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Probleme mit Treffsicherheit : Sturmgewehr G36: Schneller Ersatz ist unwahrscheinlich

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Hat die Bundeswehr in Afghanistan mit Gewehren gekämpft, die „nicht in vollem Umfang einsatzreif“ sind? Ja, sagen Gutachter.

Berlin | Für das Sturmgewehr G36 ist trotz Problemen mit der Treffsicherheit ein schneller Ersatz unwahrscheinlich. Die notwendigen Tests und Vergaberichtlinien machen die kurzfristige Anschaffung einer neuen Standardwaffe nach Auffassung des für Ausrüstung zuständigen Bundesamts unmöglich. „Insofern ist eine mehrjährige Übergangslösung unter Rückgriff auf die in der Bundeswehr eingeführten Waffen erforderlich“, heißt es in einer Stellungnahme des Amts aus dem vertraulichen G36-Expertengutachten für das Verteidigungsministerium.

Zweifel an der Treffsicherheit waren dem Verteidigungsministerium mindestens seit November 2011 bekannt. Zunächst waren aber kaum Konsequenzen gezogen worden. Das am Freitag vorgelegte Gutachten gab Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Juli 2014 in Auftrag. Sie wusste von den wesentlichen Ergebnissen bereits Ende März und hatte sich danach vorbehalten, die rund 167.000 G36-Gewehre in den Beständen der Bundeswehr komplett auszumustern.

Eine komplette Ausmusterung der Gewehre würde maximal zehn Jahre dauern. Die Behörde empfiehlt daher, die Nutzungsdauer für das G36 über 2016 hinaus zu verlängern und auch Geld in die Instandhaltung zu stecken. Das Planungsamt der Bundeswehr fordert in dem Gutachten dagegen eine kurzfristige Anschaffung neuer Gewehre zumindest für den Einsatz als Übergangslösung.

Die Präzisionsprobleme sind nach der Untersuchung größer als vermutet. Bei einer Temperaturveränderung um 30 Grad wurde durchschnittlich nur noch eine Trefferquote von 30 Prozent gemessen, wobei es in den unterschiedlichen Temperaturbereichen Unterschiede gab. So sank die Trefferquote bei einer Veränderung von 15 auf 45 Grad sogar auf 7 Prozent. Gefordert werden von der Bundeswehr 90 Prozent, wie sie sich in Vergleichstests als technisch möglich erwiesen haben.

„Das bedeutet für den Soldaten im Einsatz, dass der Gegner selbst mit den ersten Schüssen nicht gezielt getroffen werden kann“, schreiben die Experten aus dem Planungsamt in dem 372 Seiten starken Gutachten, das der Deutschen Presse-Agentur in Auszügen vorliegt. Die Befunde für Dauerfeuer sind ähnlich deutlich. Schon nach Verschießen von zwei Magazinen (jeweils 30 Schuss) könne die Waffe den Gegner nicht mehr zuverlässig treffen.

Das Urteil der Bundeswehr-Prüfer: „Die Waffe ist für den Einsatz nur eingeschränkt tauglich und daher nicht in vollem Umfang einsatzreif.“ Es gebe damit „eine erhebliche Fähigkeitslücke ..., die im Sinne der Überlebens- und Durchhaltefähigkeit sowie der Wirksamkeit im Einsatz schnellstmöglich geschlossen werden muss“.

Der Hersteller Heckler & Koch wirft dem Ministerium Rufschädigung vor. „Was wir herstellen, ist zu 100 Prozent einsatzfähig“, sagte Andreas Heeschen, der Eigentümer der Herstellerfirma, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Es kann einfach nicht sein, dass nun nach zwanzig Jahren entdeckt wird: Das Gewehr taugt nichts.“

Heeschen widersprach einem „Spiegel“-Bericht, wonach es bei der Qualitätskontrolle für das Sturmgewehr Ungereimtheiten gebe. Das Magazin hatte berichtet, Heckler & Koch verfüge - gegen alle Vorschriften - über eine Lasersoftware mit dem amtlichen Prüfsiegel. Heeschen sagte, das Unternehmen handele dabei „auf Weisung“.

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erstellt am 19.Apr.2015 | 12:58 Uhr

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