Münchner Flughafen : Sicherheitspanne vermiest Tausenden den Urlaubsstart

Fluggäste laufen zum Terminal 2 am Flughafen in München.  
Fluggäste laufen zum Terminal 2 am Flughafen in München.  

Für Tausende Menschen geht die Urlaubsreise am Münchner Flughafen mit einer großen Geduldsprobe los. Der Auslöser: eine zunächst unbekannte Frau, die ohne Kontrolle in einen Sicherheitsbereich gelangt.

shz.de von
29. Juli 2018, 16:53 Uhr

Eigentlich sollten sie schon im klimatisierten Flugzeug Richtung Frankfurt sein. Stattdessen sitzt Timo (13) auf einem Rollkoffer und Annika (9) auf dem Boden der überhitzten Abflughalle von Terminal 2 des Flughafens München.

Mit ihren Eltern sollte es am Samstagmorgen, mit dem Beginn der Sommerferien in Bayern, in die Dominikanische Republik gehen. Doch nun liegen die Nerven blank. «Wir haben null Infos. Wir stehen hier seit zwei Stunden und wissen nichts», sagt ihre Mutter. Wie der Familie geht es Zehntausenden Fluggästen auf dem Weg in den Urlaub.

Der Grund: Eine zunächst unbekannte Frau gelangt am Samstagmorgen in einen Sicherheitsbereich, ohne vorher kontrolliert worden zu sein. Die Konsequenz: Die Polizei räumt das Terminal 2 und das damit verbundene sogenannte Satelliten-Terminal.

In Lautsprecherdurchsagen ist zunächst nur die Rede von einem Polizeieinsatz. Unsicherheit macht sich breit. Das Internet sei am frühen Morgen überlastet gewesen, an Informationen sei man nicht herangekommen, erzählt Stefanie Fach. «Wir wussten nichts. Die erste Durchsage kam erst spät, und man hat sie nicht genau verstanden.» Die Mitarbeiter an der Gepäckausgabe hätten sie dann beruhigt.

Stunden später herrscht immer noch absolute Ungewissheit. Die Menschen stehen, sitzen und liegen am Mittag im Check-in-Bereich. Kaum einer weiß, wie es weitergeht. Per Lautsprecherdurchsage werden sie aufgerufen, Ruhe zu bewahren. Viele fächern sich mit ihren Flugtickets Luft ins Gesicht. Manch einer verliert die Nerven. Eine erboste Frau geht einen Flughafenmitarbeiter an: «Wo ist das Problem? Wo ist das Problem?» Die Antwort: «Weiß nicht.»

Noel dagegen gibt sich entspannter. Der 20-Jährige will eigentlich nach Barcelona fliegen, um in der Stadt spanischen Calella mit seinen Kumpels Party zu machen. Daraus wird erstmal nichts. Mit Sonnenbrille auf dem Gesicht liegt er auf den Fliesen der Halle und versucht sich auszuruhen. Anthony Michaels-Moore will mit Frau und seinen zwei Kindern eigentlich nach Albuquerque (USA) fliegen. «Wir wissen nicht, was los ist. Informationen kommen viel zu spät», sagt der 61-Jährige.

Gegen Mittag hallen konkretere Durchsagen durch das Terminal: Die Polizei habe den Sicherheitsbereich der beiden Abflughallen wieder freigegeben. Nicht mehr lange, dann sollen auch wieder Flugzeuge vom Terminal 2 abheben. Doch bis die vielen tausend Fluggäste wieder durch den Sicherheits-Check sind, dauert es. Sicherheitsmitarbeiter drängen sich durch die Menge in der Warthalle und verteilen Wasser. Mit speziellen Großlüftern leitet die Flughafenfeuerwehr frische Luft in die Halle.

Derweil fahndet die Bundespolizei mit einem Foto aus einer Überwachungskamera nach der Frau, die das Chaos ausgelöst hat. Am Abend dann die Nachricht: Die Behörden haben sie identifiziert. Es ist nach Angaben der Regierung von Oberbayern eine etwa 40-Jährige.

Die Bundespolizei nimmt die Frau nicht fest, sie bleibt erst einmal auf freiem Fuß. Ob sie mit ihrer Aktion an der Sicherheitsschleuse einen Fehler gemacht hat oder ob das Sicherheitspersonal etwas nicht bemerkte, ist unklar. Die Behörden wollen den Fall aufklären. Schließlich dürfte der Schaden in die Millionen gehen.

Ein Sprecher des Flughafens zieht am Sonntag eine vorläufige Bilanz: Etwa 330 Flüge ausgefallen, rund 450 um eine halbe Stunde oder länger verspätet. Wegen der Hitze in der Halle mussten Sanitäter etwa 30 Menschen mit Kreislaufproblemen versorgen.

Rund 2000 Passagiere stranden nach Angaben der Lufthansa am Samstagabend in München. Für sie kann niemand ein Hotel besorgen. Viele schlafen auf Bänken oder schlagen die Zeit im Sitzen tot. Der Flughafenbetreiber stellt rund 700 Feldbetten auf. Sie sind in der Nacht alle belegt.

Auf zwei davon schlafen Andi und Davis aus Zürich. Eigentlich wollten sie in den Urlaub nach Serbien fliegen. Nach einer unangenehmen Nacht in einer Flughafenhalle beschließen sie enttäuscht, wieder in die Schweiz zurückzureisen.

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