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Mikrofon-Panne : Sie ist „verrückt“: Israels Ministerpräsident Netanjahu zieht über EU her

vom

Sein eigentlich geheimes Gespräch mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hören Journalisten im Nebenraum mit.

shz.de von
erstellt am 20.Jul.2017 | 09:55 Uhr

Tel Aviv | Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist nach Medienberichten wegen einer Mikrofon-Panne bei massiver Kritik an der EU ertappt worden. Die EU sei „verrückt“, weil sie eine Lösung des Nahost-Konflikts verlange, bevor es engere Beziehungen zu Israel geben könne, sagte Netanjahu laut dem Nachrichtenportal „ynet“ und einem Bericht der Süddeutschen Zeitung am Mittwoch bei seinem Besuch in Ungarn.

Seit Jahren sind die Beziehungen zwischen der EU und Israel angespannt. In den Augen der israelischen Regierung kritisiert die EU ihre Politik zu scharf. Gegenüber den Palästinensern lasse die Union dagegen zu große Milde walten. Die EU hat den israelischen Siedlungsbau immer wieder verurteilt.

Israels Regierungschef befand sich im Gespräch mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban und Amtskollegen aus Tschechien, der Slowakei und Polen. Sein Mikrofon soll bei dem privaten Treffen zeitweise noch eingeschaltet gewesen sein, so dass ihn Journalisten im Zimmers nebenan hören konnten.

„Die Europäische Union ist die einzige Vereinigung von Ländern weltweit, die ihre Beziehungen mit Israel an politische Bedingungen knüpft“, zitiert ihn die israelische Zeitung Haaretz. Damit bezog er sich auf technologische Kooperationen. Die EU setzt dieser Zusammenarbeit Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern voraus und macht sie davon abhängig.

Er verwies in diesem Kontext auf China, Russland und Indien, die bereit seien, ohne Bedingungen Geschäfte mit seinem Land zu machen. „Europa gefährdet seine eigene Entwicklung, in dem es seine Beziehung zu Israel in Gefahr bringt wegen dieses verrückten Versuchs, Bedingungen zu schaffen“ für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern, sagte er weiter. „Europa muss sich entscheiden, ob es leben und gedeihen will oder ausdörren und verschwinden.“

Außerdem äußerte sich Netanjahu zu israelischen Luftschlägen gegen Waffenlieferungen für die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah in Syrien. „Ich habe (Russlands Präsident) Putin gesagt, wenn wir sehen, dass (der Iran) Waffen zur Hisbollah bringt, dann treffen wir die. Wir haben das schon dutzende Male gemacht.“ Israel äußert sich üblicherweise nicht zu diesen Angriffen.

(mit dpa)

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