Sturz aus 2500 Metern – Hohner Piloten ohne Chance

Wrackteile werden auf einem Abschleppwagen abtransportiert.
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Wrackteile werden auf einem Abschleppwagen abtransportiert.

Untersuchung der Flug-Rekorder wird Wochen dauern / Insassen des Learjets waren Ex-Militärpiloten

shz.de von
24. Juni 2014, 17:01 Uhr

Nach dem Flugzeugabsturz im Sauerland haben Experten die Daten-Rekorder der Unglücksmaschine gefunden. Erste Zwischenergebnisse werde es allerdings erst in vier bis acht Wochen geben, sagte ein Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) gestern. Äußerlich seien der Flugdatenschreiber und der Gesprächs-Rekorder zerstört, die Mechanik sei aber intakt, sagte der Leiter der Untersuchung, Jens Friedemann. Bisher deute alles auf eine Kollision in der Luft hin. In den nächsten Tagen werde der beteiligte Kampfjet auf Spuren untersucht. Er hatte neben Maschinenteilen auch einen Tank verloren. Ob sich in dem Ersatzbehältnis Treibstoff befand, konnte der Sprecher nicht sagen.

Zwei Eurofighter der Bundeswehr und die Zivilmaschine sollten am Montagnachmittag ein gemeinsames Manöver fliegen. Ein Kampfjet touchierte dabei in 2500 Metern Höhe die Zivilmaschine, die mit Ex-Militärpiloten unterwegs war. Sie stürzte über dem Ort Olsberg-Elpe ab. Die Polizei geht davon aus, dass beide Männer nicht überlebt haben. Am Wrack waren Leichenteile gefunden worden. Die 50 und 43 Jahre alten Männer waren ehemalige Militärpiloten, wie die Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) in Hohn (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mitteilte. Sie hätten in einem Learjet gemeinsam mit zwei Eurofightern einen sogenannten Renegade-Einsatz geflogen, sagte GFD-Geschäftsführer Klaus Menzel. Die Maschine sei in Hohn gestartet, das Manöver sollte über dem Sauerland beginnen. Die Männer stammten aus dem nördlichen Schleswig-Holstein.

Der Begriff „Renegade“ stammt aus dem Englischen und steht für Abtrünniger oder Überläufer. „Es passiert jeden Tag, dass ein Flugzeug in den deutschen Luftraum eintritt und nicht identifiziert werden kann“, sagte Menzel. Genau dieser Fall habe trainiert werden sollen.

Gegen die Piloten der zwei Bundeswehr-Kampfjets wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Arnsberg wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Falls ein technisches Problem für den Absturz verantwortlich sein sollte, könnten sich die Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung beispielsweise auch gegen Bodenpersonal richten, hieß es. An der Absturzstelle gingen die Untersuchungen weiter. Federführend ist dabei die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU).

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