zur Navigation springen

Snowdens Weihnachtsgruß: „Ich habe bereits gewonnen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Nach seiner Serie von spektakulären Enthüllungen über Geheimdienste in den USA und Großbritannien hat Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden zu Weihnachten persönlich Bilanz gezogen. Er habe sein Ziel erreicht, sagte der 30-Jährige, der in Russland im Asyl lebt, der „Washington Post“. „Ich habe bereits gewonnen“, sagte er. Er habe nicht die Gesellschaft ändern, sondern ihr eine Chance geben wollen, herauszufinden, ob sie sich ändern wolle.

In einer vom britischen Sender Channel 4 ausgestrahlten TV-Ansprache rief der frühere Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA zum Ende der weltweiten Massenüberwachung auf. Der Autor George Orwell habe in seinem Buch „1984“ einst vor den Gefahren solcher Informationen gewarnt, sagte Snowden. Die in dem Buch aufgeführten Überwachungsmethoden seien jedoch nichts im Vergleich zu dem, was heute möglich sei.

„Wir haben alle Sensoren in unseren Taschen, die uns verfolgen, wohin wir auch gehen.“

In dem Interview mit der „Washington Post“, das laut Zeitung 14 Stunden dauerte, wies Snowden Vorwürfe zurück, er sei ein Überläufer. „Ich versuche nicht, die NSA kaputt zu machen; ich arbeite daran, die NSA zu verbessern“, sagte Snowden. „Ich arbeite momentan noch immer für die NSA. Sie sind die einzigen, die es nicht bemerken.“ Snowden wird in den USA als Verräter verfolgt.

Snowden verteidigte sein Vorgehen ausdrücklich. Es seien auch die Passivität der Geheimdienst-Kontrolleure im US-Kongress und die lasche Aufsicht durch das zuständige geheime Gericht gewesen, die ihn zum Handeln gedrängt hätten. Er habe zunächst Kollegen und Vorgesetzte auf die Missstände hingewiesen, sagte Snowden. Zudem habe er 2009 selbst vorgeschlagen, ein Vier-Augen-System für Administrator-Zugänge einzuführen. Wäre dies geschehen, hätte er später nicht unbehelligt Zehntausende Dokumente herunterladen können. Die NSA hat nach eigenen Angaben keine Belege für diese Darstellung Snowdens. Der von den USA wegen Geheimnisverrats gesuchte Informant hatte mehreren Journalisten seit Juni zahlreiche Dokumente der NSA zugespielt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen