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Metro Maelbeek : Terror in Brüssel: Befehl zur Evakuierung ging an privates Mail-Konto

vom

Die belgischen Behörden müssen eine weitere Panne bekanntgeben. Das Brüsseler U-Bahn-Netz hätte gesperrt werden sollen.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2016 | 11:10 Uhr

Brüssel | Hätten bei den Terroranschlägen in Brüssel mehr Menschenleben gerettet werden können? Belgische Medien berichten, dass es nach der Explosion im Flughafen Zaventem eine Evakuierungsmeldung für die U-Bahn gab, in der wenig später eine weitere Bombe hochging. Das Tragische: Die Mail wurde versehentlich an die private E-Mail-Adresse des Sicherheitschefs der Brüsseler Bahnpolizei geschickt. Deshalb habe er die Nachricht lange nicht bemerkt, sagte Jo Decuyper vor dem Untersuchungsausschuss des belgischen Parlaments.

Die falsche E-Mail ist nicht die einzige Panne der belgischen Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit den Anschlägen. Schon nach den Terroranschlägen von Paris war bekannt geworden, dass die Planung dafür aus dem Brüsseler Problemviertel Molenbeek gesteuert wurde. Zudem wurden die der Polizei bekannten Abdeslam-Brüder wegen Personalmangels nicht besser überwacht.

Der schwache Trost: Selbst bei einem sofortigen Abruf der E-Mail hätte er keine Chance mehr zum Eingreifen gehabt, sagte Decuyper weiter. Das Schreiben aus der Polizeizentrale sei am 22. März um 9.07 Uhr eingegangen - nur vier Minuten, bevor die Bombe in der Metrostation Maelbeek explodierte.

„Selbst wenn ich einen Knopf hätte, mit dem ich alles sofort stilllegen und evakuieren könnte, wäre das unvermeidbar gewesen“, sagte Decuyper der belgischen Zeitung „De Standaard“. Weil eine Evakuierung des gesamten Brüsseler U-Bahnnetzes mindestens 30 Minuten dauern würde, hätte der Anschlag auf die Station Malbeek auch dann nicht verhindert werden können, wenn die E-Mail an Decuypers berufliches Konto gesendet worden wäre und er sie sofort gesehen hätte. Unklar ist, warum die Aufforderung zur Stilllegung des U-Bahn-Netzes erst eine Stunde nach den Anschlägen auf den Flughafen Zaventem herausging.

Wer die Nachricht an die falsche Adresse geschickt hat, ist unklar. Zwischen Polizei und Bahngesellschaft herrscht Uneinigkeit, wer im Notfall wen informiert, berichtet „De Standaard“.

Nach offiziellen Angaben kamen 35 Opfer ums Leben und mehr als 300 wurden verletzt.

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