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Buch über Flüchtlingskriminalität : „Soko Asyl“: Kripo-Chef geht gegen Hasskommentare vor

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Aus der Onlineredaktion

Sein Name steht für ein Buch, das das Ausmaß der Flüchtlingskriminalität einordnen sollte. Für das Ergebnis erntet der Braunschweiger Kripo-Chef Ulf Küch sofortigen Hass im Netz – mit strafrechtlichem Nachspiel.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2016 | 17:27 Uhr

Braunschweig, Kiel | Kurz nach der Veröffentlichung seines Buches über Flüchtlingskriminalität in Deutschland erreichen den Chef der Kriminalpolizei in Braunschweig verstärkt Hassbotschaften. Er habe deshalb strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet, sagte Ulf Küch am Dienstag. Der Erkennungsdienst der Polizei prüfe derzeit zwei Fälle. „Wir werden gucken, wer sich dahinter verbirgt.“

Von Beleidigung bis zu übler Nachrede und Volksverhetzung sei bei den Kommentaren alles dabei, erklärte der 59-Jährige. Es gäbe wohl einige, denen die Ergebnisse seiner Arbeit nicht passen, sagte der Kripo-Chef. Er ist Gründer einer Sonderkommission, die sich seit August 2015 mit Straftaten von Asylbewerbern befasst. Seine Erfahrungen schildert er in seinem Buch „Soko Asyl“. Küchs Fazit: Der Anteil krimineller Flüchtlinge ist prozentual nicht höher als der Anteil von Kriminellen in der deutschen Bevölkerung.

Seit August 2015 arbeitet Ulf Küch mit 13 Personen aus verschiedenen Kommissariaten zusammen, um die Kriminalität von Flüchtlingen zentral zu erfassen und zu bearbeiten.
Seit August 2015 arbeitet Ulf Küch mit 13 Personen aus verschiedenen Kommissariaten zusammen, um die Kriminalität von Flüchtlingen zentral zu erfassen und zu bearbeiten. Foto: dpa

Als „Lügenbold“ mit „bösartig verschlagenem Gesichtsausdruck“, der „das deutsche Volk“ verrate wird Küch seitenlang in Mails, Briefen und Kommentaren im Internet beschimpft. Die Statistik zur Flüchtlingskriminalität wird angezweifelt. „Dabei sind wir überhaupt nicht in der Lage, an den Zahlen rumzuschrauben“, sagte Küch.

Auch ZDF-Moderatorin Dunja Hayali hatte sich juristisch gegen Hass-Kommentare auf ihrer Facebook-Seite zur Wehr setzen müssen.  Im Falle einer Wiederholungstat droht dem angeklagten Facebook-Nutzer ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) forderten am Dienstag eine Versachlichung der Flüchtlingsdiskussion. 99 Prozent der Flüchtlinge seien nicht kriminell und suchten Schutz vor Krieg und Verfolgung, sagte Albig am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Bad Malente im Kreis Ostholstein. Das Land stehe jetzt vor der Herausforderung, diese Menschen zu Schleswig-Holsteinern zu machen.

 

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