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Nach Attentat von Las Vegas : Stephen Paddock mietete weitere Zimmer an – Waffenvorrichtung soll verboten werden

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Möglicherweise sind das „Lollapalooza“ und ein weiteres Festival knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Washington/Las Vegas | US-Präsident Donald Trump erwägt nach dem Massenmord von Las Vegas ein Verbot von Schnellfeuer-Vorrichtungen, die halbautomatische Waffen fast so schnell schießen lassen wie Maschinengewehre. „Wir werden das in der nächsten, kurzen Zeit prüfen“, sagte er dem Sender CNN zufolge am Donnerstag (Ortszeit) auf die Frage eines Journalisten. Zuvor hatte sich sogar die einflussreiche Waffenlobby NRA dafür ausgesprochen, die Vorrichtung, die Waffenbesitzer selbst anbauen können, mit „zusätzlichen Beschränkungen“ zu belegen. Kongressmitglieder hatten sich offen für ein Verbot der Umbauvorrichtung gezeigt.

Der Todesschütze, der in Las Vegas 58 Menschen tötete, verwendete die sogenannten Bump Stocks. Er konnte so bis zu 900 Schuss pro Minute abgeben. Die Suche nach einem Motiv dauert an. Es wurde bekannt, dass Stephen Paddock auch vor seiner Tat in Las Vegas in anderen Hotels Zimmer mit Blick auf Festivals anmietete.

Die „National Rifle Association“ ist in der Vergangenheit nach Massenschießereien stets gegen jegliche Beschränkungen des persönlichen Waffenbesitzes eingetreten. Trump hatte dabei seine Unterstützung zugesichert: „Ihr seid meine Freunde, das könnt ihr mir glauben“, hatte er Ende April als Redner auf einem Kongress der Waffenlobby gesagt. „Ihr habt euch für mich eingesetzt, ich werde mich für euch einsetzen.“ Kritiker werfen der NRA deshalb vor, sich nur für Beschränkungen der Bump Stocks offen zu zeigen, um eine grundlegendere Verschärfung des Waffenrechts zu verhindern. Der erteilte die Lobby in ihrer Mitteilung nach der Bluttat entsprechend eine Absage. Auch Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte, für eine Debatte über ein generell schärferes Waffenrecht sei es noch zu früh. Man wisse noch zu wenig über die Tat.

Tatmotiv von Stephen Paddock weiter unklar

Die amerikanische Polizei hat die Freundin des Attentäters vernommen und viele Indizien gesammelt, doch das Motiv für das Massaker von Las Vegas liegt weiter im Dunkeln. Warum hat der 64-jährige Amerikaner Stephen Paddock aus dem Fenster seines Hotelzimmers heraus in eine Menschenmenge gefeuert und dabei mindestens 58 Menschen getötet? Diese Frage bewegt derzeit ganz Amerika.

Polizisten fanden bei der Durchsuchung des Zimmers im 32. Stock des Mandalay Bay Resort Hotels am berühmten Strip von Las Vegas einen Zettel mit einer Notiz des Attentäters. Über den Inhalt wurde zunächst nichts bekannt, es habe sich jedoch nicht um einen Abschiedsbrief gehandelt. Der Bezirkssheriff von Las Vegas, Joseph Lombardo, geht inzwischen auch davon aus, dass dem Mann bei der minutiösen Vorbereitung der Tat geholfen worden sein muss.

„Man muss annehmen, dass er an irgendeinem Punkt Hilfe gehabt hat“, sagte der Bezirkssheriff. Die Vernehmung seiner inzwischen von den Philippinen in die USA zurückgekehrten Freundin, einer 62 Jahre alten Australierin mit philippinischen Wurzeln, brachte zunächst keine wesentlichen Erkenntnisse. Die Frau gab der Polizei zufolge an, sie habe von einem Plan für ein Verbrechen nichts gewusst.

Unklar ist auch, ob der Mann weitere Taten geplant hatte. Offenbar hatte er hoch gelegene Räume in einem Gebäude angemietet, das den Blick auf ein weiteres Musikfestival ermöglichte. Es gebe auch Erkenntnisse, wonach Paddock nach den Schüssen von Las Vegas einen Fluchtplan gehabt haben könnte. In seinen Häusern hatte der 64-Jährige weitere Schusswaffen sowie Chemikalien gehortet, aus denen Sprengstoff gemacht werden kann.

Als Einsatzkräfte während des Massakers das Zimmer im 32. Stock des Mandalay-Bay-Hotels umstellten, fanden sie zwei Kameras, die Paddock auf einem Servierwagen im Flur vor seinem Zimmer installiert hatte, wie der Sender CNN berichtete. Eine weitere habe im Guckloch der Zimmertür gehangen. „Er tat zu diesem Zeitpunkt alles ihm Mögliche, um zu sehen, wie er noch fliehen könnte“, sagte Lombardo. Als ihm das nicht mehr möglich schien, habe er sich erschossen.

Paddock mietete Zimmer mit Blick auf das „Lollapalooza“ und das „Life is beautiful“-Festival

In Paddocks Auto im Parkhaus des Hotels hatten Ermittler knapp 23 Kilo (50 amerikanische Pfund) Sprengstoff und weitere 1600 Schuss Munition gefunden. Außerdem hatte er neben dem Hotel ein weiteres Zimmer in einem Komplex gemietet, von dem aus er einen Blick auf das „Life is Beautiful“-Musikfestival gehabt habe, das vom 22. bis 25. September in Las Vegas stattfand, sagte Lombardo. Nach einem Bericht der „Zeit“ soll Paddock außerdem im August ein Zimmer in Chicago angemietet haben, von dem aus man auf das Lollapalooza-Festival blicken konnte. Ob der Todesschütze sich zu dem Zeitpunkt auch in Chicago aufhielt, ist laut Ermittlern unklar.

Die Zahl der Verletzten von Paddocks Schüssen bezifferte Lombardo am Mittwochabend mit 489, nachdem zuvor von mehr als 500 die Rede gewesen war. 317 davon hätten das Krankenhaus inzwischen verlassen können, berichtete die „Washington Post“. Ein deutsches Ehepaar, das im Urlaub zufällig im selben Stockwerk des selben Hotels wie der Schütze wohnte, beschrieb die Lage in Las Vegas nach dem Attentat bei „Stern TV“ als „wie im Kriegsgebiet“.

Freundin beschreibt Paddock als „gütigen“ Menschen

US-Präsident Donald Trump hatte sich am Mittwoch in Las Vegas mit Überlebenden des Massakers sowie Ersthelfern und Polizisten getroffen. Dabei würdigte er den Mut von Opfern, die trotz eigener Verletzungen zuerst anderen beigestanden hätten, den Einsatz der Polizei und anderer ziviler Helfer. Den Todesschützen bezeichnete er als eine „verrückte, kranke Person“.

Die Freundin des Attentäters beschrieb Paddock dagegen als „fürsorglichen“ und „gütigen“ Menschen, den sie geliebt habe. Sie sei über das, was er angerichtet habe, völlig am Boden zerstört. Paddock habe niemals etwas gesagt oder getan, was sie als Warnzeichen hätte verstehen können.

Zu ihrem Aufenthalt im Ausland während des Massenmordes sagte sie, Paddock habe ihr ein Flugticket zum Besuch ihrer Familie auf den Philippinen geschenkt. Später habe er ihr Geld überwiesen, damit sie sich ein Haus kaufen könne. Sie sei besorgt gewesen, dass ihr Freund vorhaben könnte, sich von ihr zu trennen.

Paddock habe 100.000 Dollar (85.000 Euro) auf die Philippinen überwiesen, zitierte CNN einen Justizsprecher. Ermittler hätten aber noch nicht klären können, wann die Überweisung genau stattgefunden habe und wer der Empfänger gewesen sei. Die Bundespolizei FBI arbeite mit den philippinischen Behörden zusammen, um die Fragen zu klären.

(mit dpa)

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