrechten. Stichwort Schengen. Und rechte Aufwiegler verbreiten die steile These, diese - oder künftige - Anschläge seien möglich, weil sich die Terroristen unter Sympathisanten bei den Flüchtlingen verstecken könnten. Dabei sind die Flüchtlinge vor Terroristen in ihrem Land geflohen. Und Frankreich ist gar kein Ziel der aktuellen Fluchtbewegung.

Terroristen unter der Flagge des „IS“ sind perverse Mörder, viele offenbar auch psychiatrisch auffällig und deshalb nicht mehr erreichbar. Aber sie binden neue Anhänger an sich mit dem Versprechen, ihnen eine Stimme zu geben in einer Welt, die sie ansonsten ignoriert.

Warum fühlen sich so viele junge Menschen, die im Nahen Osten leben oder daher stammen, sprachlos? Vielleicht ist die Beschäftigung mit dieser Frage ein Ansatz jenseits von Militär und Polizeistaat, um uns zu schützen?

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