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Afghanistan : Taliban vertrieben: Regierungstruppen erobern Kundus zurück

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Aus der Onlineredaktion

Afghanische Spezialeinheiten haben das Stadtzentrum von Kundus wieder unter Kontrolle gebracht. Die Taliban dementieren.

Kundus | Regierungstruppen haben die nordafghanische Provinzhauptstadt Kundus nach offiziellen Angaben weitgehend von den Taliban zurückerobert. Nur in den Randgebieten von Kundus-Stadt hielten sich noch Aufständische auf, die bald von dort vertrieben würden, sagte der amtierende Provinzgouverneur Hamdullah Daneschi am Donnerstag.

Zwei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr aus Kundus hatten die radikalislamischen Taliban die Stadt am Montag überrannt - eine schwere Niederlage der afghanischen Sicherheitskräfte. Kundus war die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Aufständischen erobert wurde. Armee und Politik wirkten zunächst ratlos.


„Im Moment können wir wegen der andauernden Operation keine Angaben zu Opferzahlen der Sicherheitskräfte machen. Aber in den Kämpfen der vergangenen drei Tage sind Hunderte Taliban getötet worden.“ Augenzeugen berichten von vielen Toten auf den Straßen der Stadt.

Die Taliban dementieren, dass sie Kundus verloren hätten. „Unsere Kräfte haben sich nicht zurückgezogen, wir haben die Stadt immer noch unter Kontrolle“, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Donnerstagmorgen. „Letzte Nacht sind afghanische Sicherheitskräfte gemeinsam mit Amerikanern für eine halbe Stunde in die Stadt gekommen.“ Nach schweren Gefechten hätten sich die Sicherheitskräfte wieder zurückgezogen.

Der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Sedikki, hatte bereits in der Nacht über Twitter mitgeteilt, Spezialkräfte kontrollierten die Stadt. „Sie wurde zurückerobert.“ Zuvor war die von den USA mit Luftschlägen unterstützte Gegenoffensive der Regierung wirkungslos gewesen.

Präsident Aschraf Ghani versicherte der Nation am Dienstag aber, Kundus werde zurückerobert. Der afghanische Geheimdienst NDS gab am Dienstagabend bekannt, der Schattengouverneur der Taliban für die Provinz Kundus, Maulawi Abdul Salam, und Dutzende weitere Aufständische seien bei einem Luftangriff getötet worden. Am Mittwoch wurden von Nato-Truppen ausgebildete Spezialkräfte eingeflogen. Diese gelten als gut ausgerüstet.

Durch die Niederlage Anfang der Woche werden die Stimmen lauter, die die westliche Strategie der Aufstandsbekämpfung in Frage stellen. Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, sieht die Notwendigkeit eines umfassenden militärischen Nato-Einsatzes, sonst würden die Taliban über kurz oder lang die Macht im Land übernehmen.

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erstellt am 01.Okt.2015 | 08:47 Uhr

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