Spannung auf den zweiten Blick

Hamburg vor der Bürgerschaftswahl

shz.de von
06. Januar 2015, 15:46 Uhr

Es gibt Wahlkämpfe, aus denen scheint die Luft raus zu sein, bevor sie begonnen haben. Beim aktuellen Parteienringen in Hamburg mag genau dieser Eindruck entstehen. Tatsächlich liegen Amtsinhaber Olaf Scholz und seine SPD in den Umfragen derart weit vor der CDU, dass sich zumindest die Frage nach dem nächsten Bürgermeister nicht ernsthaft stellt: es wird der alte sein.

Doch Vorsicht: Die Bürgerschaftswahl birgt reichlich Spannendes auf den zweiten Blick. Das gilt nicht nur für die Frage, ob es die FDP mit ihrem „besten Mann“ Katja Suding allen Widrigkeiten zum Trotz über die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Oder für das Ergebnis der Alternative für Deutschland, die sich selbst um die Chance des erstmaligen Einzugs in ein westdeutsches Landesparlament zu bringen scheint. Von allerhöchstem Interesse – auch in bundesweiter Betrachtung – ist nicht zuletzt der mutmaßliche Triumphator Scholz. Schafft er das Kunststück, die absolute Sitz-Mehrheit zu wiederholen? Es wäre eine Empfehlung für mögliche Ambitionen auf eine Berliner Karriere.

Braucht der Senatschef doch einen Koalitionspartner, wären die Grünen erster Gesprächspartner. Doch ob Genossen und Ökos an der Elbe tatsächlich zusammenfinden, ist keineswegs ausgemacht. Bei zentralen Themen wie Verkehr, Hafenpolitik und Umwelt liegen Welten zwischen ihnen. Im Zweifel wird Pragmatiker Scholz eine schwache, aber willige CDU den aufmüpfigen Grünen vorziehen.

So oder so: Der von den Bürgern als „ordentlicher“ Regent hoch geschätzte Scholz bleibt, was er seit vier Jahren ist: Hamburgs prägende politische Gestalt.

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