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Terroranschlag im Radisson Blu in Bamako : So erlebte Jan Fahlbusch aus SH den Tag in Mali

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Bei dem Anschlag auf ein Hotel in Bamako sterben viele Menschen. Ein Lübecker schildert seine Eindrücke von Freitag.

Seit April 2014 leitet der Lübecker Jan Fahlbusch das Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Malis Hauptstadt Bamako. Von 1996 bis 2002 arbeitete der 35-Jährige für unsere Zeitung als freier Mitarbeiter.

Die Nachricht vom terroristischen Anschlag auf das bei Ausländern beliebte Hotel Radisson Blue in Bamako kam per SMS am Frühstückstisch. Seit dem letzten Anschlag in Bamako, bei dem im März vier Menschen ums Leben und mehrere Dutzend verletzt wurden, gehörte das Risiko eines Anschlags zum Arbeitsalltag in Mali. Im selben Hotel befindet sich das Reisebüro, über das wir unsere Flüge buchen. Mein erster Gedanke galt den Kollegen dort. Das Hotel kenne ich gut. Vor eineinhalb Wochen war ich das letzte Mal dort.

Am Donnerstag endete eine von unserem Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung organisierte Konferenz zur Zukunft von UN-Blauhelmmissionen. Viele der Konferenzgäste waren noch gestern in der Stadt. Wir hatten erwogen, die Experten im Radisson Blue unterzubringen. Es ist schlimm, was passiert ist. Nicht auszudenken, wenn auch ihnen etwas zugestoßen wäre.

Wenn aus der abstrakten Gefahr urplötzlich Realität wird, sind die Gedanken bei den Kollegen und Freunden, die möglicherweise betroffen sein könnten. Danach kommt die Frage, wer verübt solch barbarischen Akt in einer ansonsten ruhigen und friedlichen afrikanischen Hauptstadt, die für ihre toleranten Bewohner und reiche Kultur bekannt ist? Welche Auswirkung wird dieser Anschlag auf den fragilen Friedensprozess in Mali haben?

Noch ist es zu früh, diese Fragen mit Sicherheit zu beantworten. Fest steht jedoch: Eine Woche nach den Anschlägen von Paris wurde der Terror in eines der ärmsten Länder der Welt getragen, wo sich derzeit die internationale Gemeinschaft und insbesondere Frankreich um Frieden und Stabilität bemühen. Mit dem Hotel Radisson wurde ein Ziel im Herzen des politischen und ökonomischen Lebens ausgewählt. Hier treffen sich alle, die sich derzeit für Frieden und Stabilität in Mali engagieren: Diplomaten, Entwicklungshelfer, Blauhelme der UN-Friedensmission MINUSMA und Angehörige der europäischen Polizeimission EUCAP Sahel – und auch deutsche Soldaten der Ausbildungsmission EUTM.

Als am Nachmittag mitgeteilt wird, dass die Geiselnahme beendet wurde, bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen. Mindestens 27 Tote und Dutzende Verletzte. Mehrmals hatte ich im Tagesverlauf den Geschäftsführer unseres Reisebüros versucht zu erreichen. Er ging nicht an sein Handy. Die jetzt anlaufenden Ermittlungen werden zeigen, ob tatsächlich die Terrorgruppe Al-Mourabitoune hinter den gestrigen Anschlägen steht. Bereits für den Anschlag vom März hatten sie die Verantwortung übernommen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass dieser Angriff entsprechend beantwortet wird: Mit einer noch konsequenteren und schnelleren Umsetzung des bisherigen Friedens- und Reformprozesses in Mali.

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erstellt am 21.Nov.2015 | 11:20 Uhr

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