Spaß muss sein

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20. Mai 2014, 12:14 Uhr

Erst das Bier, dann das Brot und nun die Satire? Jürgen Kessler, Leiter des deutschen Kabarettarchivs, hat beantragt, den deutschen Spaß zu einem Weltkulturerbe zu erheben. Doch während Bäcker und Brauer ihre Kandidaten anpreisen, wirbt der Archiv-Chef mit einem vernichtenden Urteil: Die meisten vom TV ins Programm gehobenen Satiriker seien Wichtigtuer und Selbstdarsteller. Und wer Recht hat, dem soll man nicht widersprechen. Ob Nuhr, Barth, Priol oder die Mannschaft des „Satiregipfels“, sie und viele andere sind das, was der HSV in dieser Saison für die Bundesliga war: Die traurige Lachnummern. Und der Nachwuchs orientiert sich am Vorbild der Meister. Wenn Kessler in die dunkelsten Archiv-Ecken greift und ans Licht holt, was alles gesendet wurde, macht sich das Grauen breit. Der tiefste Punkt der Erde liegt nicht in einem Weltmeer, sondern in der deutschen Spaßindustrie. Und warum das von wenigen „Stars“ erleuchtete Elend auf ewige Zeiten der Nachwelt erhalten werden soll? Wegen der Historie. Wie gern würde man heute wissen, worüber sich einst die Steinzeitmenschen lachend auf die Schenkel schlugen.

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