Nahles-Konkurrentin : Simone Lange: SPD lässt Erneuerungschancen verstreichen

Oberbürgermeisterin von Flensburg Simone Lange (SPD) spricht bei einem Parteitag. /Archiv
Oberbürgermeisterin von Flensburg Simone Lange (SPD) spricht bei einem Parteitag. /Archiv

Langes Bewerbung um den Parteivorsitz sorgte für Furore. Knapp 100 Tage nach dem Parteitag will sie weiter mitmischen.

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29. Juli 2018, 08:43 Uhr

Flensburg | Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange sieht auch knapp 100 Tage nach der Wahl der SPD-Bundesvorsitzenden Andrea Nahles bei ihrer Partei zu wenig Mut zu einer echten Erneuerung. „Die SPD lässt hier Chancen verstreichen“, sagte Lange, die im April bei der Wahl mit 27,6 Prozent der Stimmen einen überraschenden Achtungserfolg gegen Nahles erzielt hatte. „Interessanterweise verbinden die Menschen Erneuerung oft nur mit neuen Gesichtern.“

Und natürlich brächten neue Köpfe auch neue Ideen. Man müsse aber zusätzlich die Strukturen hinterfragen. Ansonsten werde die Erneuerung nicht gelingen, ist Lange überzeugt. „Erneuerung heißt Strukturen verändern.“ Und da hat sich bei der SPD nach Ansicht der Kommunalpolitikerin noch nichts getan. „Ich wüsste nicht, dass wir irgendwo in der Struktur etwas grundlegend verändert haben.“ Die Mitglieder müssten mehr beteiligt werden – über die bisherigen Beteiligungsverfahren hinaus.

„Wir müssen uns mit Fragen auseinandersetzen, wo wir beispielsweise die Urwahl einsetzen können und wie wir die Ortsvereine beteiligen, etwa an der Verbesserung digitaler Strukturen.“ Vor allem müssten die Beteiligungsstrukturen verbindlich sein. „Es dürfen keine Scheinbeteiligungen sein, nach dem Motto: Wir haben jetzt alle beteiligt, aber die Entscheidung ist jetzt so“, sagte Lange. „So wird es auch nicht funktionieren.“

Lange: SPD braucht Antworten in wichtigsten Politikfeldern wie der Inneren Sicherheit

Lange hält die momentan schlechten Umfragewerte ihrer Partei weder für überraschend noch für ungerechtfertigt. Erst wenn die SPD Antworten in den wichtigsten Politikfeldern wie der Inneren Sicherheit bieten kann, habe sie eine Chance, wieder mehrheitsfähige Volkspartei zu sein. Dazu gehöre selbstverständlich eine nicht ideologisch verblendete Antwort auf die Sicherheitslage. Es brauche eine gut ausgestattete Justiz sowie eine handlungsfähige Polizei, sagte die ehemalige Polizistin. Da komme von der SPD zu wenig. „Es ärgert mich, weil die SPD ihre Chancen verstreichen lässt, um als Partei wieder eigenständig und profiliert wahrgenommen zu werden.“

Nicht nur im Bund, auch auf Landesebene, wo im kommenden Jahr ein neuer Vorstand gewählt wird, wünscht sich Lange neue Impulse ihrer Partei. Auch hier gelte das, was sie für den Bund fordere, sagte die 41-Jährige. „Strukturen hinterfragen muss erlaubt sein.“ Der bisherige Amtsinhaber Ralf Stegner will sich im Herbst erklären, ob er wieder antritt.

Lange schließt anders als Ende April nicht mehr kategorisch aus, ihn zu beerben. „Natürlich habe ich Lust, mich einzubringen, aber es muss gemeinsam ein Weg gefunden werden.“ Es müsse immer eine offene Wahl geben, vielleicht auch mit dem Aufruf an die Mitglieder, sich um einen Posten im Vorstand, für den Vorsitz zu bewerben. „Ich sehe einige tolle potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten in der schleswig-holsteinischen SPD. Für uns ist wichtig, mit der stärksten Option ins Rennen zu gehen.“

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