zur Navigation springen

Neues Rettungsdienstgesetz : Sorge um Schleswig-Holsteins Rettungsflieger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aktuell gibt es drei Rettungshubschrauber in Schleswig-Holstein: in Niebüll, Rendsburg und Siblin. Das könnte die Landesregierung ändern. Die Krankenkassen sprechen von „Aktionismus“.

Massenkarambolage auf der Autobahn, Frühgeburt auf der Hallig oder Großbrand mit Verbrennungsopfern – die drei in Schleswig-Holstein stationierten Rettungshubschrauber erreichen Einsatzorte im Umkreis von 50 Kilometern in maximal 15 Minuten. 575 Mal leistete allein der in Niebüll (Kreis Nordfriesland) stationierte „Christoph Europa 5“ im ersten Halbjahr 2014 medizinische Hilfe. Alles bestens – sollte man denken. Nein, die Landesregierung sorgt jetzt mit ihrem Entwurf für ein neues Rettungsdienstgesetz für Aufregung und Ärger. Vor allem bei den Krankenkassen. „Wir werden zu Zahlmeistern degradiert, bei Entscheidungen gar nicht mehr gefragt“, beklagt Sebastian Ziemann vom Verband der Ersatzkassen (VDEK) in Kiel.

Der Knackpunkt: Das Land will die Trägerschaft für die Luftrettung übernehmen und damit auch die Bedarfsplanung. Die Kassen fürchten bei der Luftrettung jegliches Mitbestimmungsrecht zu verlieren. „Vorsichtig formuliert ist der Entwurf in unseren Augen keine gute Idee“, so Ziemann.

Sorge bereitet vor allem der Passus: Das Land legt die Standorte der Luftrettung fest – gegebenenfalls auf Grundlage eines teuren Gutachtens. Aktuell gibt es im Norden drei Rettungshubschrauber: in Niebüll, Rendsburg und Siblin (Ostholstein). Bei Christoph 12 in Siblin ist der Bundesinnenminister Betreiber – an den beiden anderen Standorten die Deutsche Rettungsflugwacht. Als 2003 der Helikopter von Hohenlockstedt bei Itzehoe nach Niebüll verlegt wurde, war das nicht unumstritten. Zum Ausgleich ist der Rendsburger Hubschrauber seitdem 24 Stunden in Bereitschaft, um die Versorgung von Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg zu sichern.

Kassen, Betreiber, Kommunen und Medizinischer Dienst beschlossen das damals einvernehmlich. „Deshalb erstaunt es, dass jetzt offenbar der Bedarf gesehen wird, diese gewachsenen und gut funktionierenden Strukturen aufzugeben“, heißt in der unser Zeitung vorliegenden Stellungnahme der AOK zu dem Gesetzentwurf. Es sei nicht erkennbar, „welchen konkreten zusätzlichen Nutzen dies bringen sollte“. Die luftgestützte Notfallrettung funktioniere „effektiv und effizient“.

Das Kieler Sozialministerium kann den Wirbel nicht verstehen. Angesichts künftiger Anforderungen seien „klare strukturelle und organisatorische Regelungen zur Luftrettung geboten“, erklärt das Ministerium. VDEK-Sprecher Ziemann reicht die Erklärung nicht. Er räumt ein, dass es bei dem fast 25 Jahre alten Gesetz Modernisierungsbedarf gibt. Allerdings scheine der „in Aktionismus auszuarten“.

 

zur Startseite

von
erstellt am 07.Sep.2014 | 14:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen