Beileidsbekundungen : So reagiert Europa auf den Tod Richard von Weizsäckers

Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Richard von Weizsäcker war eine der wichtigsten und geachtetsten Persönlichkeiten unseres Landes.“

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31. Januar 2015, 13:31 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach im Kanzleramt von großer Trauer.  „Wie er von 1984 bis 1994 sein Amt als Bundespräsident ausgeübt hat, das hat Maßstäbe gesetzt.“ Er habe seinen Intellekt, seine Würde und die Fähigkeit zur klugen Rede jahrzehntelang in den Dienst der Demokratie gestellt. „Der Tod Richard von Weizsäckers ist ein großer Verlust für Deutschland“, sagte Merkel. „Richard von Weizsäcker war eine der wichtigsten und geachtetsten Persönlichkeiten unseres Landes.“

Bundespräsident Joachim Gauck hat seinen verstorbenen Vorgänger Richard von Weizsäcker als ein „herausragendes Staatsoberhaupt“ gewürdigt. „Die Nachricht erfüllt mich mit tiefer Trauer. Wir verlieren einen großartigen Menschen und ein herausragendes Staatsoberhaupt“, schrieb Gauck in einem Kondolenzschreiben an die Witwe Marianne Freifrau von Weizsäcker.

Er habe das Amt des Bundespräsidenten auf bleibende Weise geprägt und sei ein Zeuge des Jahrhunderts gewesen. „Aus der Erfahrung von Krieg und Gewaltherrschaft folgte sein Engagement für ein friedliches und vereintes Europa“, so Gauck. „Er vertiefte die Freundschaft mit den Partnern im Westen und suchte die Verständigung mit den Völkern im Osten. Schon früh sah er in der Überwindung der Spaltung Europas die einzige Möglichkeit zur Überwindung der Spaltung Deutschlands.“

Von Weizsäcker habe weltweit für ein Deutschland gestanden, das seinen Weg in die Mitte der demokratischen Völkerfamilie gefunden hatte. „Er stand für eine Bundesrepublik, die sich ihrer Vergangenheit stellt.“

In seiner großen Rede zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation habe er als Bundespräsident unmissverständlich klargemacht: „Der 8.Mai 1945 war ein "Tag der Befreiung" vom “menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft". Sein Diktum, dass der 8. Mai nicht vom 30. Januar 1933 zu trennen ist, ist eine nicht revidierbare Grundlage für unser Selbstverständnis und unser Handeln geworden.“

Als erster Bundespräsident des vereinten Deutschland habe von Weizsäcker einen großen Beitrag zum Zusammenwachsen von Ost und West geleistet. „Als Bundespräsident verstand er es, auf Probleme und Missstände aufmerksam zu machen, Debatten anzustoßen und Perspektiven zu eröffnen. Für die meisten Menschen war er eine moralische Instanz.“

Frankreichs Staatspräsident François Hollande lobte, von Weizsäcker habe durch seine persönliche Geschichte, sein politisches Engagement und seine moralische Haltung die Geschichte seines Landes geprägt.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) würdigte den Gestorbenen als „zentrale Identifikationsfigur“. In dem Leben spiegele sich fast ein ganzes Jahrhundert deutsche und europäische Geschichte wider. „In seine unvergessene Amtszeit fielen mit der Wiederherstellung der deutschen Einheit und dem Ende des Kalten Krieges weltbewegende Ereignisse.“ Dieser Aufbruch in ein Zeitalter von Frieden und Freiheit in Europa sei untrennbar auch mit seinem Namen verbunden.

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi hat den verstorbenen Alt-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker als „herausragende Persönlichkeit“ gewürdigt. „Er hat ein bewegtes und unterschiedliches Leben geführt. Zunächst Offizier im Zweiten Weltkrieg, kam er Schritt für Schritt zu der Erkenntnis, welches verbrecherische Regime die Nazidiktatur war“, erklärte Gysi am Samstag in Berlin.

„Als Bundespräsident setzte er sich für eine Verständigung und Aussöhnung mit Osteuropa ein. Er engagierte sich auch für eine engere Verbindung zwischen den beiden deutschen Staaten.“ Besonders hervor hob Gysi die Rede zum 40. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Regime im Jahr 1985: „Er benannte alle Opfer des Hitlerregimes, darunter erstmalig als herausragender Bundespolitiker, auch die Kommunistinnen und Kommunisten“, lobte Gysi. „Er war ein Mann der hohen politischen Kultur, die wir auch heute noch dringend benötigen.“

Politiker aus Schleswig-Holstein drückten ebenfalls ihre Anteilnahme aus. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat den gestorbenen Alt-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker als großen Staatsmann und Denker gewürdigt, der das Deutschland seiner Zeit maßgeblich geprägt habe. „Er hat mit mutigen Worten und klugen Gedanken nicht zuletzt dazu beigetragen, dass die Deutschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Geschichte gefunden haben und dafür weltweit Beachtung gefunden“, erklärte Albig am Samstag mit Blick auf von Weizsäckers berühmte Rede zum 40.Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985.

Nach Ansicht des schleswig-holsteinischen CDU-Vorsitzenden Ingbert Liebing hat von Weizsäcker „die politische Kultur in der Bundesrepublik maßgeblich geprägt“. In der Zeit der Wiedervereinigung habe er entscheidend zum Zusammenwachsen beigetragen, erklärte Liebing in Kiel.

Die Hamburger CDU würdigt von Weizsäcker als einen vorbildlicher Menschen und außergewöhnlichen Politiker.
 
Der Landesvorsitzende der CDU Hamburg, Marcus Weinberg, erklärte: "Diese Nachricht erfüllt uns mit großer Trauer. Durch seinen steten, jahrzehntelangen Einsatz für Staat und Demokratie wurde er zu einem der prägendsten Politiker unseres Landes. Sein überzeugendes Demokratie-Verständnis, seine ungebrochene Leidenschaft für die erfolgreiche Entwicklung unseres Landes und sein Sachverstand verdienen unseren tiefsten Respekt. Deutschland verliert mit ihm einen der profiliertesten Politiker seiner Geschichte."

Auch weitere Politiker bekunden über Twitter ihre Anteilnahme.

Das Beileid bleibt allerdings nicht nur auf die Politik beschränkt. Der Tod von Weizsäckers bewegt alle.

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