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Politik

18. August 2017 | 18:58 Uhr

Tatort Salzburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wer wissen will, wie ein Haus aussieht, in dem scheußliche Verbrechen begangen worden sein könnten, der sehe sich dieses Gebäude in der Carl-Storch-Straße in Salzburg an. Düster der Putz, verrammelt die Fenster, der Vorgarten verwildert. Nirgends ein Zeichen von menschlichem Leben. Und man ahnt, was die Mülltonne vor der Garage enthält. Die für „Location“ zuständigen Mitarbeiter der Tatort-Serie brauchten keinen Handschlag zu tun: So wie das Haus da steht, könnte es Tätern und Ermittlern als Arbeitsplatz willkommen sein. In Wirklichkeit aber spielt eine deutliche Mehrheit der nun 900 „Tatorte“ nicht in wunderbar verwahrlosten Häusern, sondern in edler Umgebung. Zu Recht ist daher von einigen der pro Sendung 10 Millionen Zuschauer beklagt worden, dass die mörderische Handlung an der Realität vorbeigeht. Jedenfalls was das Ambiente betrifft. Statt in luxuriösen Villen wird vorwiegend in tristen Siedlungshäusern und in trostlosen Sozialwohnungen gemeuchelt.

In dem eingangs erwähnten düsteren Haus drangen zwar auch Ermittler ein, aber nicht um ein Verbrechen zu klären, sondern um einen Schatz zu bergen; denn hier bewahrte der Kunstsammler Gurlitt den zweiten Teil seiner kostbaren Gemälde auf. Man kann sich vorstellen, wie sich einige Kleinkriminelle beim Hören der Nachricht geärgert haben. Da hebeln sie mühsam Terrassentüren und Fenster auf, um kleine Beute zu machen, und dann schützt in einem abseits gelegenen Einzelhaus nur eine offensichtliche marode Tür einen Millionenschatz. Der alte Gurlitt wusste eben, wo man Kostbarkeiten verbirgt: Dort, wo sie keiner vermutet.

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erstellt am 13.Feb.2014 | 12:01 Uhr

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