Einflussnahme auf die US-Wahl 2016 : Sonderermittler in Russland-Affäre will Donald Trump befragen

US-Sonderermittler Robert Mueller. /Archiv
US-Sonderermittler Robert Mueller. /Archiv

Robert Mueller könnte den US-Präsidenten schon kommende Woche anhören. Das Umfeld Trumps steht ebenfalls im Fokus.

shz.de von
09. Januar 2018, 08:45 Uhr

Washington | In der Russland-Affäre um mögliche Einflussnahme auf die US-Wahl 2016 will Sonderermittler Robert Mueller laut Medienberichten nun auch US-Präsident Donald Trump befragen. Eine solche Befragung könne bereits in den kommenden Wochen stattfinden, berichtete die „Washington Post“ am Montag (Ortszeit) unter Berufung auf eine Person aus dem Umfeld des Präsidenten. Demnach wollte sich das Weiße Haus nicht zu dem möglichen Mueller-Interview äußern.

Erst am Samstag hatte Trump bekräftigt, dass es im Wahlkampf keine Absprachen zwischen seinem Lager und Russland gegeben habe. „Es gab keine Zusammenarbeit, kein Verbrechen“, sagte der Republikaner.

Zuletzt war Mueller selbst in die Kritik geraten, als Trumps Haussender FOX für seine Entlassung und die Einstellung der Ermittlungen plädierte. Der jüngste Vorwurf gegen den Sonderermittler: Ein Coup in Amerika. FOX-Moderator Jesse Watters vertrat die Ansicht, die Russland-Affäre sei bloß der Versuch parteiischer Gegner, Trumps Präsidentschaft zu zerstören und die Stimmen von Millionen Amerikanern zu entwerten. Mueller wies die Vorwürfe zurück.

In der Affäre gerät auch das Umfeld des US-Präsidenten immer stärker in den Fokus. Wer ist involviert?

Ex-Berater Michael Flynn

Unter dem Druck des Sonderermitters könnte Michael Flynn unangenehme Dinge über Russlands Verwicklung in US-Wahlkampf preisgeben.
Carolyn Kaster
Unter dem Druck des Sonderermitters könnte Michael Flynn unangenehme Dinge über Russlands Verwicklung in US-Wahlkampf preisgeben.
 

Trumps früherer Nationaler Sicherheitsberater gibt zu, bei FBI-Vernehmungen vorsätzlich falsche Angaben über Kontakte mit dem damaligen russischen Botschafter in den USA, Sergej Kisljak, gemacht zu haben. Mit ihm sprach er im Dezember 2016 widerrechtlich über US-Sanktionen gegen Moskau und ein bevorstehendes Votum über eine UN-Resolution zur israelischen Siedlungspolitik, obwohl noch Trumps Vorgänger Barack Obama im Amt war. Flynn musste im Februar 2017 seinen Posten räumen und kooperiert anscheinend mittlerweile mit dem FBI.

Minister Jeff Sessions

US-Justizminister Jeff Sessions hatte mehrfach bestritten, mit dem russischen Botschafter Kisljak über den Wahlkampf 2016 gesprochen zu haben.
Alex Brandon
US-Justizminister Jeff Sessions hatte mehrfach bestritten, mit dem russischen Botschafter Kisljak über den Wahlkampf 2016 gesprochen zu haben.
 

Der Justizminister hatte noch vor Amtseinführung Kontakt zum Botschafter Kisljak. In einer Anhörung vor dem Senat verneinte der oberste US-Ankläger dies aber – eine Lüge. Wegen Befangenheit hält sich Sessions aus den FBI-Ermittlungen heraus, was bei Präsident Trump bereits auf Kritik stieß.

Trump-Schwiegersohn Jared Kushner

Der Berater und Schwiegersohn von US-Präsident Trump, Jared Kushner, am Freitag während einer Sitzung des Kabinetts.
Evan Vucci
Der Berater und Schwiegersohn von US-Präsident Trump, Jared Kushner, während einer Sitzung des Kabinetts.
 

Er soll nach übereinstimmenden Medienberichten eine der treibenden Kräfte hinter Flynns Moskau-Kontakten sein. Auch Kushner traf Kisljak; er weist aber die Darstellung zurück, dass er dabei einen geheimen Kommunikationskanal zwischen Trumps Team und dem Kreml vorgeschlagen habe. Zudem setzte er sich im Sommer 2016 mit einer russischen Anwältin zusammen – in der Hoffnung, schädigende Informationen über Trumps demokratische Konkurrentin Hillary Clinton zu erhalten.

Donald Trump Jr.

Der Sohn des US-Präsidenten Trump, Donald Trump Jr., gerät unter Druck.
Carolyn Kaster
Der Sohn des US-Präsidenten.
 

Der älteste Präsidentensohn pflegte im Wahlkampf direkt Kontakt zur Enthüllungsplattform Wikileaks, die damals gehackte E-Mails aus dem Clinton-Umfeld veröffentlichte. Geheimdienste beschuldigen Russland, hinter den Hackerangriffen zu stehen. Auch musste Trump Jr. einräumen, das Treffen mit der Russin arrangiert zu haben, um kompromittierendes Material über Clinton zu bekommen.

Wahlkämpfer Paul Manafort

Der Sohn des US-Präsidenten Trump, Donald Trump Jr., gerät unter Druck.
Carolyn Kaster
Paul Manafort, der frühere Wahlkampfmanager von Donald Trump, steht inzwischen unter Anklage.
 

Der Ex-Wahlkampfchef ist wegen Verschwörung gegen die USA im Zusammenhang mit Steuerbetrug, Falschaussagen und Geldwäsche angeklagt. Vor allem geht es um Geschäfte in Osteuropa. Die Vorwürfe beziehen sich auch auf die Zeit, in der Manafort das Trump-Team leitete. Zudem war er bei Kushners Treffen mit einer russischen Anwältin dabei. Inzwischen steht er unter Hausarrest. Trump sucht Abstand: Die Vorwürfe stammten aus der Zeit vor Eintritt Manaforts in sein Team.

George Papadopoulos

Der Wahlkampfberater gibt zu, das FBI belogen zu haben. Er hatte sich - anders als zunächst behauptet - erst nach Eintritt in Trumps Team mit einem Professor mit Russland-Verbindung getroffen, um Material für eine Kampagne gegen Clinton zu erhalten - und das auch seinem Team kommuniziert. Trump distanziert sich: Papadopoulos sei im Wahlkampf «ein Freiwilliger auf einem unteren Level» gewesen.

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