UN-Tribunal : Suizid von Kriegsverbrecher Slobodan Praljak war kaum zu verhindern

Slobodan Praljak war veruteilt worden, weil er als Militärchef der bosnischen Kroaten Befehle gegeben und eine grauenvolle „systematische Terrorkampagne“ gegen bosnische Muslime unterstützt hatte.
Slobodan Praljak war veruteilt worden, weil er als Militärchef der bosnischen Kroaten Befehle gegeben und eine grauenvolle «systematische Terrorkampagne» gegen bosnische Muslime unterstützt hatte.

Praljak nahm nach seiner Verurteilung im Gerichtssaal Zyankali ein und starb. Die Ermittlungen laufen noch immer.

shz.de von
01. Januar 2018, 15:10 Uhr

Den Haag | Der Suizid des kroatischen Kriegsverbrechers Slobodan Praljak vor dem UN-Tribunal zum früheren Jugoslawien ist nach einer internen Untersuchung des Gerichts kaum zu verhindern gewesen. Es seien keinerlei Unregelmäßigkeiten bei den Sicherheitsverfahren festgestellt worden, teilte Richter Hassan Jallow, der die Untersuchung geleitet hatte, in einer am Sonntag in Den Haag verbreiteten Erklärung mit.

Praljak hatte kurz nach seiner Verurteilung im November noch im Gerichtssaal vor laufenden Kameras Zyankali eingenommen und war kurz darauf gestorben. Wie der Kroate an das Gift gekommen war, ist noch ungeklärt. „Die laufenden strafrechtlichen Ermittlungen der niederländischen Behörden können das möglicherweise aufklären“, hieß es in der Erklärung des aus Gambia stammenden Richters.

Die tödliche Zyankali-Dosis beträgt dem Bericht zufolge 200 bis 300 Milligramm, etwa so viel wie eine Tablette. Es werde in Puderform oder in Wasser aufgelöst aufbewahrt und sei nur sehr schwer zu entdecken, „selbst bei den intensivsten Durchsuchungen von Personen oder Zellen“. Richter Jallow wies daraufhin, dass nach den strengen Regeln des Gerichts über den respektvollen Umgang mit Häftlingen eine noch gründlichere Untersuchung kaum möglich sei.

Die Ermittlungen der niederländischen Staatsanwaltschaft laufen noch. Wann ein Ergebnis vorgestellt wird, ist unklar.

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