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Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem : „So Amazing“: Donald Trump sorgt mit Gästebuch-Eintrag für Kritik

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Seine Vorgänger fanden große Worte für die Verbrechen der NS-Diktatur. Donald Trumps Worte fanden nur große Belustigung.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2017 | 08:54 Uhr

Jerusalem | US-Präsident Donald Trump hat mit seinem Eintrag ins Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel für einen Eklat gesorgt. „Es ist eine Ehre, mit all meinen Freunden hier zu sein“, schrieb Trump und setzte darunter: „So fantastisch + werde nie vergessen“. Kritiker stellten die Frage, ob vor allem die Formulierung „fantastisch“ angesichts der Tragweite des Holocausts angemessen war. Die israelische Zeitung „Ha'aretz“ schrieb, es handele sich um einen Eintrag, wie ihn nur Trump schreiben könne. Ein Reporter der „Times of Israel“ schrieb auf Twitter: „Er hat vergessen zu schreiben: Bis nächsten Sommer!“ In den sozialen Netzwerken wurde das kurze Statement von Trump heiß diskutiert und auch mit dem seines Amtsvorgängers Barack Obama verglichen.

Der schrieb damals, am 23. Juli 2008: „Ich bin Yad Vashem dankbar und allen, die für diese besondere Einrichtung verantwortlich sind. In Zeiten großer Gefahren und großer Versprechen, des Krieges und des Streits, sind wir gesegnet mit einer mächtigen Erinnerung an das Potenzial des Menschen, Böses zu tun, aber auch an unsere Fähigkeit aus der Tragödie zu erheben und die Welt besser zu machen. Lasst unsere Kinder hierher kommen, auf dass sie diese Geschichte kennen lernen und mit geeinter Stimme ,Nie wieder!‘ rufen. Und mögen wir uns an die, die zugrunde gingen, nicht als Opfer erinnern, sondern als Individuen, die wie wir gehofft, geliebt und geträumt haben, und die zu Symbolen des menschlichen Geistes geworden sind.“

Auch andere US-Präsidenten trugen sich ins Gästebuch in Yad Vashem ein. George W. Bush schrieb 2008: „God Bless Israel“. Bill Clinton verewigte sich mit den Worten: „Heute sind wir der Zeit einen Schritt näher gekommen, in der die Menschen in Israel in Frieden mit allen ihren Nachbarn leben und in der die schrecklichen Ereignisse von Tod und Zerstörung an die wir hier Gedenken der Vergangenheit angehören.“

Und Hillary Clinton schrieb als damalige Außenministerin 2009: „Yad Vashem ist ein Zeugnis für die Macht der Wahrheit im Angesicht der Verleugnung, der Unverwüstlichkeit des menschlichen Geistes im Angesicht der Verzweiflung, der Triumph der Juden über Mord und Zerstörung und eine Erinnerung an alle Menschen, das die Lehren aus dem Holocaust niemals in Vergessenheit geraten dürfen. Gott schütze Israel und seine Zukunft.“

Yad Vashem ist eine Gedenkstätte für die Helden und Märtyrer des Staates Israel im Holocaust und die bedeutendste Gedenkstätte in Israel, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und diese wissenschaftlich dokumentiert. Sie wurde 1953 in Jerusalem eröffnet. Trump sagte bei einer Rede, der Holocaust sei „die dunkelste Stunde der Geschichte“ und das „grausamste Verbrechen gegen Gott und seine Kinder“. „Solange wir im Angesicht des Bösen nicht schweigen, (...) und der Barbarei nicht untätig zuschauen, wissen wir, dass Güte, Wahrheit und Frieden die Oberhand behalten werden.“

In Israel war im Vorfeld kritisiert worden, dass ursprünglich für Trumps Besuch in Yad Vashem nur 15 Minuten eingeplant waren. Letztlich dauerte die Visite etwa eine halbe Stunde. Trump war außerdem im Januar kritisiert worden, weil er am internationalen Holocaust-Gedenktag in einer Stellungnahme die Juden unerwähnt ließ.

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