„The Cartoon President“ : So kommt die Zeichentrick-Serie über Donald Trump in Amerika an

Aus einer Karikatur eine Karikatur zu machen, daran versucht sich Stephen Colbert. Schweres Terrain.

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16. Februar 2018, 20:14 Uhr

Washington | Die Kritiker in den USA versuchen händeringend etwas Positives zu finden, was sie über den Ausflug des brillanten Satirikers in die Welt des Zeichentrickfilms schreiben können. Denn niemand anderem gelingt es so gut wie Colbert als Gastgeber der „Late Show“, täglich die Absurdität dieser Präsidentschaft zu enthüllen.

So gibt es Lob für Jeff Bergmans Stimmen-Animation des zweidimensionalen Trump. Andere halten die Darstellung von Randfiguren wie den Berater des Präsidenten, Stephen Miller, als Sendbote des Satans für gelungen. Auch die Idee, Trumps Söhne Eric und Donald Jr. als Reinkarnation von „Beavis & Butthead“ zu präsentieren, sorgt für Schmunzeln.

Schwerstes Terrain für Satiriker

Doch von Ausnahmen abgesehen, bleibt den meisten amerikanischen Kritikern der zehnteiligen Serie „The Cartoon President“ das Lachen irgendwie im Halse stecken. Die Rezeption im deutschsprachigen Raum, wo die Folgen im Bezahlfernsehen von „Sky“ mit Untertiteln in amerikanischer Originalversion angelaufen sind, mag anders sein, weil das Geschehen weit weg ist. Doch wer in den USA lebt und die Politik vor Ort verfolgt, weiß, dass die gezeichneten Figuren zuweilen hinter ihren Vorlagen im wirklichen Leben zurückstehen.

Der wahre Trump, der im Bademantel im Bett Cheeseburger mampft und sich daran erfreut, wie „Fox & Friends“ ihm huldigen, ist absurder als der Comic-Präsident, der in der ersten Folge von den liebedienerischen FOX-Moderatoren mit dem Satz geweckt wird: „Es ist 6 Uhr in der früh, Mr. Präsident. Stehen sie auf und strahlen. Ich liebe sie.“

Das funktioniert genauso wenig wie die Szene im Lageraum des Weißen Hauses, wo Trump im Kreise seiner Generäle versucht, dem Offizier mit dem „nuklearen Football“ die Codes für den Start einer Atomrakete zu entreißen.

Verglichen mit den echten Tweets Trumps, in denen er dem „kleinen Raketenmann“ Kim Jong Un droht, er habe nicht nur einen Atomknopf, sondern einen, der auch funktioniere, wirkt die Episode in „The Cartoon President“ läppisch. Colbert gelingt in der Zeichentrick-Folge nicht, was ihm im Mitternachtsfernsehen besser gelingt: Etwas aus dem Charakter des Präsidenten herauszuarbeiten, das nicht bloß ein blasse Kopie der Karikatur ist, zu der sich Trump selber gemacht hat.

Der Grund liegt auf der Hand. Satire arbeitet unter anderen mit Übertreibungen. Wenn der „erfolgreichste Präsident jemals“ täglich ganz ernsthaft selber über seine Großartigkeit spricht, lässt sich das an Lachhaftigkeit kaum mehr überbieten.

Vertrottelt, aber harmlos

„The Cartoon President“ leidet durchweg unter der bedrückenden Nähe zu ihrem Objekt. Das nimmt der Satire ihren Biss. Die Zeichentrick-Serie lässt Trump mehr zu einer Figur wie in „The Family Guy“ werden - ein wenig vertrottelt, aber harmlos.

Genau das aber ist dieser Präsident nicht. Und niemand sieht das klarer als Colbert selbst, der in der „Late Show“ kürzlich zeigte, wie Satire treffender sein könnte. Er forderte den Trump darin auf, Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre Rede und Antwort zu stehen. „Sie können das!“, sagte er mit ernster Mine. „Sie sind ein brillantes, milliardenschweres Genie!“ Er sei schlauer als seine Anwälte, lockt Colbert. „Sagen Sie aus, seien Sie einfach Sie selbst!“

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