Neue Groko-Regierung : SPD-Ministerliste: Maas ersetzt Gabriel, Giffey als Überraschung

Heiko Maas soll Sigmar Gabriels Nachfolger werden.
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Heiko Maas soll Sigmar Gabriels Nachfolger werden.

Eigentlich soll die Liste mit den SPD-Ministern erst Freitag veröffentlicht werden. Von diesen Ministern ist die Rede.

shz.de von
08. März 2018, 16:23 Uhr

Berlin | Offiziell soll die Liste mit den sechs SPD-Ministern im neuen Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Freitag von der designierten SPD-Chefin Andrea Nahles und dem kommissarischen SPD-Chef Olaf Scholz vorgestellt werden. Doch schon am Donnerstag sickern einige Personalien durch. Die SPD plant mit einigen Überraschungen für das neue Kabinett von Kanzlerin Merkel.

Heiko Maas beerbt Sigmar Gabriel

Bundesjustizminister Heiko Maas vor Beginn einer Sitzung des Bundeskabinetts.
Foto: Michael Kappeler
Bundesjustizminister Heiko Maas vor Beginn einer Sitzung des Bundeskabinetts.
 

Der bisherige Justizminister Heiko Maas (SPD) soll in der neuen Bundesregierung Nachfolger von Sigmar Gabriel Außenminister werden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen, nachdem „Spiegel online“ als erstes darüber berichtet hatte.

Mit Gabriels Rückzug verlässt der derzeit beliebteste SPD-Politiker das Kabinett, einer seiner größten Erfolge war die Vermittlung bei der Haftentlassung des in der Türkei inhaftierten „Welt“-Journalisten Deniz Yücel. Gabriel twitterte, Nahles und Scholz hätten ihn darüber informiert, dass er der nächsten Regierung nicht angehören werde. Nahles hatte zuvor „Teamfähigkeit“ als Eignungskriterium für das neue Kabinett genannt – eine Eigenschaft, die dem zu Alleingängen neigenden Gabriel parteiintern von vielen abgesprochen wird.

Überraschungsministerin: Franziska Giffey könnte auf Katarina Barley folgen

Franziska Giffey soll auf Wunsch der ostdeutschen SPD-Landesverbände Familienministerin werden.
Foto: Maurizio Gambarini
Franziska Giffey soll auf Wunsch der ostdeutschen SPD-Landesverbände Bundesministerin werden.
 

Zudem wartet die SPD bei der Besetzung des Familienministeriums mit einer Überraschung auf: Hier soll die Bürgermeisterin des Problembezirks Berlin-Neukölln, Franziska Giffey, neue Ressortchefin werden. Giffey stammt aus Frankfurt an der Oder und soll als ostdeutsche Vertreterin in das Kabinett gehen.

Noch Bundesfamilienministerin Katarina Barley./Archiv
Foto: Kay Nietfeld
Noch Bundesfamilienministerin Katarina Barley./Archiv
 

Barley könnte nach dpa-Informationen stattdessen das Arbeits- und Sozialministerium übernehmen.

Svenja Schulze statt Barbara Hendricks?

<p>Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin SvenjaSchulze (SPD) in der Staatskanzlei.</p>
Foto: dpa

Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin SvenjaSchulze (SPD) in der Staatskanzlei.

 

Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wird der neuen Regierung von Union und SPD nicht mehr angehören. Sie sei „dankbar“, dass sie die letzten vier Jahre als Bundesumwelt- und Bauministerin dem Land, seinen Menschen und ihrer Partei habe dienen dürfen, sagte sie der „Rheinischen Post“. Sie gehe „mit einem guten Gefühl“ aus dem Amt. Die 65-Jährige aus Kleve vertrat auf SPD-Seite Nordrhein-Westfalen im Bundeskabinett. Da auch in der neuen Großen Koalition einer der sechs SPD-Ministerposten mit einem Politiker aus NRW besetzt werden soll, wird als ihre Nachfolgerin die frühere NRW-Forschungsministerin Svenja Schulze (49) gehandelt. Ihr Name ist aber verbunden mit der Atomkügelchen-Posse - einem Kommunikationsdebakel um vermeintlich verschwundene Brennelemente-Kugeln im Versuchsreaktor Jülich.

Olaf Scholz soll Finanzminister werden

Olaf Scholz, der kommissarische SPD-Vorsitzende.
Foto: Kay Nietfeld
Olaf Scholz, der kommissarische SPD-Vorsitzende.
 

Als sicher gilt, dass Scholz Finanzminister und Vizekanzler wird. Kurioserweise wurde ihm dazu auch bereits international gratuliert – ausgerechnet von Alexis Tsipras, dem griechischen Premierminister, mit dem Scholz als Finanzminister im Zuge der Euro-Rettung zu tun haben wird.

Wer wird Jusitzminister?

Unklar war, wer dann das sechste SPD-Ressort (Justiz) übernimmt - gehandelt wurden zuletzt zwei Niedersachsen: Thomas Oppermann und Matthias Miersch - letzterer gilt aber vor allem als Umweltfachmann.

Der bisherige SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann im Bundestag in Berlin.
Foto: Kay Nietfeld
Der bisherige SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann im Bundestag in Berlin.

Miersch sorgte im Dezember auch durch seine Idee der „Koko“ - also einer „Kooperationskoalition“ – für Aufsehen.

<p>Matthias Miersch (48) ist gebürtiger Hannoveraner, Mitglied des SPD-Bundesvorstandes und seit 2005 Abgeordneter im Bundestag.</p>
Foto: dpa

Matthias Miersch (48) ist gebürtiger Hannoveraner, Mitglied des SPD-Bundesvorstandes und seit 2005 Abgeordneter im Bundestag.

 

Gabriel zieht Bilanz

Der frühere SPD-Chef Gabriel schrieb, er sei nach wie vor gewählter Abgeordneter des Bundestags. „Aber nun endet die Zeit, in der ich politische Führungsaufgaben für die SPD wahrgenommen habe.“ Er habe 18 Jahre lang für Deutschland und die SPD in leitenden Funktionen gearbeitet. „Es war eine spannende und ereignisreiche Zeit, die mir große Chancen und Erfahrungen eröffnet hat, die weit über das hinaus gingen, was ich mir als junger Mensch zu träumen gewagt hätte.“ Er wünsche der neuen Regierung und seiner Partei „von Herzen“ Erfolg.

Gabriel hatte im Februar der damaligen SPD-Spitze um Parteichef Martin Schulz Wortbruch vorgeworfen – als sich abzeichnete, dass er raus ist und Schulz Außenminister werden will, was dann allerdings am Widerstand der Partei scheiterte. Vor allem das Instrumentalisieren seiner Tochter wurde Gabriel in der Partei als Boshaftigkeit ausgelegt. „Meine kleine Tochter Marie hat mir heute früh gesagt: 'Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht' “, hatte Gabriel der Funke-Mediengruppe gesagt.

Der 58-Jährige war von 1999 bis 2003 Ministerpräsident in Niedersachsen, von 2005 bis 2009 Bundesumwelt- und von 2013 bis 2017 Bundeswirtschaftsminister. Von 2009 bis 2017 war er SPD-Chef. Im Januar 2017 hatte er seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur zugunsten von Schulz erklärt. Seit 2017 ist Gabriel Außenminister.

Der SPD-Politiker zog auf Twitter eine Art Kurzresümee seiner Arbeit.

Er schrieb, zu den bleibenden Erinnerungen der vergangenen Jahre gehörten die Rettung von mehr als 10.000 Arbeitsplätzen bei der Übernahme der Einzelhandelskette Kaiser's Tengelmann, die „erfolgreiche Wahl“ zweier Bundespräsidenten oder die Befreiung deutscher Staatsangehöriger aus ungerechtfertigter Haft im Ausland.

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