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Panama Papers : Steueroasen in aller Welt: Hier parken Reiche ihr Geld

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Auf den Bahamas oder den Kaimaninseln lässt es sich super Steuern sparen. Doch einige Steuerparadiese sind gar nicht so weit weg, wie man denkt.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2016 | 13:36 Uhr

Die Panama Papers brachten es ans Licht: Recherchen zufolge verschleiern Spitzenpolitiker, Sportstars und Kriminelle reihenweise ihr Vermögen über Briefkastenfirmen. Wie global die Verstrickungen sind, zeigt eine Karte von shz.de. Die Reaktionen aus Politik und Gesellschaft gehen von Entsetzen bis zu nicht wirklich überrascht.

Foto: dpa Infografik
 

Die EU-Kommission hat der Steuervermeidung schon länger den Kampf angesagt. 2012 hat sie einen Aktionsplan zur Bekämpfung von Steuerbetrug initiiert. Der Plan enthält konkrete Schritte gegen Steueroasen. 2015 veröffentlichte die EU-Kommission eine Liste, auf der 30 Steueroasen verzeichnet sind. Diese Länder kooperieren nicht mit der Europäischen Union.

Europa Andorra, Guernsey, Liechtenstein, Monaco
Karibik Anguilla, Bermuda, Panama, Antigua und Barbuda, British Virgin Islands, Saint-Vincent, Bahamas, Kaimaninseln, Saint Christopher and Nevis, Barbados, Grenada, Turks and Caicos Islands, Belize, Montserrat, US Virgin Islands
Asien Brunei, Hong Kong, Malediven
Afrika Liberia, Mauritius, Seychellen
Bei Australien Cook Islands, Nauru, Niue, Marshall Islands, Vanuatu

Im Oktober 2015 hat die EU Steuerschlupflöcher für Großkonzerne geschlossen.  Die EU-Finanzminister verständigten sich in Luxemburg einstimmig auf ein neues Gesetz, das erstmals einen Austausch von sogenannten Steuer-Vorbescheiden für Unternehmen ermöglicht. Das Gesetz soll vom 1. Januar 2017 an gelten.

Im Rahmen des Informationsaustausches erhalten EU-Staaten künftig automatisch detaillierte Angaben zu Bürgern, die in Liechtenstein ein Konto besitzen. Unter anderem werden Namen, Anschriften, Steuer-Identifikationsnummern und Kontensalden übermittelt. Bereits im Mai hatte die EU ein ähnliches Abkommen mit der Schweiz unterzeichnet.

Nach den jüngsten Steuerhinterziehungs-Enthüllungen durch die Panama Papers hat die panamaische Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Doch das Land ist bei weitem nicht das einzige, welches günstige Steuern anbietet und somit für Vermögende interessant wird. shz.de mit einer Auswahl weiterer Steueroasen.

Luxemburg

2014 wurde bekannt, dass Luxemburg Konzerne mit verbindlichen Steuerzusagen ins Land gelockt und ihnen Steuern erspart hatte - was auf Kosten der Steuereinnahmen anderer EU-Länder ging. Die „Luxleaks“-Affäre setzte auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker unter Druck, weil der Christdemokrat dort 18 Jahre lang Regierungschef war. Als Präsident der EU-Kommission hat Juncker Steuersparmodellen nun den Kampf angesagt.

Unter den Firmen sollen einige bekannte Namen vertreten sein.  Eine interne Bank des Disney-Konzerns schaffte es mit Hilfe des Beratungsunternehmens Ernst&Young, auf Gewinne von mehr als einer Milliarde Euro binnen fünf Jahren in Luxemburg nur 2,8 Millionen Euro Einkommenssteuer abzuführen. Die Luxemburger Zentrale des Internetkonzerns Skype habe bis zu 95 Prozent der Lizenzeinnahmen nicht versteuern müssen.

Die Kaffeekette „Starbucks“ und eine Tochter des Autobauers „Fiat“ müssen sich wegen illegaler Steuervorteile nach einer EU-Entscheidung auf Nachzahlungen von jeweils bis zu 30 Millionen Euro einstellen.

San Marino

San Marino ist eine unabhängige Republik auf der italienischen Halbinsel und liegt rund 20 Kilometer südwestlich von Rimini. Seit Jahren bemüht sie sich, ihren schlechten Ruf als Steueroase los zu werden. Wie andere gegenwärtige oder frühere Steuerparadiese steht sie unter dem Druck, sich internationalen Standards anzupassen.

Italienischen Fahnder ermitteln seit 2015 gegen mehr als 20.000 mutmaßliche Steuerflüchtige, die Milliardenbeträge in den Kleinstaat San Marino transferiert haben sollen. Dank einer neuen Software hätten Ermittler festgestellt, dass im Zeitraum von 2006 bis 2014 insgesamt 26.953 Personen oder Firmen Beträge von mehr als 22 Milliarden Euro aus Italien ins fünftkleinste Land der Welt geschafft hätten, berichtete das Wochenmagazin „L'Espresso“.

Monaco

Der Staat an der Côte d'Azur ist nicht nur ein Jetset-Paradies, sondern auch eine Steueroase. Es war so einfach: Einfach einen Wohnsitz dort haben und 180 Tage im Jahr dort aufhalten. Allerdings könnten dort die fetten Jahre bald vorbei sein. Der von der EU beschlossene Informationsaustausch ist so gut wie sicher.

Panama

Panama ist einer der wichtigsten Finanzplätze in Lateinamerika. Ein äußerst liberales Bankengesetz hat zahlreiche Kreditinstitute nach Mittelamerika gelockt. Derzeit sollen etwa 90 Banken Einlagen in Höhe von rund 65 Milliarden US-Dollar verwalten. Die Finanzkrise ging an Panama weitgehend vorbei und brachte dem Finanzplatz sogar zusätzliche Investitionen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) lobt in seinem jüngsten Bericht die Stabilität des Bankensektors.

Nachdem sich die Schweiz zuletzt von ihrem Bankgeheimnis verabschiedet hatte, galt Panama vielen als neue Steueroase. Immer wieder gibt es Berichte über illegale Transaktionen. In den 1980er Jahren war das Land das Bankenzentrum der kolumbianischen Drogenkartelle. Zuletzt bemühte sich Panama allerdings darum, dieses Image loswerden und sich als seriöser Finanzplatz zu positionieren.

So erließ die Regierung eine Reihe neuer Richtlinien für Banken, Versicherungen, Immobilienfirmen sowie Wertpapier- und Edelsteinbörsen. Im Februar strich der OECD-Arbeitskreis für Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung (Gafi) Panama von der grauen Liste, auf der Staaten geführt werden, die beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerinformationen noch hinterherhinken.

Bahamas

Ganz vorn mit dabei sind die Bahamas. Dort zahlt man kaum Steuern. Eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt jeder, der für mindestens 500.000 Dollar Immobilien erwirbt. Das Bankgeheimnis kann zwar aufgehoben werden, aber nicht wegen Steuerhinterziehung. Und auch nur, wenn gegen Gesetze der Bahamas verstoßen wurde.

Schweiz

Im Kampf gegen die grenzüberschreitende Steuerflucht haben die EU und die Schweiz im Mai 2015 ein Abkommen über den automatischen Austausch von Bankdaten ab 2018 besiegelt. „Es eröffnet eine neue Ära der Steuer-Transparenz und markiert de facto das Ende des Bankgeheimnisses für die EU und die Schweiz“, sagte der für Steuern zuständige EU-Kommissar Pierre Moscovici nach der Unterzeichnung des Abkommens. „Dies ist ein historischer Moment - sowohl politisch wie auch symbolisch.“

Bei Inkrafttreten des Abkommens werden die 28 EU-Staaten künftig von der Schweiz jährlich Daten zu allen Steuerpflichtigen erhalten, die dort ein Konto haben. Dazu gehören Namen, Adressen, Steuernummern und Geburtstage sowie Informationen zu Finanzbewegungen und zum Kontostand.

Auch wenn das Bankensystem in der Schweiz in den letzten Jahren transparenter geworden ist, gilt es gerade bei Entwicklungsländern nach wie vor als Steuerparadies. Das Land habe mit wenigen Industrieländern Amtshilfe bei Steuerflucht vereinbart, sagt die Global Alliance for Tax Justice.

Liechtenstein

In Liechtenstein wird die Luft für Steuerhinterzieher dünner.  Im Kampf gegen Steuerflucht hat die EU nun auch mit Liechtenstein ein Abkommen über den Austausch von Kontodaten geschlossen. „Der verstärkte Informationsaustausch wird es den Steuerbehörden erleichtern, Steuerhinterzieher aufzuspüren, und gleichzeitig davor abschrecken, Einkünfte und Vermögen im Ausland zu verbergen“, teilte die EU-Kommission mit. Die Übermittelung von Daten werde bereits 2017 starten.

Kaimaninseln

Nicht nur Sonne und Palmen, sondern auch noch satte Ersparnisse: Anleger profitieren von niedrigen Steuern auf Vermögen und vertrauen auf Anonymität und Diskretion. Weitere Inseln mit diesen Vorteilen sind die britischen Jungferninseln, die Cookinseln, Samoa im Südpazifik und die Seychellen im Indischen Ozean.

(mit dpa)

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