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Anschlag in Dänemark : Terror in Kopenhagen: Was Sie jetzt wissen müssen

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Kopenhagen lebte nach den Anschlägen in Angst. Der Attentäter ist tot. Fragen und Antworten.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2015 | 16:00 Uhr

Nach den Anschlägen hat die dänische Polizei am frühen Sonntagmorgen nahe der Bahnstation Nørrebro in Kopenhagen den mutmaßlichen Attentäter erschossen. Am Samstagnachmittag waren Schüsse auf das Kulturzentrum Krudttønden gefallen, in der Nacht zum Sonntag vor einer Synagoge. Zwei Männer starben bei den Anschlägen, mehrere wurden verletzt. Fragen und Antworten zu den Anschlägen in Dänemark.

Was genau ist seit Samstagnachmittag passiert?

Die dramatischen Stunden von Kopenhagen begannen am Samstag um 15.33 Uhr. Ein Mann feuerte mit einem Maschinengewehr von außen auf das Kulturzentrum Krudttønden im Stadtteil Østerbro. Dabei wurde ein 55-jähriger Mann getötet. Augenzeugen zufolge handele es sich um den Filmregisseur Finn Nørgaard, berichtet die Zeitung „Ekstra Bladet“. Drei Polizisten wurden verletzt. Der Täter flüchtete in einem VW Polo.

Die Femen-Aktivistin Inna Shevchenko war als Rednerin bei der Veranstaltung. Sie beschreibt auf Twitter, wie sie während ihrer Rede die Schüsse hörte. Sie habe gerade gesagt, dass Meinungsfreiheit in Europa oft nur eine Illusion sei.

Die Polizei fand später, gegen 17.15 Uhr den Fluchtwagen. Der Attentäter setzte seine Flucht in einem Taxi fort und ließ sich in seine Wohnung fahren, die vier Kilometer vom Tatort entfernt liegt. Dort kam er um 16.15 Uhr ein.

In der Nacht zu Sonntag um 1 Uhr fielen Schüsse vor einer Synagoge in der Krystalgade. Ein  37-jähriger Wachmann jüdischen Glaubens sei dabei am Kopf getroffen worden und gestorben, sagte ein Polizeisprecher. Er hatte die Menschen kontrolliert, die in die Synagoge zur Feier einer Bat Mitzwa kamen. In der Synagoge waren etwa 80 Menschen versammelt. Nach Angaben des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, gelang es dem Angreifer nicht, in das Gebäude vorzudringen. Laut Asmussen hatte die jüdische Gemeinde die Sicherheitsvorkehrungen nach den Terroranschlägen in Paris Anfang Januar verstärkt. Bei dem Vorfall wurden zudem zwei Polizisten leicht verletzt, sie erlitten Schusswunden an Armen und Beinen. Der Täter flüchtete zu Fuss.

Um 4.30 Uhr Uhr morgens kam es zu einer Schießerei an der Bahnstation Nørrebro. Die Polizei hatte eine Adresse in der Gegend observiert. Nach einiger Zeit sei eine Person zu dem Haus gekommen, die für die Ermittlungen interessant sein könne, hieß es in einer Mitteilung. Die Polizei habe nach dem Mann gerufen, dieser habe daraufhin geschossen. Die Polizisten erwiderten das Feuer. Der Mann starb, Polizisten wurden nicht getroffen.

Der Bahnhof Nørrebro. Hier stellte die Polizei den Täter.
Der Bahnhof Nørrebro. Hier stellte die Polizei den Täter. Foto:dpa

 

Alle drei Tatorte liegen nicht weit voneinander entfernt in der Kopenhagener Innenstadt.

Am Montag geben die dänischen Ermittler bekannt, dass sie noch am Sonntag zwei mutmaßliche Komplizen des Attentäters festgenommen haben. Die Männer werden beschuldigt, dem Attentäter „mit Rat und Tat“ geholfen zu haben. Sie werden zurzeit verhört, wie die Ermittler am Montag berichteten. Einer der Männer wurde demnach am Sonntagmorgen, der andere am Sonntagnachmittag festgenommen.

Wie kam die Polizei dem Täter auf die Spur?

Der Taxifahrer gab den Ermittlern den entscheidenden Tipp. Die Beamten observierten das Haus mit der Wohnung des Täters. Als er nach Hause kam, folgte die tödliche Schießerei.

War es ein Terroranschlag?

Die Politiker gehen davon aus. „Alles deutet darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen und deswegen ein Akt des Terrorismus sind“, sagte die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt.

Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thoring-Schmidt am Samstagabend.
Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thoring-Schmidt am Samstagabend. Foto:dpa

 

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag in Kopenhagen als terroristischen Akt. „Die internationale Gemeinschaft wie die Staaten jeder für sich werden sich dieser Art von Terrorismus nicht beugen“, sagte Steinmeier am Samstag bei einem Besuch in Peru.

Ist einer der Toten in Kopenhagen der Attentäter?

Ja, bei dem Toten vom Bahnhof Nørrebro handelt es sich um den gesuchten Mann. Das teilt die dänische Polizei nach der Auswertung von Videomaterial aus Überwachungskameras mit.

Helle Thorning-Schmidt äußerte sich in einem Statement: „Ich bin froh und erleichtert darüber, dass die Polizei den vermuteten Täter hinter den zwei Schießereien unschädlich gemacht hat. Niemand soll damit davonkommen, die offene, freie und demokratische dänische Gesellschaft anzugreifen.“ Sie lobte den schnellen Einsatz der Polizei. „Es ist ein unendlich trauriger Morgen, an dem wir alle an die Opfer und ihre Angehörigen denken. Zwei unschuldige Menschen haben ihr Leben in der Folge einer zynischen Terroraktion gegen Dänemark verloren.“

Wer ist der Attentäter?

Die Polizei hat bisher lediglich bestätigt, dass der Täter 22 Jahre alt war, in Dänemark geboren wurde und einige Vorstrafen hatte. Dänische Medien veröffentlichten weitere Details:

Name: Omar Abdel Hamid el-Hussein. Laut „Politiken“ sind seine Eltern Palästinenser.

Bekannte Vorstrafen: Verstoß gegen das Waffengesetz, gefährliche Körperverletzung. Nach einem Messerangriff kam El-Hussein erst vor wenigen Wochen aus dem Gefängnis frei. Außerdem rauchte er Freunden zufolge Haschisch, was ihn in Verbindung zu Drogenkriminellen brachte.

Extremismus: Im Gefängnis sei er Behörden aufgefallen, weil er 39 Mal extremistische Einstellungen geäußert habe, meldete die Nachrichtenagentur Ritzau.

Ausbildung: El-Hussein besuchte ein Zentrum für Erwachsenenbildung im Kopenhagener Vorort Hvidovre.- Sport: Thai-Boxen, Kameraden beschreiben ihn als sehr eifrig.- Einstellungen: Laut „Politiken“ betrachtete El-Hussein Palästina als seine zweite Heimat und äußerte sich hasserfüllt über Juden und Israel. „Berlingske“ zufolge wollte sich El-Hussein in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anschließen. Mitschüler und Freunde beschreiben ihn als Einzelgänger, der bisweilen unbeherrscht war - besonders beim Thema Palästina. Sein Anwalt zeigt sich außerordentlich überrascht von den Terrorvorwürfen.

Die Polizei veröffentlichte nach der Tat ein Fahndungsfoto:

Wie viele Attentäter gab es eigentlich?

Die Kopenhagener Polizei sprach am Sonntagmorgen von einem Einzeltäter - bei beiden Anschlägen. „Wir nehmen an, dass es derselbe Täter ist“, sagte Chefpolizeiinspektor Torben Mølgård Jensen am Sonntagmorgen. „Aber es gibt derzeit noch sehr viele lose Fäden, die wir noch zu einem Bild weben müssen.“

Am Sonntag wurden zwei mutmaßliche Terrorhelfer festgenommen. Sie sitzen seit Montag in Untersuchungshaft.

Wer waren die Opfer?

Der dänische Filmregisseur Finn Nørgaard wurde im Kulturzentrum erschossen. Er ist in Dänemark für seine Dokumentarfilme bekannt. Nach den Terrorangriffen in Frankreich im Januar hatte Nørgaard noch auf seinem Facebook-Profil geschrieben: „Es ist erschütternd und erschreckend, dass mutige Menschen von feigen muslimischen Faschisten ermordet werden.“

Vor der Synagoge erschießt der Attentäter Stunden später das zweite Opfer, einen 37 Jahre alten Wachmann. Er war in der jüdischen Gemeinde und in seiner Familie für seine große Hilfsbereitschaft und Warmherzigkeit bekannt, spielte im jüdischen Fußballverein und war auch begeisterter Basketballer. Als Junge ging er auf die jüdische Schule in Kopenhagen, später studierte er Politikwissenschaft.

Was ist das Kulturcafé Krudttønden?

Im bürgerlichen Stadtteil Østerbro liegt das Café zwischen dem größten Park der Stadt und einem Platz mit Supermärkten und Imbissen. In dem kleinen Café, das 1990 auf Initiative von Künstlern und Kunstinteressierten entstand, finden regelmäßig Konzerte, Theateraufführungen, Vorträge und andere kulturelle Events statt. Zu der Diskussionsveranstaltung zum Thema „Kunst, Gotteslästerung und Freie Rede“ am Samstag kamen etwa 35 Menschen.

Was haben Mohammed-Karikaturen mit dem Fall zu tun?

Die Polizei geht davon aus, dass der Anschlag am Samstagnachmittag dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks galt, der als Redner bei der Veranstaltung war. Der 68-Jährige wurde nicht verletzt. Er hielt sich laut Medienberichten in einem Kühlraum auf. Der Nachrichtenagentur AP sagte Vilks: „Ich bin erschüttert durch diesen Vorfall.“

Der schwedische Karikaturist Lars Vilks.
Der schwedische Karikaturist Lars Vilks. Foto:dpa

Vilks steht wird seit Jahren durch Sicherheitspersonal geschützt. Ein Al-Kaida-Ableger im Irak hatte 2007 ein Kopfgeld von 150.000 Dollar auf ihn ausgesetzt. Der Künstler hatte eine Zeichnung mit dem Propheten Mohammed als Hund ausgestellt und war schon mehrfach Ziel von Anschlägen.

Im Januar 2014 wurde in den USA die Amerikanerin Colleen LaRose alias „Dschihad Jane“ zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil sie nach Überzeugung des Gerichts zusammen mit islamistischen Verschwörern Vilks töten wollte. Das Mordkomplott wurde damals nicht ausgeführt. LaRose sei 2008 zwar nach Europa gereist, aber ein Treffen mit den Drahtziehern der Verschwörung kam nicht zustande, hieß es. Die Frau sei dann in die USA zurückgekehrt und später festgenommen worden.

Wie reagiert die jüdische Gemeinde?

Die jüdische Gemeinde in Kopenhagen steht nach dem Anschlag auf die Synagoge unter Schock. „Ich bin schockiert. Alle sind schockiert“, sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, dem dänischen Fernsehen am Sonntag. „Das ist das, was wir immer befürchtet haben. Und das, wovor wir die ganze Zeit gewarnt haben, dass es in Dänemark passieren könnte.“

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Juden in Europa zur Auswanderung in den jüdischen Staat aufgerufen. „Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren“, sagte Netanjahu am Sonntag während einer Kabinettssitzung in Jerusalem. „Diese Terrorwelle wird weitergehen.“ Er wende sich an die Juden in Europa: „Israel ist eure Heimstätte.“ Auf die Anschläge in Paris im Januar, bei denen auch vier Juden getötet worden waren, hatte Netanjahu bereits mit einem ähnlichen Aufruf reagiert.

 

Äußert sich auch die umstrittene Grimhøj-Moschee?

Ja, die höchst umstrittene dänische Grimhøj-Moschee in Aarhus hat sich von den Terrorangriffen scharf distanziert. „Wir sind natürlich gegen jede Art von Gewalt und Terror gegen Unschuldige“, sagte der Vorsitzende der Moschee, Oussama Mohamad El-Saadi, der Zeitung „Jyllands-Posten“. Er sei traurig über die Ereignisse.

El-Saadi warnte vor einer pauschalen Verurteilung aller Muslime, falls es sich bei dem Täter um einen Muslim handele. „Wir sollten in dieser Gesellschaft keinen Hass aufeinander schüren“, sagte er. Aus dem Umfeld der Grimhøj-Moschee sollen viele der mutmaßlichen dänischen Dschihadisten stammen, die sich in Syrien und im Irak der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen haben.

Was war am Samstagabend an der deutsch-dänischen Grenze bei Flensburg los?

Nach dem Terroranschlag verstärkte die Bundespolizei die Kontrollen an der deutsch-dänischen Grenze. Unter anderem überwachte sie am Samstagabend an den drei Flensburger Grenzübergängen den Verkehr. Die Grenzübergänge blieben aber offen, sagte ein Sprecher. Am Samstagabend gegen 22.30 Uhr wurden an der A7 Sperren errichtet. Die Bundespolizei kontrollierte alle Fahrzeuge aus Dänemark auf dem Rastplatz Handewitter Forst. Nach Informationen der dpa verlegte die Bundespolizei außerdem Kräfte in die Region. Die dänischen Sicherheitsbehörden hätten um diese Unterstützung gebeten, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

 

Die Bundespolizei kontrollierte alle Fahrzeuge auf dem Rastplatz Handewitter Forst.
Die Bundespolizei kontrollierte alle Fahrzeuge auf dem Rastplatz Handewitter Forst. Foto:Benjamin Nolte
Warum wurden die Grenzen nicht geschlossen?

Eine Schließung der deutsch-dänischen Grenze stand nach Angaben des Bundesinnenministeriums nicht zur Debatte. Dies sei eine „Ultima Ratio“, die derzeit nicht erwogen werde, sagte eine Sprecherin am Samstagabend. Die zeitweise Wiedereinführung von Grenzkontrollen sei an strenge Kriterien geknüpft und komme nur in außergewöhnlichen Umständen in Betracht - etwa bei einer „ernsthaften Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung oder einer Gefährdung des Funktionierens des Schengenraums durch anhaltend schwerwiegende Mängel beim Schutz der Außengrenzen“.

Gibt es Verbindungen zwischen dem Terror von Paris und Kopenhagen?

Noch laufen die Ermittlungen in Dänemark. Vieles ist noch unklar. Nach dem, was bislang bekannt ist, sehen Sicherheitskreise und Terrorexperten aber durchaus Parallelen: Mohammed-Karikaturisten und jüdische Einrichtungen als Ziele, kein großes Netzwerk, sondern eine kleine Gruppe oder ein Einzeltäter als Angreifer. Einiges deute darauf hin, dass es sich in Kopenhagen um eine Nachahmung der Pariser Attacke handele - und weitere Angriffe nach diesem Vorbild folgen könnten. Polizei, Geheimdienste und Fachleute beobachten seit längerem einen Wandel im Vorgehen von Terroristen - hin zum „individuellen Dschihad“. Die Szene setze nicht mehr auf große Anschläge mit Bomben, sagt der Terrorexperte Rolf Tophoven. Diese bräuchten viel Vorbereitung und Ressourcen - und die Gefahr, entdeckt zu werden, sei groß. Stattdessen gebe es nun „mehr und mehr kleinere Anschläge durch Individualtäter und Kleinstgruppen“ - wie in Paris und nun in Kopenhagen.

Was sind „Einsamer-Wolf“-Attentäter?

Die Terrorangriffe in der dänischen Hauptstadt erinnern an sogenannte „Einsamer-Wolf“-Attacken - ähnlich den Anschlägen Anfang des Jahres in Paris. Sowohl Al-Kaida als auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rufen im Internet zu solchen Angriffen auf, die keine große Organisation erfordern. Dezentral geplante Taten sollen von Polizei und Geheimdiensten schwer vereitelt werden können.

Beide sunnitischen Terrororganisationen buhlen derzeit um die Aufmerksamkeit von Islamisten in aller Welt. Religiöse Führer von Al-Kaida betonten in mehreren Videos im Januar die Pflicht jedes gläubigen Muslims zu Angriffen auf den Westen. Damit könne er mehr Schaden anrichten, als wenn er zum Kampf in ein muslimisches Land ziehe. IS-Anhänger verbreiten vor allem über Twitter, aber auch im Internet Aufrufe zu blutigen Einzeltaten. Erst am vergangenen Montag rief ein IS-Dschihadist aus Syrien in einem Internet-Video auf Französisch zu neuen „Einsamer-Wolf“-Anschlägen im Westen auf.

So ist die Lage in Deutschland nach den Anschlägen:

Wie groß ist die Gefahr eines Anschlags in Deutschland?

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden verändert der Terror von Kopenhagen nicht grundsätzlich die Bedrohungslage in Deutschland. Die Terrorgefahr gilt als unverändert hoch. Die zusätzliche Formulierung, es gebe „keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen“, ist inzwischen aber kaum noch zu hören - wegen der Flut an Hinweisen, die seit Wochen eingehen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), Nachrichtendienste und Polizei betonen, dass auch ein Attentat in Deutschland nie ganz auszuschließen ist. Sorgen machen sie sich vor allem über Einzeltäter, die sich im Stillen radikalisieren und bis zu einem Anschlag gar nicht auffallen. Ein solcher Fall war Arid Uka, der im März 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschoss und zwei weitere schwer verletzte. Es war der bislang einzige islamistische Anschlag auf deutschem Boden. Andere Versuche wurden vereitelt. Uka war kein Mitglied einer Terrorgruppe, sondern allein. Er hatte sich seinen Hass auf die westliche Ordnung im Internet einflüstern lassen.

Und wie ist es mit der Bedrohung durch polizeibekannte Extremisten?

Die Anschläge in Kopenhagen und zuvor schon in Paris zeigen, dass dies ebenfalls eine große Gefahr ist. In beiden Fällen waren die mutmaßlichen Täter keine Unbekannten für die Polizei. Die Attentäter von Paris waren fest in der islamistischen Szene verankert, galten als gewaltbereit, mindestens einer hatte sich im Ausland in einem Terrorcamp ausbilden lassen - und trotzdem konnten sie ein Blutbad anrichten.

Auch Polizei und Nachrichtendienste in Deutschland räumen ein, sie könnten nicht alle gefährlichen Islamisten rund um die Uhr überwachen. Dafür fehle das Personal. Eine Herausforderung sei es auch, „Alt-Dschihadisten“, die nach aktiven Zeiten später kaum noch in Erscheinung träten, über Jahre genau im Blick zu behalten.

Gibt es auch Leute, die komplett durchs Raster fallen, obwohl sie in der Szene aktiv sind?

Ja. Im vergangenen Herbst etwa durchsuchten hessische Ermittler die Wohnung eines jungen Mannes - eigentlich wegen eines Drogendeliktes.

Doch die Fahnder fanden Waffen, Munition, eine schusssichere Weste und ein Kapuzenshirt mit dem Symbol der Terrormiliz Islamischer Staat. Die Behörden hatten vorher nicht gewusst, dass der Mann ein Dschihadist war, der gerade erst aus Syrien heimgekehrt war.

Wie gefährlich ist die deutsche Islamisten-Szene?

Die Zahl der islamistischen „Gefährder“ ist mit rund 270 so hoch wie nie zuvor. Das sind Menschen, denen die Polizei grundsätzlich einen Terrorakt zutraut. Die Zahl der Ausreisen in die Kampfgebiete in Syrien und im Irak wächst stetig - und damit auch die Zahl der radikalisierten oder kampferprobten Rückkehrer. Sie werden intensiv beobachtet, in den vergangenen Wochen gab es zahlreiche Festnahmen und Durchsuchungen. Beim Bundeskriminalamt (BKA) und der Bundesanwaltschaft sind die Ermittlungsverfahren gegen Islamisten in die Höhe geschnellt. Allein beim BKA sind es rund 500.

Was tun die deutschen Sicherheitsbehörden nach den Anschlägen von Kopenhagen?

Geschieht ein Anschlag wie nun in Dänemark, setzen Polizei und Geheimdienste in Deutschland hinter den Kulissen bestimmte Prozesse in Gang. Die Sicherheitsbehörden schauen sich etwa die Islamistenszene noch genauer an. Die rund 270 „Gefährder“, denen Polizei und Geheimdienste grundsätzlich einen Terrorakt zutrauen, werden noch einmal durchgecheckt. Schon nach Paris wurden die Durchsuchungen und Festnahmen verstärkt, um Druck auf die Szene zu machen. Das dürfte sich nun fortsetzen. Die Deutschen tauschen sich außerdem eng mit ihren dänischen Kollegen aus und warten auf deren Ermittlungsergebnisse, um dann selbst weiter nach möglichen Zusammenhängen und Bedrohungen zu suchen. Bislang sind keine direkten Verbindungen des Täters nach Deutschland bekannt.

 
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