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Präsidentenwahl : Sender in Südkorea präsentiert Wahlergebnisse im Stil von Game of Thrones

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Der Nachrichtensender SBS hat die Wahlberichterstattung auf ein neues Level gehoben. Ein Vorbild für die Bundestagswahl?

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erstellt am 10.Mai.2017 | 10:56 Uhr

Seoul | Japan steht für Anime, Mangas und ziemlich verrückte Sachen. Südkorea steht dem in nichts nach, betrachtet man die Berichterstattung über die jüngste Präsidentenwahl. Der südkoreanische TV-Sender „SBS News“ hat während der Wahlberichterstattung allerhand Computersimulationen abgefeuert. Dabei handelt es sich jedoch nicht um gewöhnliche Wahlgrafiken in Form von Balken- oder Tortendiagrammen. Der Siegeszug des Moon Jae In, so heißt der neugewählte Präsident und frühere Menschenrechtsanwalt, wird groß inszeniert. Er und seine Gegenkandidaten Hong Jun Pyu sowie Ahn Cheol Soo werden als Game-of-Thrones-Charaktere gezeigt.

Dazu werden Prozentzahlen und aktuelle Zahlen eingeblendet. In einer anderen animierten Sequenz werden die Kandidaten als Superhelden gezeigt...

...beim Joggen

..oder bei einer Runde Curling.

Auch in einer Pokémon-Go-Umgebung werden die Kandidaten in Szene gesetzt.

Am Ende wird auch noch eine Runde getanzt.

All diese Animationen wirken heiter und unbeschwert. Angesichts der politischen Lage auf der koreanischen Halbinsel ist das ziemlich bizarr. Der Konflikt mit Nordkorea nimmt augenblicklich an Schärfe zu. Immerhin liegt die Hauptstadt Seoul in Reichweite der Artillerie von Machthaber Kim-Jong-Un. Die USA als Schutzmacht Südkoreas beziehen mit Flugzeugträgern und Abwehrraketen Stellung. Im Netz überschlagen sich die Reaktionen. „Das ist im Grunde eine Reality-Show“, schreibt ein Twitterer:

„Koreaner wissen, wie man die Stimmenauszählung genießt.“

 

 

Bei SBS handelt es sich nicht um irgendeinen Spartensender, sondern um eines der größten Nachrichten-Netzwerke in Südkorea. Schon 2012, als die mittlerweile des Amtes enthobene Park Geun-Hye die Wahlen gewann, zeigte SBS eine ähnliche Berichterstattung. Ein „Verge“-Reporter schrieb damals auf Twitter: „Diese Wahlberichterstattung ist großartig. Seht euch diese Grafiken an.“

Betrachtet man die Ergebnisse der Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird klar: 34 Prozent der Wahlberechtigten haben ihre Stimme nicht abgegeben. Die in Deutschland üblichen Sondersendungen zur Wahl mit Hochrechnungen und steifen Studiogästen locken vermutlich nicht so viele Zuschauer vor den Fernseher wie das Feuerwerk, was Südkorea im TV abbrennt. Vielleicht würde so eine Berichterstattung in Deutschland vielleicht auch helfen, Politikverdrossene wieder für die Demokratie zu begeistern. Die Aufmerksamkeit, die diese Animationen schaffen, kommen jedenfalls nicht von Balkengrafiken allein.

 
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