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Drei Festnahmen bei Razzien : Staatsanwaltschaft: Islamisten planten Anschlag in Berlin

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Bei großangelegten Polizeieinsätzen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wurden drei Männer festgenommen.

Berlin | Die mutmaßlichen Mitglieder der am Donnerstag aufgeflogenen islamistischen Terrorzelle haben nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft einen Anschlag in Berlin geplant. „Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland - konkret für Berlin“, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Martin Steltner, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zu einem Bericht der „Bild“-Zeitung, offenbar sei ein Anschlag am Alexanderplatz im Zentrum der Hauptstadt geplant gewesen, wollte sich Steltner nicht äußern.

In Deutschland besteht nicht zuletzt durch die Beteiligung am Syrien-Einsatz erhöhte Terrorgefahr. Die diesjährigen Karnevalsumzüge stehen daher unter besonderem Polizeischutz.

Bei Razzien in mehreren Bundesländern hat die Polizei mehrere Islamisten festgenommen, die ein Attentat in Deutschland oder im europäischen Ausland geplant haben sollen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen wurde der Hauptverdächtige, ein 35-jähriger Algerier, am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Attendorn festgenommen. Ein zweiter Algerier wurde in Berlin festgesetzt. Weiter gesucht wird laut Polizei nach einem 31-Jährigen in Berlin. Allein in Berlin durchsuchten 450 Polizisten vier Wohnungen und zwei Betriebe.

In der Region Hannover hat es zwei Durchsuchungen gegeben. Die Fahnder durchsuchten am Donnerstag ein Flüchtlingsheim in Isernhagen bei Hannover sowie ein Mehrfamilienhaus im Zentrum Hannovers, wie Ermittler bestätigten. Der gesuchte 26 Jahre alte Verdächtige wurde dabei angetroffen, aber nicht festgenommen. Die Polizei in Hannover wollte dies nicht näher erläutern. Die Fahnder beschlagnahmten mehrere Laptops und Handys.

Bei den Ermittlungen hatte sich nach dpa-Informationen ein Bezug der Verdächtigen ins Bürgerkriegsland Syrien ergeben. Ob die Männer Kampferfahrungen haben, war unklar. Der Hauptverdächtige hielt sich demnach in einem Erstaufnahmeauflager für Flüchtlinge in Attendorn im Kreis Olpe auf. Der Mann wird wegen Zugehörigkeit zur Terrorgruppe IS auch von algerischen Behörden gesucht. Er soll in Syrien militärisch ausgebildet worden sein und ist im Herbst 2015 als Flüchtling nach Deutschland eingereist.

Der Mann kam nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom Donnerstag über die sogenannte Balkanroute und wurde in Bayern als Flüchtling registriert. Nach ersten Hinweisen auf Anschlagspläne sei der Mann dann in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht worden.

Terror-Spuren nach Brüssel-Molenbeek

Die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gilt als Problemviertel. Auch jetzt weisen wieder Spuren eines in Hannover gesuchten Terrorverdächtigen in die belgische Islamistenhochburg. Gut ein Viertel der rund 95. 000 Einwohner dort hat keinen belgischen Pass, muslimische Einwanderer sind kaum integriert. 30 Prozent der Bewohner haben keinen Job.

Wiederholt machte Molenbeek Schlagzeilen durch islamistische Terrorverdächtige, oft werden nach Razzien Verdächtige festgenommen.

Nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ in Paris vor gut einem Jahr fasste die Polizei dort zwei Männer, die Beamte bedroht haben sollen.

Auch nach dem Angriff auf den Thalys-Zug im August 2015 führte eine Spur nach Molenbeek. Zudem hatte der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Terrorserie vom November 2015, Abdelhamid Abaaoud, in Molenbeek gelebt. Von dort stammt auch der Terrorverdächtige Salah Abdeslam, der an den Pariser Anschlägen beteiligt gewesen sein soll und noch immer gesucht wird.

 

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat ungeachtet der Festnahme eines Terrorverdächtigen im Sauerland keine Erkenntnisse über eine konkrete Terrorgefahr in dem Bundesland. „Wir haben derzeit keine Hinweise, dass Anschläge in NRW - auch nicht im Zusammenhang mit Karneval - geplant worden sind“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Donnerstag in Düsseldorf.

Gegen die Männer wird bereits seit mehreren Wochen ermittelt. Die Erkenntnisse hätten sich um den Jahreswechsel herum verdichtet. Demnach wollte die Gruppe in Berlin zusammenkommen, um Attentate vorzubereiten. Wie weit die Pläne bereits fortgeschritten waren, ist offen. Ob die Verdächtigen einen konkreten Anschlagsort im Visier hatten, ist ebenfalls nicht bekannt.

Die mutmaßlichen Mitglieder islamistischen Terrorzelle haben verschlüsselt kommuniziert. Die Verdächtigen hätten unter großer Geheimhaltung verdeckt operiert, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Sicherheitskreisen. Eine Verbindung zu den Terrorwarnungen an Silvester in München oder zur Absage eines Fußball-Länderspiels in Hannover im November sei derzeit nicht zu erkennen, hieß es.

Nach den Informationen erhielt die Polizei den ersten Hinweis auf den Hauptverdächtigen in NRW vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Bei den weiteren Ermittlungen seien Kontakte des Mannes zu Islamisten in Berlin und Hannover festgestellt worden. Das Berliner Landeskriminalamt leitete die Aktion der zeitgleichen Durchsuchungen. Sicher gestellt wurden Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen. Festgenommen wurde in Berlin auch eine Frau aufgrund eines Haftbefehls, der aber nichts mit dem Terrorismusverdacht zu tun habe, hieß es.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibe hoch. „Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein.“ Ein konsequentes Vorgehen gegen die Islamistenszene sei geboten - vor allem, wenn es um mögliche IS-Bezüge geht.

 

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erstellt am 04.Feb.2016 | 12:38 Uhr

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