zur Navigation springen

Landtagskandidatin in Mecklenburg-Vorpommern : Schwerin: AfD-Frau Federau soll Frauen für Escort-Service angeworben haben

vom

Die Schweriner AfD-Stadtvertreterin Petra Federau steht auf der Kandidatenliste für die Landtagswahl auf Platz drei. Einige Details aus ihrer Vergangenheit hat sie auf dem Wahlparteitag aber offenbar verschwiegen.

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2016 | 11:44 Uhr

Schwerin | Pikante Vorwürfe gegen die Schweriner Landtagskandidatin der Alternative für Deutschland (AfD) Petra Federau: Die Politikerin soll noch vor wenigen Jahren für den in Abu Dhabi ansässigen Escort-Service „Beauty Escort 4You – German Beautys“ junge Frauen aus der Region angeworben haben. Teilweise begleitete sie demnach die Frauen selbst zu Einsätzen im arabischen Raum, aber auch in Mecklenburg.

Federau, die für ihre Partei in der Schweriner Stadtvertretung sitzt und jüngst vom AfD-Parteitag auf Listenplatz drei für die Landtagswahl im Herbst gehoben wurde, hatte unter anderem für Schlagzeilen gesorgt, als sie auf Facebook davor warnte, Deutschland hole sich mit den Flüchtlingen nicht nur Religionskriege ins Land, sondern auch alle Krankheiten der Welt. Als sich daraufhin die Stadtvertreter der Landeshauptstadt geschlossen von derartigen fremdenfeindlichen Äußerungen distanzierten, sprach Federau von einer öffentlichen Hinrichtung.

Tatsächlich droht eine öffentliche Hinrichtung in einigen islamischen Staaten Frauen und Männern, die auch nur in den Verdacht der Prostitution geraten. Auch in Dubai und Abu Dhabi, wo Federaus „German Beautys“ laut den uns vorliegenden Unterlagen zum Einsatz kamen, ist Prostitution verboten – wenngleich dort nicht so drastische Strafen wie beispielsweise im nahegelegenen Saudi Arabien drohen.

Auch wenn Escort-Leistungen nicht automatisch mit Prostitution gleichzusetzen sind: Einstige Mitarbeiterinnen des EliteEscortService berichten von der Angst vor Gepäckkontrollen bei der Einreise am Flughafen, bei denen Perücken, Reizwäsche und Kondome zum Vorschein gekommen wären. Um eine Gefängnisstrafe wären die Frauen dann wohl kaum herumgekommen.

Interessentinnen an einer „freiberuflichen Mitarbeit“ hatte der EscortService über Anzeigenblätter und die mittlerweile abgeschaltete Internetseite www.germanbeautys.de gesucht. Bei telefonischer Kontaktaufnahme, so erinnern sich Angeworbene, stellte sich Petra Federau zunächst als „Pia Sommer“ vor. Die Verträge unterzeichnete sie aber mit ihrem richtigen Namen, wie Dokumente aus dem Jahr 2009 zeigen. Im Agenturvertrag verpflichteten sich die mutmaßlich von Federau angeworbenen „freiberuflichen Mitarbeiterinnen“ unter anderem, bei Inlandseinsätzen ein Drittel ihrer Einnahmen an die Agentur zu entrichten. Bei Auslandseinsätzen wurde ein Tagessatz von 400 Euro (etwa 2000 Dirham) fällig.

Aus zum Vertrag gehörenden Preislisten wird ersichtlich, wie viel die Agentur einstrich: Von 150 Euro, die für einen einstündigen Einsatz fällig wurden, betrug die Provision 50 Euro. Von 400 Euro für vier Stunden wurden 130 Euro fällig und von 2500 Euro bei Buchung für eine ganze Woche musste die „Mitarbeiterin“ 800 Euro Agenturgebühr weiterreichen. Flugtickets und Hotels in den Emiraten, dem Haupt-Einsatzgebiet, organisierte demnach Federau für die Frauen – ebenso wie die für sich selbst.

Am Dienstag indes hüllt Petra Federau sich in Schweigen. Die Beantwortung schriftlich an sie gestellter Fragen zu den Vorwürfen lehnt die AfD-Spitzenfrau ab, hat aber „nicht das geringste einzuwenden gegen sorgfältig recherchierte Zeitungsartikel“, wie ihr Anwalt wissen ließ. Äußerungen aus einem persönlichen Gespräch, in dem sie die Vorwürfe als Versuch der politischen Diffamierung zurückgewiesen hatte, ließ sie gestern über den Anwalt ausdrücklich nicht autorisieren.

Reaktionen aus der Politik

AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm zeigte sich überrascht und bekundete Gesprächsbedarf: „Von dieser Sache habe ich vorher nichts gewusst.“ An sich sei daran nichts verwerflich. „Escort-Service gibt es hierzulande auch. In aufgeklärten Zeiten ist das nichts, was man kriminalisieren müsste.“ Holm sieht auch keinen Widerspruch zu Federaus politischen Ansprüchen: „Welcher Anspruch soll das sein?“ Ein Vergleich mit Crystal Meth oder Kinderpornos gehe natürlich nicht. „Das sind Sachen, die verboten sind.“

Der Schweriner CDU-Fraktionschef Sebastian Ehlers staunte: „Wenn sich das alles bewahrheitet, wäre das ein Zeichen von Doppelmoral. Denn das Familienbild, das Frau Federau uns in der Stadtvertretung zeigt, ist ein ganz anderes.“ Er meinte, Federau solle sich selbstkritisch hinterfragen. „Solch Verhalten in der Vergangenheit stünde im krassen Widerspruch zu den Wertvorstellungen, die sie sonst so gern öffentlich vorträgt.“

Grünen-Stadtvertreterin Cornelia Nagel sieht das anders: „Wenn die Vorwürfe stimmen, wäre das moralisch bedenklich, denn dann hätte Frau Federau offenbar andere Frauen bewusst gefährdet.“ Einen vernünftigen Beitrag zur Stadtpolitik habe sie von Frau Federau aber ohnehin noch nie erlebt, so Nagel.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Stadtparlament, Henning Förster, erklärte: „Es ist an Heuchelei kaum zu überbieten, wenn AfD-Stadtvertreterin Federau einerseits öffentlich ihre Sorge vor Übergriffen arabischer Männer auf Frauen hierzulande artikuliert und andererseits selbst Frauen für ihre zwielichtigen Geschäfte in Ländern der arabischen Welt missbraucht.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen