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UN-Vollversammlung in New York : So verlief das Treffen zwischen Obama und Putin

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Zum ersten Mal seit fast einem Jahr treffen sich Obama und Putin. Die Atmosphäre am Rande des Uno-Gipfels bleibt kühl.

New York | Bei einem Treffen am Rande der UN-Vollversammlung in New York haben US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Wladimir Putin ihre gegensätzlichen Haltungen zu Syrien diskutiert. „Die heutige Diskussion war sehr bedeutsam, formell und überraschend offen,“ sagte Putin Reportern nach dem Treffen am Montag. „Wir haben viele Gemeinsamkeiten gefunden, aber es gibt auch viele Differenzen.“ Nach den USA und anderen Staaten wie zuletzt Frankreich erwägt auch Russland Luftschläge gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). „Wir denken darüber nach“, sagte Putin. Bodentruppen werde sein Land aber nicht einsetzen.

250.000 Menschen starben im syrischen Bürgerkrieg. Zwölf Millionen weitere wurden vertrieben. Zahlreiche auswärtige Mächte sind in den Krieg involviert. Während der Iran und Russland das Regime des Präsidenten Baschar al-Assad in Damaskus unterstützen, gehören Saudi-Arabien, die Türkei und die USA zu seinen Gegnern.

Obama und Putin hatten sich zuvor das erste Mal seit fast einem Jahr getroffen. Die Atmosphäre des eineinhalbstündigen Treffens war nach Angaben von Beobachtern kühl. In der ersten Hälfte sei es um die Ukraine, in der zweiten um Syrien gegangen, hieß es vom Weißen Haus.

Hintergrund: Putin, Obama und die Körpersprache

Kaum ein Treffen zwischen Spitzenpolitikern erzeugt solch einen Wirbel wie das zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Jede Geste, jeder Gesichtsausdruck, jede Berührung der beiden Gegenspieler wird bis ins letzte Detail analysiert - und so sorgte am Montag selbst der Toast bei einem Mittagessen am Rande der UN-Vollversammlung für Gespräche.

Klirrten die Gläser, oder klirrten sie nicht? Mehrere Journalisten trieb in New York um, ob Obama und Putin nach dem Toast auch direkt miteinander anstießen, sich ihre Gläser also berührten. Ja, hieß es erst, doch dann kamen Zweifel auf. „Die beiden stießen nicht an, obwohl Herr Obama mit mehreren anderen Tischnachbarn anstieß“, ließ der kurz zum Essen zugelassene „New York Times“-Korrespondent Gardiner Harris wissen. Und die Spannungen zwischen Moskau und Washington ließen Grund genug zur Annahme, dass die Präsidenten auf jede freundliche Geste vor den Kameras lieber verzichten wollten.

Erst ein Foto schaffte Klarheit. „Wir haben jetzt den soliden Beweis in Form eines Fotos ..., dass Herr Obama und Herr Putin anstießen“, teilte Harris mit. „In dem Bild lächelt Herr Putin leicht und Obama tut es bewusst nicht.“ In den Krisen um Syrien und die Ukraine bleiben an diesem Tag viele Fragen offen - zumindest die Gläser-Frage war nun geklärt.

Die USA können sich keine Lösung in Syrien mit dem jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad vorstellen, den sie dafür verantwortlich machen, dass das Morden vor viereinhalb Jahren begann. Russland will hingegen unbedingt an dem engen Verbündeten und wichtigen Waffenkunden festhalten.

Einem Sprecher des Weißen Hauses zufolge sehen die USA die russische Aufrüstung in Syrien nicht unbedingt als Problem für einen Kompromiss. Solange damit der IS und nicht das eigene Volk bekämpft werde, sei das hinzunehmen. Das Treffen sei produktiv gewesen.

Putin beklagte derweil, dass sich die Beziehungen zu den USA auf einem Tiefpunkt befänden. Das sei aber nicht die Schuld Russlands. „Wir sind immer bereit an unserem Verhältnis zu arbeiten und es vollständig wiederherzustellen“, sagte Putin. Man sei bereit, zusammenzuarbeiten.

Ein Beobachter wird mit den Worten zitiert: „Hier ging es nicht darum, den anderen zu übertrumpfen. Beide Seiten hatten offenbar ein Interesse daran, einen Weg zu finden, wie man am besten in der Syrien-Krise vorgeht.“ So sei vereinbart worden, dass sich die Armeen beider Seiten über ihr Vorgehen gegen die Terrorallianz austauschten.

Zuvor hatten beide Staatsoberhäupter vor der UN-Vollversammlung gesprochen. Während seiner ersten Rede vor der Vollversammlung seit zehn Jahren schlug Putin erneut eine internationale Koalition im Kampf gegen den IS vor. Die sunnitischen Extremisten haben weite Teile Syriens und des Nachbarlandes Iraks besetzt. Diese Koalition könne nach dem Modell der Anti-Hitler-Koalition im Zweiten Weltkrieg funktionieren, sagte Putin. Islamische Länder sollten eine Hauptrolle spielen. „Es ist ein großer Fehler, die syrische Regierung und ihre Armee infrage zu stellen“, sagte Putin. „Sie kämpfen wahrhaft gegen die Bedrohung durch islamistische Terroristen.“ Die Flüchtlingskrise habe allen eine herbe Lektion erteilt.

„Wir sind bereit, mit jedem zu reden, auch mit Russland und dem Iran“, sagte Obama. „Aber nach so viel Blutvergießen und Gemetzel können wir nicht einfach zum Status quo zurückkehren.“ Wenn ein Diktator Zehntausende seines eigenen Volkes ermorde, sei das keine innere Angelegenheit mehr. Es müsse einen Übergang vom derzeitigen Machthaber Assad zu einem neuen Führer geben, allerdings durch eine diplomatische Lösung. „Obwohl militärische Kraft notwendig ist, ist sie nicht effizient“, sagte er.

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erstellt am 29.Sep.2015 | 10:51 Uhr

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