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SPD: Die schwierige Suche nach der eigenen Rolle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nur Willy Brandt bewahrt noch die Ruhe. Die Bronzeskulptur steht im gleißenden Scheinwerferlicht, Gerüchte schwirren durch das Foyer der SPD-Zentrale. Nägelkauen, Blick auf die Monitore. Um 18 Uhr gibt es dann ein Aufstöhnen, als der SPD-Balken bei 26 Prozent stehen bleibt. „Puh, schwierig“, stöhnt ein älterer Genosse. „Abwarten“, blafft ihn ein anderer an.

40 Minuten später gibt es hektisches Treiben an den Aufzügen, die SPD-Spitze kommt heruntergefahren. „Danke, Peer“-Rufe ertönen, großer Applaus. Um 18.41 Uhr ist das Kapitel Kanzlerkandidatur Peer Steinbrück beendet. „Du bist ein Pfundskerl“, sagt SPD-Chef Sigmar Gabriel zu ihm. Er habe einen „fantastischen Wahlkampf“ gemacht. Aber glücklich ist keiner. Steinbrück verspricht, der Partei weiter zu dienen. „Der Ball liegt im Spielfeld von Frau Merkel. Sie muss sich eine Mehrheit besorgen.“ Doch auch eine absolute Mehrheit der Union schien zu dieser Zeit erreichbar, das wäre ein Gau für die SPD. Jubel gibt es hier nur, als die FDP in ersten Ergebnissen auf unter 5 Prozent kommt.

Für die SPD ist das Ergebnis „süßsauer“, wie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil es formuliert. Rot-Grün ist klar verfehlt worden, aber wenigstens das andere Ziel, Schwarz-Gelb zu verhindern, wurde am Ende geschafft – aber zum Preis einer allein regierenden Union?

Gemessen am Debakel von 2009 mit 23 Prozent ist es eine Besserung für die SPD. Aber nach dem guten Schlussspurt hatten sie sich mehr erhofft. Nun ist der Abstand zur Union weiter gewachsen.

Und: Bei der großen Koalition 2005 lag die Union nur knapp vor der SPD, es agierten zwei Partner auf Augenhöhe. Das wäre im Fall der Fälle nun anders.

Immerhin in 13 von 16 Bundesländern ist die SPD wieder an der Macht, Hamburg regiert sie sogar allein. Da sorgen sich besonders die SPD-Ministerpräsidenten, wenn man im Bund weiter klar unter 30 Prozent verharrt.

Der Unmut bei den Landesfürsten der SPD richtete sich zuletzt vor allem gegen das Agieren von Parteichef Sigmar Gabriel. Ein Parteikonvent am Freitag soll zeigen, wohin die Reise gehen könnte.

Im Falle einer möglichen großen Koalition wird auch ein langwieriger Mitgliederentscheid diskutiert. Aber wie soll das gehen, wenn es nicht erst Weihnachten eine neue Bundesregierung geben sollte?

Als Mindestpreis für eine große Koalition kursierten im Lager der SPD-Linken bereits Forderungen wie 8,50 Euro Mindestlohn und höhere Steuern für Reiche, um Bildungsausgaben zu erhöhen. Doch bei dem Ergebnis von gestern müsste die SPD eher kleine Brötchen backen. Am Wahlabend wird Ruhe bewahrt, aber es könnte noch stürmisch werden.

Peer Steinbrück dürfte künftig wohl keine größere Rolle mehr spielen. Er kann aber nun vielleicht wieder auf attraktive Vortragsangebote hoffen.

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erstellt am 23.Sep.2013 | 00:34 Uhr

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