Schleswig-Holstein am teuersten : Studie: Kita-Beiträge belasten vor allem arme Haushalte

Ärmere Familien werden von den Kita-Beiträgen weitaus stärker belastet als besser gestellte Familien.

Ärmere Familien werden von den Kita-Beiträgen weitaus stärker belastet als besser gestellte Familien.

Eltern in SH zahlen im Schnitt am meisten für den Kita-Besuch ihrer Kinder. Familienminister Garg sieht seine Reformpläne bestätigt.

shz.de von
28. Mai 2018, 07:13 Uhr

Gütersloh | Einkommensarme Familien sind einer Studie zufolge bei Kita-Beiträgen überproportional stark belastet. Zwar sind die Gebühren vielerorts nach Einkommen gestaffelt – Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze müssen aber dennoch durchschnittlich einen nahezu doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Kita aufwenden wie finanziell besser gestellte. Das geht aus der heute von der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh veröffentlichten Erhebung „ElternZoom 2018“ hervor. Außerdem variiere die finanzielle Belastung der Familien variiere je nach Wohnort, kritisierte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Am meisten zahlen Eltern in Schleswig-Holstein.

Doppelt so hohe Ausgaben

Armutsgefährdete Eltern, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügen, geben monatlich fast 10 Prozent ihres gesamten Haushaltsnettoeinkommens – im Mittelwert 118 Euro – für die Kita aus. Bei Familien oberhalb der Armutsgrenze sind es „nur“ 5 Prozent – 178 Euro. Hinzu kommen laut Studie Zusatzgebühren etwa für Mittagessen, Hygieneartikel oder Ausflüge – rund 45 Euro im Schnitt. Die Ergebnisse beruhen laut Bertelsmann auf zwei bundesweit teilweise in Kooperation mit Infratest-dimap erhobenen separaten Befragungen von insgesamt rund 10.490 Eltern.

Ungerechte Verteilung

Die finanzielle Belastung sei ungerecht verteilt, bemängelte die Stiftung – und forderte Kita-Beitragsfreiheit für armutsgefährdete Familien. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bekräftigte in Berlin das Ziel einer Kita-Beitragsfreiheit. Hohe Elternbeiträge könnten eine Hürde sein, sagte sie laut Mitteilung. „Das Einkommen der Eltern darf aber nicht darüber entscheiden, ob und wann Kinder in eine Kindertageseinrichtung gehen. Eine zentrale Säule unseres Gute-Kita-Gesetzes ist deshalb der Einstieg in die Beitragsfreiheit.“ In dieser Wahlperiode fließen der Ministerin zufolge 3,5 Milliarden Euro in die Kindertagesbetreuung.

Menschen aus SH geben am meisten aus

Je nach Bundesland schlagen die Kita-Gebühren laut Studie unterschiedlich stark zu Buche: Am meisten geben Eltern in Schleswig-Holstein mit 8,9 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kita aus, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (7,8), Niedersachsen (7,3) und dem Saarland (7,2). Besonders wenig zahlen Familien in Berlin (2,0), Rheinland-Pfalz (4,0) und Hamburg (4,3). Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt – wie Bremen – mit 6,6 Prozent leicht über dem Bundesschnitt. Ähnlich sieht es in Hessen (6,7), Baden-Württemberg (6,5), Brandenburg (6,2), Thüringen (6,1) und Bayern (5,9) aus.

Qualität ist den Eltern wichtig: Eine bundesweite Mehrheit von 53 Prozent der einkommensschwachen und 59 Prozent der finanzkräftigeren Eltern würde für mehr Personal und bessere Ausstattung nach eigenen Angaben auch höhere Beiträge akzeptieren.

Reformpläne der Landesregierung

Die Ergebnisse der Studie „bestätigen voll den eingeschlagenen Weg der Landesregierung bei der Kitareform – Elternbeiträge runter, Kita-Qualität rauf“, sagte Schleswig-Holsteins Familienminister Heiner Garg am Montag in einer Pressemitteilung. Die Regierung stelle bis 2022 rund eine halbe Milliarde Euro an zusätzlichen Mitteln für den Kita-Bereich bereit.

Zudem gebe die Studie Rückenwind für Schleswig-Holsteins Anstrengungen gegenüber dem Bund für mehr Engagement im Kita-Bereich. Garg hatte dazu einen Antrag auf der Jugend- und Familienministerkonferenz eingebracht.

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