25. Jahrestag : Solingen gedenkt der Opfer des fremdenfeindlichen Brandanschlags

'Wir trauern mit unseren türkischen Mitbürgern': Transparent mit Beileidsbekundung anlässlich des Brandanschlages auf das Haus der türkischen Familie Genc in Solingen.

"Wir trauern mit unseren türkischen Mitbürgern": Transparent mit Beileidsbekundung anlässlich des Brandanschlages auf das Haus der türkischen Familie Genc in Solingen.

25 Jahre nach den rechtsradikalen Morden betont Heiko Maas: Türkische Zuwanderer gehören zu Deutschland.

shz.de von
29. Mai 2018, 06:42 Uhr

Solingen | 25 Jahre nach dem fremdenfeindlichen Brandanschlag in Solingen zeigt sich Bundesaußenminister Heiko Maas besorgt darüber, dass Türken in Deutschland noch immer angefeindet werden. „Es ist beschämend, dass auch heute noch viele, die selbst oder deren Eltern und Großeltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, Diskriminierungen im Alltag erfahren", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Türkische Zuwanderer seien in Deutschland nicht nur willkommen, sondern „ein Teil unseres Landes". Am Dienstag soll an den Anschlag erinnert werden.

Fünf Opfer

In Solingen zündeten in der Nacht zum 29. Mai 1993 vier rechtsradikale Männer das Haus der Familie Genc an. Fünf Familienmitglieder starben. Der Anschlag in der nordrhein-westfälischen Stadt gilt als eine der folgenschwersten rassistischen Taten in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die Todesopfer des Mordanschlags
Gürsün İnce 29 Jahre alt
Hatice Genç 18 Jahre alt
Gülüstan Öztürk zwölf Jahre alt
Hülya Genç neun Jahre alt
Saime Genç vier Jahre alt

Gürsün İnce und Saime Genç erlagen ihren Verletzungen nach einem Sprung aus dem Fenster.

Unter Teilnahme des damaligen Bundesaußenministers Klaus Kinkel (hinten links) sowie des türkischen Ministerpräsidenten Erdal Inönü (vorne links) wurden am 4. Juni 1993 die fünf Opfer des Brandanschlages von Solingen in ihrem türkischen Heimatdorf beerdigt.
dpa

Unter Teilnahme des damaligen Bundesaußenministers Klaus Kinkel (hinten links) sowie des türkischen Ministerpräsidenten Erdal Inönü (vorne links) wurden am 4. Juni 1993 die fünf Opfer des Brandanschlages von Solingen in ihrem türkischen Heimatdorf beerdigt.

„Das Andenken an die Toten von Solingen bleibt ein Auftrag für uns alle – nicht zu vergessen, nicht wegzusehen und nicht zu schweigen", sagte Maas den Zeitungen. Seine Parteikollegin, Bundesjustizministerin Katarina Barley, warnte vor Fremdenhass und Rassismus. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstag) sagte sie: „Es ist beschämend, dass auch 25 Jahre danach Menschen in Deutschland immer noch wegen ihrer Herkunft, Religion oder ihrer sexuellen Orientierung bedroht und angegriffen werden." Damit dürften sich die Politik und die gesamte Gesellschaft nicht abfinden.  

Kultur von null Toleranz gefordert

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief dazu auf, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus entschieden zu bekämpfen. Der Tag des Anschlags stehe auch für eine fortdauernde Aufgabe: „Er verdeutlicht die Verpflichtung unseres Gemeinwesens und unserer Institutionen, alle Bürgerinnen und Bürger zu schützen, gleich welcher Herkunft."

Mevlüde Genc und ihr Mann Durmus sitzen auf der Besuchertribüne des Landtages. Am Dienstag finden in Düsseldorf und Solingen Gedenkveranstaltungen 25 Jahre nach dem Brandanschlag Solingen statt.
dpa

Mevlüde Genc und ihr Mann Durmus sitzen auf der Besuchertribüne des Landtages. Am Dienstag finden in Düsseldorf und Solingen Gedenkveranstaltungen 25 Jahre nach dem Brandanschlag Solingen statt.

Ähnlich äußerten sich die Fraktionschefs der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter. Sie appellierten in einer Mitteilung: „25 Jahre nach Solingen braucht es einen neuen Aufschrei für Demokratie und gegen Rassismus." Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte der „Rheinischen Post": „Wir brauchen eine Kultur des Widerspruchs, wenn Menschen diskriminiert und abgewertet werden. Wir brauchen eine Kultur von null Toleranz, wenn Menschen angegriffen werden."  

Türkischer Außenminister dabei

Am Dienstag sind zwei zentrale Veranstaltungen geplant. In Düsseldorf werden am Mittag (13 Uhr) Ansprachen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und von Mevlüde Genc (75) erwartet, die bei dem Anschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verlor. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu werden im Landeshaus reden.

In Solingen erwartet die Stadt mehrere Tausend Teilnehmer zur Gedenkfeier am Nachmittag (16.00 Uhr) am zentralen Mahnmal vor einer Schule. Dort werden Außenminister Heiko Maas (SPD), NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) und erneut der türkische Außenminister sprechen. Mevlüde Genc hatte bereits kurz nach dem Anschlag zu friedlichem Miteinander und Versöhnung aufgerufen.

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