Michael Staudt

Flensburger Oberbürgermeisterin : SPD-Bundesvorsitz: Simone Lange tritt gegen Andrea Nahles an

Lange erklärt in einem Brief an den SPD-Bundesvorstand ihre Beweggründe für eine Kandidatur.


von  Carlo Jolly

2018-02-12 22:37:22.0, 2018-02-12 22:37:22.0 Uhr

Flensburg/Berlin | Überraschender Personalvorschlag aus dem hohen Norden: Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange will für den Vorsitz der Bundes-SPD und damit gegen die Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles kandidieren. Das geht aus einem Brief der 41-Jährigen an den SPD-Bundesvorstand hervor, der shz.de vorliegt.

„Ich werbe für eine Basiskandidatur und möchte den Mitgliedern wieder eine Stimme geben und sie an diesem Entscheidungsprozess ernsthaft beteiligen“, erklärte Lange, die nach vier Jahren für die SPD im Kieler Landtag seit einem Jahr Oberbürgermeisterin in Flensburg ist: „Ich möchte der SPD eine Wahl ermöglichen. Das wäre ein erster Schritt, den Mitgliedern wieder das Gefühl zu geben, dass sie es sind, die die Stimmung und die Richtung der Partei bestimmen.“ Dies sei ein erster Schritt, die SPD wieder zu dem zu machen, was sie einst war: eine stolze Partei der sozialen Gerechtigkeit, schreibt Lange weiter.

Kurzportrait Simone Lange

Jahrelang hat Simone Lange als Kriminalbeamtin in Flensburg Verbrechen aufgeklärt, bevor sie 2012 für die SPD in den Kieler Landtag einzog. Dort kümmerte sie sich um Polizeipolitik, war stellvertretende Vorsitzende des Innen- und Rechtsausschusses.

Seit einem Jahr amtiert die gebürtige Thüringerin als Oberbürgermeisterin von Flensburg. Mit ihrer Bürgernähe hat sich die verheiratete Mutter von zwei Kindern schnell zu einer beliebten Verwaltungschefin gemausert. Mit der überraschenden Kandidatur für den Bundesvorsitz ihrer Partei schrieb sie sich quasi über Nacht bundesweit in die Schlagzeilen.

Lange wurde 1976 in Rudolstadt in Thüringen geboren. Nach dem Abi studierte sie an der Verwaltungsschule in Kiel-Altenholz. Dann arbeitete sie von 1999 bis 2012 als Kripo-Beamtin in Flensburg, begleitet von kommunalpolitischer Arbeit in der Stadt an der dänischen Grenze. Nach ihrer Wahl in den Landtag 2012 machte sich Lange mit ihrer fachlichen Kompetenz schnell einen Namen im Landesparlament. Abgeordnetenkollegen und Mitarbeiter schätzten außerdem besonders ihre Offenheit und Freundlichkeit.

„Ich habe mich daher entschlossen, mich für das Amt der Bundesvorsitzenden zu bewerben. Viele haben mich dazu ermutigt, andere haben mich auf das hingewiesen, was daraus folgen kann. All denen möchte ich an dieser Stelle noch einmal danken. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Schritt jetzt notwendig ist, denn mutige Politik braucht mutige Entscheidungen“, so die SPD-Politikerin am Montagabend.

„Unabhängig davon, dass jedes Mitglied der SPD das Recht hat, auf Bundesparteitagen für Führungsfunktionen der Partei zu kandidieren, wird sich der Landesverband zeitnah in den Gremien mit Simone Lange über ihre Bewerbung austauschen“, erklärte SPD-Landeschef Ralf Stegner am Dienstag schriftlich. „Priorität hat für uns derzeit die sachliche Debatte über den vorliegenden Koalitionsvertrag mit der Union. In den kommenden Wochen werden zahlreiche Diskussionsveranstaltungen im Land stattfinden, bei der Mitglieder der SPD die Argumente abwägen können. Diesem Mitgliedervotum gilt unsere volle Aufmerksamkeit.“ Noch am Sonntag hatte Stegner darum geworben, die Personaldiskussionen zu beenden.

„Ich kann das Gefühl der Ohnmacht vieler Mitglieder gegenüber denen, die in Berlin Entscheidungen treffen, ohne die Basis einzubeziehen, sehr gut nachvollziehen“, schreibt dagegen die Flensburger Oberbürgermeisterin. Das Amt der Bundesvorsitzenden der SPD sei von weitreichender Bedeutung für die Partei und das gesamte Land und dürfe nicht von einer kleinen Gruppe intern festgelegt werden. Lange: „Eine Einzel-Kandidatur, die ohne große Diskussion durchgewunken wird, kann kein Zeichen für einen Aufschwung oder einen Neuanfang sein.“

Kommentare

  • 14.02.2018 | 14:31 Uhr
    Wolfgang Ahrens

    Ich bin kein Stammwähler,

    so wie Frau Lange sich artikuliert, mit kurzen präzisen Sätzen die Sache auf den Punkt bringt, und dass inhaltlich alles stimmig ist,
    warum nicht?
    Was der ExBastakanzler ihr zu sagen gehabt hat, dass sollte sie mal getrost vergessen, denn der hat der SPD mehr Schaden zugefügt als jedes andere Parteimitglied zuvor.
    Mit Frau Nahles als Bundesvorsitzende wird die SPD für mich unwählbar. Sorry, aber aber eine Frau, die im Bundestag nach Waldorfsandkastenmanier mit Begriffen wie "Bätschi" um sich wirft, oder "Pippi Langstrumpflieder" singt, die nach einer Wahl sagte: "Heute wird gefeiert und morgen gibts auf die Fresse!" (das war an den politischen Gegner gerichtet), ist für mich eher eine unreife, nicht ernst zu nehmende Persönlichkeit. Ihr fehlt schlicht und ergreifend die Reife für eine solch Position.
    Frau Lange bin ich dankbar, dass sie den SPD-Vorstand auf das korrekte Wahlvorgehen hingewiesen hat!

  • 14.02.2018 | 13:53 Uhr
    Wolfgang Ahrens

    Ich bin kein Stammwähler,

    so wie Frau Lange sich artikuliert, mit kurzen präzisen Sätzen die Sache auf den Punkt bringt, und dass inhaltlich alles stimmig ist,
    warum nicht?
    Was der ExBastakanzler ihr zu sagen gehabt hat, dass sollte sie mal getrost vergessen, denn der hat der SPD mehr Schaden zugefügt als jedes andere Parteimitglied zuvor.
    Mit Frau Nahles als Bundesvorsitzende wird die SPD für mich unwählbar. Sorry, aber aber eine Frau, die im Bundestag nach Waldorfsandkastenmanier mit Begriffen wie "Bätschi" um sich wirft, oder "Pippi Langstrumpflieder" singt, die nach einer Wahl sagte: "Heute wird gefeiert und morgen gibts auf die Fresse!" (das war an den politischen Gegner gerichtet), ist für mich eher eine unreife, nicht ernst zu nehmende Persönlichkeit. Ihr fehlt schlicht und ergreifend die Reife für eine solch Position.
    Frau Lange bin ich dankbar, dass sie den SPD-Vorstand auf das korrekte Wahlvorgehen hingewiesen hat!

  • 13.02.2018 | 17:08 Uhr
    Peter Freudenberg

    SPD

    Aktuell würden noch 16,5 % die SPD wählen, 15 % die AfD. Wahrscheinlich wird die AfD im Laufe des Monats die SPD einholen. Diese öffentlichen Personaldebatten helfen also nicht weiter. Da muss ich sogar Herrn Stegner recht geben.

    Frau Nahles ist nicht geeignet, aber Frau Lange auch nicht. Was die SPD braucht, ist eine Persönlichkeit, die die SPD strategisch neu ausrichtet. Warum fällt mir kein Name ein? Hat die SPD keine mehr?

  • 13.02.2018 | 13:31 Uhr
    Hanno Solterbek

    Diese OB-lerin hat nicht begriffen:

    Nahles soll (rechtswidrig) vom Vorstand der SPD zur Vorsitzenden ernannt werden. Eine rechtmäßige Wahl steht heute nicht an. Das hat die Provinz-OB-lerin offenbar nicht drauf. Auch sonst: Was spricht für sie??? Fehlanzeige! Mir scheint, diese Frau hat etwas zu viel Höhenluft geschnuppert und leidet an Größenwahn!

    • Kirsten Grote
      14.02.2018 | 09:59 Uhr

      wenn jemand etwas nicht begriffen hat

      dann vermutlich eher Sie.

      Lesen Sie doch nochmals die einschlägige Berichtserstattung, vielleicht auch mehrfach. Dann erkennen Sie mit der Zeit mit Glück Ihren Irrtum.
      Denn Frau Lange kandidiert für eine zukünftig anstehende Wahl zum Bundesvorsitz. Für diese Wahl ist Frau Nahles gestern übrigens NOMINIERT worden, d.h. auch Frau Nahles muss bei dieser Wahl noch gewählt werden.

      Und dass das so ist, dass der SPD-Vorstand eben nicht ohne die Mitglieder zu befragen jemanden einsetzt, verdankt die SPD dem Zeitpunkt, an dem Frau Lange ihre Kandidatur öffentlicht gemacht hat.

      Aber möglicherweise sind diese Zusammenhänge etwas zu komplex für Sie.

  • 13.02.2018 | 18:58 Uhr
    Jens Kaufmann

    Die Frage ist doch wie lange es die SPD noch gibt?

    Die Frage ist doch wie lange es die SPD noch gibt? Langfristig gesehen wird es die SPD nicht mehr lange geben! Der Sargnagel der SPD wird die ungerechte Agenda 2010.

    Agenda 2010 = Armut per Gesetz

    Made by SPD, Grünen und abgenickt von den Gewerkschaften!

  • 13.02.2018 | 10:40 Uhr
    Raoul Duke

    Noch nichts für Flensburg erreicht,...

    ...da zieht es die von SPD, CDU, Grünen und Linken aufgestellte OB pünktlich zur Kommunalwahl schon wieder in die Ferne. Kann man machen...

  • 13.02.2018 | 10:32 Uhr
    Dieter Röhling

    Juhu, hoffentlich klappt das

    Wenn das klappt sind wir ein Problem los und die SPD hat eine große Meisterin mehr!

  • 13.02.2018 | 10:04 Uhr
    Lloyd Henshaw

    Und wenn es nicht klappt...

    ...dann bleibt man eben bei dem bisherigen blöden "Job"? Eine merkwürdige Art zu sagen "Ich bin gerne die gewählte Oberbürgermeisterin von Flensburg".

    Aber nur weil nichts Besseres da war? Oder bis was Anderes kommt? Und wenn es nicht klappt, dann bleibe ich eben doch nur hier?

    Schade das mit solchen "Ambitionen" nicht erstmal das räumen des bisherigen Postens verbunden ist, dann könnte man gut erkennen, wer es wirklich ernst meint mit solchen Offerten und auch den Mut hat am Ende vielleicht wirklich leer auszugehen. In der Wirtschaft als Arbeitnehmer würde das so jedenfalls nicht funktionieren.

    Lernen tut man daraus jedenfalls: Unsere Oberbürgermeisterin will eigentlich gar nicht unsere Oberbürgermeisterin sein. Gut zu wissen.

    • Tomas Kuttich
      13.02.2018 | 12:02 Uhr

      Sie vergessen:

      Wer immer nur tut, was er kann, wird bleiben, was er ist. Warum soll die Frau nicht das Recht haben, weiter zu kommen (mal davon abgesehen, dass sie chancenlos ist)?

    • Kirsten Grote
      14.02.2018 | 10:15 Uhr

      @ Henshaw: Sind Sie sicher

      dass Sie richtig verstanden haben, welche Umstände mit einem Vorsitz in einer Partei verbunden sind?

  • 13.02.2018 | 09:54 Uhr
    Winfried Spangenberg

    Vorsicht, Glatteis!

    Wenn sich jemand für die Bundesebene bewerben will, ist das auf den ersten Blick löblich, auf den zweiten etwas blauäugig und naiv. Es fehlen thematische und personelle Vernetzungen, damit geht das dann schon mal los. Es wird ausgeblendet, dass jahrzehntelange Erfahrungen an entsprechenden Schaltstellen erforderlich wären, für das nachholen sind die Zeitfenster gar nicht da.

    Ums kurz zu machen: das Vorhaben ist genau so von abzusehendem Misserfolg geprägt, wie wenn ein Azubi im Elektrohandwerk ein defektes Kernkraftwerk reparieren soll.

  • 13.02.2018 | 09:05 Uhr
    Ingo Greif

    Bundesvorsitzenden

    Nales.., zum Abgewöhnen!

  • 13.02.2018 | 08:41 Uhr
    Hans Andersen

    Wer Langeweile hat......

    oder seinen Aufgaben nicht gewachsen ist, der flüchtet in die große Politik.
    Ich habe den Eindruck, dass hier jemand an nicht unerheblicher Selbstüberschätzung leidet. Aber so wird man erst einmal politisch bekannt, mal sehen, was daraus wird.
    Ich vermisse bisher nur ein Votum der Unterstützer von Frau Lange, die sie seinerzeit mit so viel Euphorie bzw. Unvermögen in das Amt hievten.
    Mal sehen, was da noch kommt.
    In Flensburg scheint für Frau Lange ja zu langweilig zu werden, vielleicht spendet dann Ihr Nachfolger ein wenig TROST.

  • 13.02.2018 | 06:39 Uhr
    Kay Peters

    vom Fischer und seiner Frau

    Was für ein Coup: heute morgen hat Flensburg es sogar in die "Neue Zürcher Zeitung" gebracht!
    Von Zeit bis FAZ, alle schreiben von der Lichtgestalt aus dem hohen Norden, die sich aufmacht, die SPD wieder "zu einer stolzen Partei der sozialen Gerechtigkeit" zu machen.
    Zweifellos ist sie dazu hoch qualifiziert: nach einem Erdrutschsieg als Kandidatin einer grossen Koalition in nur einem Jahr als Oberbürgermeisterin schon einen Bauern enteignet und das Herz der Stadt, den Hafen, nach Beendigung der Bürgerbeteiligung für Investoren zur Gentrifizierung freigegeben...
    Besser singen als Nahles kann sie auch allemal.
    Nur was, wenn Frau Langes Ambitionen sie nicht ins Zentrum der Macht führen und sie weitere 4 Jahre den armseligen Provinzglamour unserer Grenzstadt ertragen muss?
    Und sich ihre Wähler vielleicht verschaukelt vorkommen ob der Pflichtauffassung ihrer ja nicht allzu schlecht bezahlten Verwaltungschefin, wenn sie nach nur einem Jahr schon wieder auf anderen, grossartigeren Hochzeiten tanzt?
    Nun, wir wissen, wie das Märchen endet...

    • Tomas Kuttich
      13.02.2018 | 11:59 Uhr

      Merkwürdig,

      dass immer nur bei Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes darauf hingewiesen wird, dass die auch noch Geld bekommen. Unverschämt, arbeiten beim Staat und wollen sich das auch noch bezahlen lassen! Merken Sie noch irgendwas?

    • Kay Peters
      13.02.2018 | 13:22 Uhr

      Danke für die Vorlage

      "... arbeiten beim Staat..." Nichts dagegen, solange sie denn arbeiten.
      Frau Lange war heute morgen jedenfalls vorwiegend mit Interviews beschäftigt, dienstfremd sozusagen. Während der "Arbeitszeit".
      Geht nur im Öffentlichen Dienst, ab einer gewissen Besoldungsstufe...
      Und ja, wenn man eine anspruchsvolle Aufgabe angenommen hat, bewirbt man sich nicht gleich wieder weg, oder?

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