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Deutsche Bahn : SH und Hamburg: Werden Bahn-Reisen bald schneller?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein bundesweiter „Deutschlandtakt“ soll die Umsteigezeiten im Zugverkehr verkürzen – auch im Norden.

shz.de von
erstellt am 09.Jan.2016 | 14:47 Uhr

Kiel | Wer per Bahn von Schleswig-Holsteins Westküste nach Frankfurt am Main fahren will, braucht beim Umsteigen in Hamburg-Altona Geduld: Erst nach 48 Minuten geht es mit dem Anschluss-ICE weiter Richtung Süden. Nicht viel besser sieht es zwischen Lübeck und Frankfurt aus: 33 Minuten beträgt die Umsteigezeit im Hamburger Hauptbahnhof. Nicht zuletzt wegen solch ärgerlicher Wartereien dauern Fernverbindungen von und nach Schleswig-Holstein heute wie kürzlich berichtet länger als vor 20 Jahren. Doch nun will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt für Besserung sorgen.

Recherchen des sh:z haben ergeben: Auf fast allen wichtigen Fernverbindungen von und nach Schleswig-Holstein braucht die Bahn heute teils deutlich länger als 1996, kurz nach der großen Bahnreform.

Weil langes Warten auf den Anschlusszug nicht nur im Norden, sondern auch im Rest der Republik gang und gäbe ist, will der CSU-Politiker im neuen Bundesverkehrswegeplan die Voraussetzungen für kürzere Umsteigezeiten und schnellere Bahnverbindungen schaffen. Ziel ist ein „Deutschlandtakt“ mit besser abgestimmten Anschlüssen als bisher. Unter anderem sollen die Züge an wichtigen Knotenbahnhöfen jede Stunde oder sogar jede halbe alle ungefähr gleichzeitig eintreffen und kurz darauf etwa gleichzeitig wieder abfahren. Besonders günstige Umsteigezeiten von 10 bis 15 Minuten würden dort so zur Regel. Im Bahnmusterland Schweiz klappt das seit langem gut.

Machbar wäre ein ähnlicher Taktfahrplan auch in Deutschland, hat eine kürzlich beendete Studie im Auftrag von Dobrindts Ressort ergeben. Um die beste Wirkung im Netz zu erzielen, werden darin als Bahnknoten nicht etwa die großen Metropolen Hamburg, Berlin und München empfohlen, sondern acht kleinere, aber zentralere Städte wie Hannover, Fulda oder Magdeburg. Reisezeitverkürzungen von bundesweit „acht bis zwölf Millionen Stunden“ jährlich mit einem „monetären Wert zwischen 66 und 97 Millionen Euro“ halten die Gutachter so für möglich.

Allerdings wäre das Vorhaben langwierig und teuer. „Ein Deutschlandtakt kann nicht mit einem Fahrplanwechsel eingeführt werden“, sondern nur „schrittweise“, schreiben Dobrindts Experten. Denn zuvor seien „zielgerichtete Infrastrukturausbauten“ nötig. Bund und Bahn müssten neue Überholgleise anlegen, Kurven begradigen und Bahnhöfe erweitern. Im Norden etwa halten die Experten einen Ausbau der Strecke Hamburg-Celle für ratsam sowie eine neue Bahnbrücke in Harburg. In Schleswig-Holstein wäre keine Investition nötig.

Dobrindt lässt sich von den Kosten nicht schrecken. Er kündigt an, dass er die angeregten Baumaßnahmen „in den nächsten Bundesverkehrswegeplan einfließen lassen“ will, den er im April vorlegen wird. Zwar heißt das nicht, dass alle Vorhaben automatisch aufgenommen werden – aber dass sie gute Chancen haben. „Schnelle Verbindungen mit reibungslosem Umsteigen zwischen Fern- und Nahverkehr machen Bahnfahren attraktiv“, begründet der Minister seine Pläne. Nicht zuletzt der Koalitionsvertrag von Union und SPD stärkt ihm den Rücken: „Die Planung der Schienenwege“, heißt es darin, „werden wir am Ziel eines Deutschlandtakts mit bundesweit aufeinander abgestimmten Anschlüssen ausrichten.“

Auch Dobrindts Kieler Kollege Reinhard Meyer ist für einen Deutschlandtakt. „Ich treibe das Thema seit langem voran und freue mich, dass der Bund es sich nun auch zu eigen macht“, sagt der SPD-Politiker. Im eigenen Land hat Meyer bereits gehandelt: Hier fahren die Nahverkehrszüge im Schleswig-Holstein-Takt – mit günstigen Umsteigezeiten an den Knoten Lübeck, Neumünster, Heide, Husum, Niebüll und Ulzburg.

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