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Sozialhilfe für 440 000 Pflegebedürftige

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Zahl der alten Menschen, die ihre eigene Pflege ohne Sozialhilfe nicht bezahlen können, steigt weiter. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern mitteilte, erhielten im Jahr 2012 in Deutschland rund 439 000 Menschen Hilfe zur Pflege – 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Berechnungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sind inzwischen mehr als 40 Prozent der Heimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen.

Damit sei die Versicherung gescheitert, erklärte der Verband in Berlin. Geschäftsführer Werner Hesse sagte, die Sozialhilfe für Pflegebedürftige in Heimen sei zum Regelfall geworden. Der Verband fordert die Einsetzung eines Runden Tisches für eine grundlegende Pflegereform. Die Politik könne nicht an einem System festhalten, das Menschen in Armut stürzen lasse, sobald sie pflegebedürftig würden, sagte Hesse.

Die Hilfe zur Pflege wird Bedürftigen gewährt, die wegen Krankheit oder Behinderung auf fremde Hilfe angewiesen sind. Zwei Drittel der Hilfeempfänger waren den Statistikern zufolge Frauen. Diese waren mit 79 Jahren im Durchschnitt deutlich älter als die männlichen Leistungsbezieher mit 68 Jahren. Die Sozialhilfe kommt für Ausgaben auf, die von der Pflegeversicherung nicht übernommen werden, beispielsweise die Wohnkosten in einem Heim, sofern der Pflegebedürftige sie nicht selbst tragen kann.

Die privaten Pflegeanbieter forderten mehr Geld aus der Pflegeversicherung für Heimbewohner. Die Leistungen seien in den vergangenen Jahren nicht erhöht worden, kritisierte der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer. Die Versicherung sei 1995 eingeführt worden, weil jeder dritte Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen war. „Heute haben wir diese Situation wieder erreicht“, sagte Meurer.

Die Koalition aus Union und SPD will die Leistungen für Heimbewohner nicht erhöhen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, erklärte, Pflege werde für jeden einzelnen und die Gesellschaft insgesamt teurer. Die Koalition werde die Leistungen für die häusliche Pflege verbessern. Ziel sei, dass die Menschen möglichst lange zu Hause bleiben könnten.

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erstellt am 11.Feb.2014 | 18:58 Uhr

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