Kämpfe in Donezk : Teilmobilmachung: Ukraine bewaffnet Zehntausende

Beobachter befürchten eine weitere Eskalation der Lage. Besonders umkämpft ist der Flughafen von Donezk.

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20. Januar 2015, 07:49 Uhr

Kiew/Donezk | Im Kampf gegen prorussische Separatisten hat die krisengeschüttelte Ukraine mit einer umstrittenen Teilmobilmachung von zusätzlich bis zu 50.000 Mann begonnen. Soldaten, die bereits lange im Einsatz gegen die Aufständischen im Osten des Landes seien, sollten durch Reservisten ersetzt werden, teilte am Dienstag das Verteidigungsministerium in Kiew mit.

Das Fernsehen zeigte junge Männer bei ärztlichen Untersuchungen und beim Empfang von Waffen und Uniformen. In zwei weiteren Etappen sollen von April und Juni an erneut mehr als 50.000 Soldaten eingezogen werden. Die Teilmobilmachung erhöhe die Sicherheit der Ex-Sowjetrepublik, sagte der Berater von Präsident Petro Poroschenko, Juri Birjukow, mit Verweis auf Russland. „Entlang unserer Grenze ist ein feindseliges Land. Deshalb müssen wir ständig weitere Menschen im Umgang mit der Waffe ausbilden, um unser Land zu schützen“, sagte Birjukow in Kiew.

Die Aufständischen und die Führung in Moskau kritisieren diese massive Verstärkung der Armee scharf. Beobachter befürchten eine weitere Eskalation der Lage. Separatistenführer Alexander Sachartschenko warf der prowestlichen Regierung in Kiew „Kriegsvorbereitungen“ vor. „Wir sind nicht schwach und sind bereit, angemessen zu reagieren“, warnte er in Donezk.

Die Lage im Osten der Ukraine.
Foto: dpa
Besonders die Region um die Großstadt Donezk ist stark umkämpft.

Unterdessen gehen die Bemühungen um eine diplomatische Lösung weiter. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lud seine Kollegen aus der Ukraine, Russland und Frankreich für Mittwochabend zu einem neuen Treffen nach Berlin ein. Die Hoffnung auf einen Vierergipfel der Staats- und Regierungschefs hatte sich vergangene Woche zunächst einmal zerschlagen.

Steinmeier sagte: „Es geht jetzt vor allem darum, eine weitere Verschärfung der militärischen Auseinandersetzungen und dann auch eine erneute politische Eskalation zwischen Kiew und Moskau zu verhindern. Das ist jede Anstrengung wert. Am Ende funktioniert nichts durch Befehl und nicht allein durch Druck, sondern man muss die richtige Balance zwischen den verschiedenen Instrumenten finden.“

Nach dem Wiederaufflammen der Kämpfe im Osten der Ukraine zweifelt Russland an einem Krisengipfel der Staats- und Regierungschefs, der eigentlich schon Mitte Januar stattfinden sollte. Eine effektive Vorbereitung der Gespräche sei massiv in Gefahr, warnte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Den Aufständischen zufolge starben bei erneuten Gefechten mehrere Zivilisten. Auch rund um den zerstörten Flughafen von Donezk kam es wieder zu Granatbeschuss.

Russland wies neue Vorwürfe einer Verlegung von Truppen und Waffen in die Konfliktregion Lugansk als „völligen Blödsinn“ zurück.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) forderte die Konfliktparteien zu einem sofortigen Ende der Kämpfe auf. Die Lage habe sich besonders durch Kämpfe um den strategisch wichtigen Flughafen der Großstadt Donezk verschlechtert, hieß es. Der Flughafen ist zum „heißesten Brennpunkt“ der Ostukraine geworden.

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