Strom nur gegen Vorkasse

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12. November 2013, 00:31 Uhr

Steigende Energiekosten machen Hartz-IV-Beziehern, Rentnern und Niedriglöhnern erheblich zu schaffen. Allein 2012 wurden 312 000 Stromsperren verhängt – weil Kunden ihre Rechnung nicht bezahlt haben. Deshalb wollen Union und SPD nun erreichen, dass Stromversorger „Prepaid-Karten“ wie beim Handy anbieten.

Verbraucherverbände fordern schon länger solch ein System, bei dem Kunden Stromkontingente auf „Prepaid-Karten“ laden oder ihr Guthaben online beziehen können. „Wo Energieschulden drohen, sind Prepaid-Stromzähler sinnvoll“, heißt es beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das Verfahren vermeide, dass sich Monat für Monat Stromschulden auftürmten und Kunden hohe Mahnkosten zahlen müssen. Auch die Gebühren (etwa 60 Euro) für das aufwändige Kappen und Wiederherstellen der Versorgung entfallen. „Vor allem schafft das Prepaid-System Kostentransparenz“, erklärte gestern Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Wer seine Karte mit fünf Euro auflädt, und 24 Stunden später ist sie leer, der fragt sich, wo die Stromfresser im Haushalt sind“, so Hagen. Das führe in der Regel zu deutlichen Verbrauchsreduktionen und sei damit auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Zudem erlaube ein solcher Zähler einen schnelleren Anbieterwechsel. Man kaufe sich einfach eine Karte vom Anbieter seiner Wahl und könne dann sofort über das Stromkontingent verfügen.

Das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie fordert seit Langem, die künftigen digitalen Zähler (Smartmeter) generell mit dieser Funktion auszurüsten. Das Konzept „Zahlen nach Bedarf“ sei vom Handy her vertraut. Wichtig sei jedoch, dass die Kosten der Prepaid-Zähler und die Strompreise für dieses spezifische Angebot den Verbraucher nicht übervorteilten. In Großbritannien ist das Verfahren seit Jahrzehnten auch bei herkömmlichen Zählern üblich. Landesweit gibt es dort 3,4 Millionen Vorkasse-Geräte. Sie wurden früher mit Geldmünzen gefüttert, heute geht das per Code-Nummer, Daten-Schlüssel oder elektronischer Karte.

In Deutschland sind solche Zähler eher selten. Nur vereinzelt haben Stadtwerke Zähler vor allem bei häufig säumigen Kunden umgerüstet. Die künftige Bundesregierung will die Energieversorger jetzt verpflichten, ihre Stromzähler umzurüsten– mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren.

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