Flensburger Oberbürgermeisterin : So stellt sich Simone Lange auf der Hauptstadt-Bühne vor

Ein „Moin“ und 35 Unterstützungsbriefe: Nach ihrer Pressekonferenz gab Simone Lange ihre Bewerbung in der SPD-Zentrale ab.
Ein „Moin“ und 35 Unterstützungsbriefe: Nach ihrer Pressekonferenz gab Simone Lange ihre Bewerbung in der SPD-Zentrale ab.

Mit ihrer Premiere auf Berliner Parkett startet Flensburgs Oberbürgermeisterin den Wahlkampf gegen Andrea Nahles um den SPD-Vorsitz.

Unser Hauptstadtkorrespondent Hening Baethge von
17. März 2018, 14:15 Uhr

Berlin/Flensburg | Vorn auf ihrem Pult drapiert Simone Lange erst mal eine rote Stofftasche. „Moin“ steht darauf in großen schwarzen Buchstaben – und so beginnt Flensburgs Oberbürgermeisterin gestern auch ihre Deutschlandtour, auf der sie für ihren Kampf um den SPD-Bundesvorsitz gegen Fraktionschefin Andrea Nahles werben will. „Ich hab’ das Moin mitgebracht“, sagt Lange also bei ihrem ersten Auftritt der Tournee vor der Hauptstadtpresse in der Berliner Parteizentrale. Und wer noch nicht wusste, wo sie herkommt, der weiß es jetzt.

Zwar wird Lange auf dem Wahlparteitag am 22. April in Wiesbaden gegen die vom Bundesvorstand nominierte Nahles krasse Außenseiterin sein – doch das Interesse der Medien an der 41-Jährigen aus dem hohen Norden ist nicht zu übersehen. Zwei Dutzend Berichterstatter haben sich im Willy-Brandt-Haus zu Langes Premiere auf dem Hauptstadtparkett eingefunden, von ARD und ZDF über RTL und die „Zeit“ bis zum Berliner „Tagesspiegel“. Der „Spiegel“ hat sich bereits im Vorfeld für ein größeres Porträt mit ihr getroffen.

Lange nutzt die Gelegenheit, um noch mal zu schildern, wann es bei ihr „13 geschlagen hat“ und sie sich zur Bewerbung entschloss: „Als ich den Eindruck hatte, dass der Vorstand unsere eigene Satzung nicht mehr ernst genommen hat, und man vorhatte, Andrea Nahles, die nicht mal zum Bundesvorstand gehörte, kommissarisch als Vorsitzende durchzusetzen.“ Das habe ihrem Verständnis von innerparteilicher Demokratie widersprochen. Tatsächlich hat dann ja erst mal Olaf Scholz als bisheriger Vize das Amt vom zurückgetretenen Martin Schulz übernommen. Doch Lange wollte es nun trotzdem wissen.

Seit sie ihre Bewerbung angekündigt hat, „ist viel passiert“, berichtet sie. So hat Lange nicht nur das Moin nach Berlin mitbringen können, sondern auch inzwischen 35 Unterstützungsschreiben von SPD-Ortsvereinen aus ganz Deutschland – von Flensburg über Kiel, Krefeld und Mettmann bis nach Nürnberg. Und täglich kämen weitere Briefe hinzu. Da schon drei gereicht hätten, kann Lange gestern auch offiziell ihre Bewerbung beim Vorstandssekretariat abgeben. Damit wolle sie alle Zweifler überzeugen, die bisher gedacht hätten: „Meint die das ernst? Und: Hat sie die nötige Unterstützung?“

Allerdings hat die SPD gut 7700 Ortsvereine – da sind 35 noch nicht so viele. Und nicht mal der eigene Landesverband spricht sich für Lange aus. Trotzdem zeigt sich die Flensburgerin guten Mutes. „Ich freue mich über die wahnsinnig große Resonanz aus der ganzen Bundesrepublik“, sagt sie. Welches Ergebnis zumindest ein Achtungserfolg wäre? „Danach gehe ich gar nicht“, antwortet Lange. Sie wolle vor allem „Debatten anstoßen“ – auch gern in einem öffentlichen Schlagabtausch mit ihrer Rivalin Nahles. Die hat in dieser Woche immerhin in Flensburg angerufen und ein Treffen angeregt. „Darauf freue ich mich“, sagt Lange.

Mit ihren sozialpolitischen Überzeugungen dürfte sie in der Partei durchaus punkten. Lange bekräftigt, dass sie sich für die „Agenda 2010“ des früheren SPD-Kanzlers Gerhard Schröder entschuldigen wolle: „Da haben wir die Leute ein Stück weit im Stich gelassen“. Hartz IV nennt Lange „ein Prinzip der Bevormundung und Sanktionierung“. Sie plädiert statt dessen für ein „individuelles Recht auf armutsfeste Grundausstattung“ und will auch über ein bedingungsloses Grundeinkommen debattieren.

Zudem fordert Lange mehr Basisdemokratie in der SPD und „eine Trennung von Amt und Mandat“: Fraktions- und Parteivorsitz sollten nicht in einer Hand liegen – weil sonst eine „Verquickung von Verpflichtungen“ drohe, sagt Lange. Sie selbst würde als SPD-Chefin Oberbürgermeisterin in Flensburg bleiben: „Das ist ja kein Parteiamt, sondern ein Verwaltungsamt.“ Auch zeitlich sei das zu schaffen, antwortet sie auf kritische Fragen der Journalisten: „Sigmar Gabriel war parallel Wirtschaftsminister, Björn Engholm Ministerpräsident.“

In den nächsten fünf Wochen will Lange durch die Ortsvereine tingeln. 50 Einladungen hat sie erhalten. Zwar wird sie nicht allen nachkommen können. Doch will sie jedes Bundesland zumindest einmal besuchen. Dafür opfert sie ihre Wochenenden – und sogar ihren Osterurlaub.

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