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370 Menschen in acht Tagen : So rasant steigt die Zahl der Flüchtlinge in SH

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Fluchtwege führen sie über Kiel, Flensburg und Fehmarn - vor allem in der Bahn. Die Bundespolizei ist rund um die Uhr im Einsatz.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2015 | 19:28 Uhr

Die Zahl der illegalen Flüchtlinge ist stark angestiegen. Allein in den letzten acht Tagen wurden um Flensburg, Kiel und auf der Vogelfluglinie über Lübeck und Fehmarn 373 Personen von der Bundespolizei auf dem Weg in Richtung Skandinavien aufgegriffen. Zum Vergleich: Bis Ende Mai waren es insgesamt nur 1000, also im Mittel 50 pro Woche. Noch im Juni und Juli war die Lage zumindest in Kiel entspannt, sagte der dort zuständige Bundespolizeisprecher Gerhard Stelke: „Da waren es ein bis zwei am Tag.“ Nun waren es 169 in nur acht Tagen.

Dienstagmorgen wurde gleich der ganze Bahnhof in Flensburg abgeriegelt, der gesamte Zugverkehr für 20 Minuten gestoppt. „Von der Bahn bekamen wir den Hinweis, dass in dem Zug nach Norden nicht wie üblich fünf, zehn Migranten ohne gültige Papiere sitzen, sondern einige mehr“, sagte Heiko Kraft von der Bundespolizeiinspektion Flensburg. Am Ende fanden die Bundespolizisten 34 Erwachsene, zwei Jugendliche und acht Kinder aus Afghanistan, Eritrea, Somalia und dem Irak in dem Zug. In einem gemieteten Bus wurden sie auf die Dienststelle gebracht. Gleichzeitig griff die Bundespolizei auf dem Kieler Bahnhof zehn Flüchtlinge auf – auch sie waren mit dem Zug aus Hamburg gekommen.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben sich die Fluchtwege verschoben. „Es werden zunehmend mehr Flüchtlinge in Zügen festgestellt als auf der Autobahn“, so Kraft – und hat auch eine Vermutung, warum das so ist: „Beim Zug ist der Aufwand für die Schleuser geringer“ – ebenso wie die Gefahr, erwischt zu werden. „Im Auto zählt zumindest der Fahrer erst einmal als Schleuser, im Zug ist er gar nicht erst dabei.“ Um ihnen dennoch auf die Spur zu kommen, werden alle aufgegriffenen Flüchtlinge, die mehrere Tausend Euro für ihre Flucht bezahlen, genau nach Reisewegen und Kontaktpersonen befragt.

Die Bundespolizei ist rund um die Uhr im Einsatz, trotz der vielen Flüchtlinge ist die Lage aber noch halbwegs entspannt: Kraft: „Wir geben alles, aber wir kommen klar.“

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