Taliban schneiden Wählern den Finger ab

dpa_14899e009a979652

shz.de von
15. Juni 2014, 16:03 Uhr

Stolz streckten viele Afghanen bei der Stichwahl für das Präsidentenamt ihren Finger in die Höhe: Bei jedem Wähler wurde der rechte Zeigefinger am Samstag mit blauer Tinte markiert, um eine mehrfache Stimmabgabe zu verhindern. Einigen Afghanen wurde die Tinte zum Verhängnis: Elf von ihnen schnitten die Taliban die markierten Finger ab (Foto). Die Extremisten überzogen Afghanistan am Wahltag mit Gewalt. Trotzdem versetzten Millionen Wähler den Taliban eine – im übertragenen Sinn – schallende Ohrfeige, indem sie sich ihrem Terror nicht beugten.

Der Tag der Stichwahl zwischen den Kandidaten Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani war der bislang blutigste Wahltag in Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Etwa 250 Menschen wurden getötet, die meisten davon Aufständische, aber auch viele Zivilisten starben. Unter den Toten sind Kinder und Frauen, Wahlhelfer und Wahlbeobachter. Dass sich nach Angaben der Wahlkommission mehr als sieben Millionen der zwölf Millionen Wahlberechtigten ihr Wahlrecht trotz des Terrors nicht nehmen ließen, ist eine der bislang schwersten moralischen Niederlagen der Taliban. Das Endergebnis soll am 22. Juli veröffentlicht werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert