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Kirche, Hospizverband, Ärzte : Sterbehilfe: Das sagen Schleswig-Holsteiner zur Entscheidung im Bundestag

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Am Freitag haben die Abgeordneten im Bundestag gegen geschäftsmäßige Sterbehilfe gestimmt. Was sagen Schleswig-Holsteiner dazu? shz.de hat nachgefragt.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2015 | 16:30 Uhr

Der Bundestag hat am Freitag über ein neues Gesetz zur Sterbehilfe abgestimmt. Das Ergebnis war eindeutig: Ein Großteil hat sich gegen die geschäftsmäßige Sterbehilfe ausgesprochen. Doch was sagen Verbände in Schleswig-Holstein dazu? Wir haben Vertreter des Hospizes, der Kirche und der Ärzteschaft gefragt.

Das sagt der Hospiz- und Palliativverband Schleswig-Holstein:

„Ich hätte kein neues Gesetz gebraucht“, meint Dr. Hermann Ewald, Arzt und erster Vorsitzender des Verbands. Dadurch, dass das Gesetz in Einzelfällen - beispielsweise Angehörigen - Beihilfe zum Suizid erlaubt, könnten sich eben diese unter Druck gesetzt fühlen. Dem ärztlichen Leiter des Flensburger Katharinenhospizes am Park begegnen in seiner Arbeit immer wieder schwerkranke Menschen mit dem Wunsch zu sterben. „Wir müssen die Menschen ernst nehmen und mit ihnen reden“, sagt der 58-Jährige. Oft würde der Wunsch nach dem Tod verschwinden. Besonders schlimm sei für viele die verlorene Selbstständigkeit. Auch hier sieht Ewald das Umfeld in der Pflicht. Man müsse versuchen, die Selbstständigkeit der Patienten so gut es geht aufrechtzuerhalten - und achtsam und liebevoll auf deren Bedürfnisse eingehen. Und nicht zuletzt müsse in der Gesellschaft ein Umdenken stattfinden. „Man muss lernen, schwerkranke Menschen nicht als Belastung, sondern als Gewinn zu sehen.“ Denn die Begleitung eines kranken Menschen könne auch für Angehörige eine wichtige Erfahrung sein.

 

Das sagt die Kirche:

Ähnlich wie Dr. Hermann Ewald äußert sich die Pastorin Susanne Kernich-Möller aus Schleswig. Sie begrüße die Entscheidung der Abgeordneten, die geschäftsmäßige Sterbehilfe zu verbieten. Auch sie hat als Krankenhaus-Pastorin die Erfahrung gemacht, dass bei vielen Schwerkranken der Wunsch zu sterben nachlässt, wenn man lange Gespräche mit ihnen führt. „Oft merken sie dann, dass ihnen Zeit bleibt, um wichtige Dinge noch in Ruhe zu regeln“, erzählt die 61-Jährige. Mit der Entscheidung, dass die Sterbehilfe in Einzelfällen erlaubt ist, könne sie gut leben. „Man muss darauf vertrauen, dass die Ärzte die Möglichkeit nicht ausnutzen.“ Doch schließlich müssten auch die am Ende mit ihrer Entscheidung leben können.

 

Das sagen die Ärzte:

Die Abstimmung im Bundestag spiegele genau das wider, wofür sich die Mitglieder der Ärztekammer Schleswig-Holstein bereits im September ausgesprochen haben: Auch sie seien gegen die geschäftsmäßige Sterbehilfe, wollen im Einzelfall aber selbst entscheiden dürfen. Das fasst Dr. Carsten Leffmann, ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Schleswig-Holstein, zusammen. „Wir Ärzte wissen, wie individuell und speziell die Fälle sind“, sagt er. Aus diesem Grund befürworte er den Handlungsspielraum, der Ärzten nach wie vor überlassen wird. In einer rechtlichen Grauzone sieht er die Mediziner dabei nicht: Darum, Menschen umzubringen, gehe es nicht. Fälle, in denen eine Entscheidung zur Sterbehilfe getroffen werden müsste, seien sehr selten. Viel öfter gehe es um die angemessene Begleitung von Schwerkranken bis zu ihrem Tod. Sterbehilfe auch geschäftsmäßig zu erlauben, sieht er sehr kritisch - auch, weil sich ein Gewöhnungseffekt bemerkbar machen könnte und sich Patienten, die niemandem zur Last fallen wollen, unter Druck gesetzt fühlen könnten.

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