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Rücktritt des Polizeichefs : Schüsse in Ferguson: Zwei Polizisten schwer verletzt

vom

Der Polizeichef der US-Stadt kündigte seinen Rücktritt an. Wegen schwerer Vorwürfe. Die Schießerei sorgt für neue Aufregung.

St. Louis | Nach dem angekündigten Rücktritt des Polizeichefs der US-Stadt Ferguson (Missouri) sind bei einer Demonstration zwei Polizisten angeschossen und schwer verletzt worden. Der Polizeichef des Bezirks St. Louis, Jon Belmar, sprach von einem Hinterhalt. Ein 41 Jahre alter Polizist sei an der Schulter und sein 32 Jahre alter Kollege im Gesicht getroffen worden, sagte er während einer Pressekonferenz am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit). Ihre Verletzungen seien ernsthaft, sie schwebten jedoch nicht in Lebensgefahr.

Polizeichef Thomas Jackson hatte mit seinem Rücktritt auf massive Vorwürfe wegen rassistischer Diskriminierung von Afro-Amerikanern reagiert. Er will sein Amt am 19. März abgeben. Jackson war nach den Todesschüssen auf den schwarzen Jugendlichen Michael Brown im Sommer 2014 schwer in die Kritik geraten. Die Schüsse eines weißen Polizisten auf den unbewaffneten Teenager lösten damals landesweite Empörung und Unruhen in Ferguson aus. Wegen massiver Gewalt, mit der die Polizei gegen die Demonstranten vorging, geriet Jackson zusätzlich in die Kritik.

Am Mittwochabend waren zwischen 70 und 150 Demonstranten vor die Polizeizentrale gezogen, um den Rücktritt des Polizeichefs zu feiern. Sie trafen dort auf Polizisten in Kampfausrüstung, die das Gebäude abgeriegelt hatten.

Die Schüsse fielen kurz nach Mitternacht (Ortszeit), als die Demonstration sich auflöste und einige Menschen sich schon auf den Heimweg machten. Die Schüsse seien aus etwa 110 Metern Entfernung abgegeben worden, sagte Belmar. Die Polizei nimmt an, dass der oder die Täter sich unter die Demonstranten mischte. Laut Augenzeugen fielen die Schüsse nicht aus der Menge, sondern von der gegenüberliegenden Straßenseite, wie der Fernsehsender CNN berichtete. Zuvor waren bei dem Protest am Mittwochabend mindestens zwei Demonstranten festgenommen worden, heiß es nach Angaben der Zeitung „St. Louis Post-Dispatch“.

Journalistin Charlotte Potts twitterte dieses Youtube-Video aus der Nacht:

Justizminister Eric Holder versprach den Ermittlern die volle Unterstützung seines Ministeriums. „Solche sinnlosen Gewaltakte bedrohen genau die Reformen, an denen nicht gewalttätige Demonstranten in Ferguson und im ganzen Land seit mehreren Monaten arbeiten“, sagte er.

 

Vor der Nachricht der Schüsse ging es vor allem um die jüngste Kritik des Justizministeriums: In einem ausführlichen Bericht hielt die Behörde der Polizei weit verbreitete rassistische Diskriminierung vor. Polizisten gingen häufig mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Schwarze vor, hielten diese ohne ersichtlichen Grund an und verfolgten sie wegen Bagatelldelikten. Außerdem würden Schwarze besonders übermäßig häufig mit Geldstrafen belegt - mit dem Ziel, die Kassen der Stadt aufzufüllen.

Justizminister Holder stellte den Bericht vor einer Woche persönlich vor und sprach von einer „schwer vergifteten Atmosphäre“ in der Stadt. Sein Fazit: Das Verhältnis der Polizei zu den Menschen in Ferguson sei „von tiefem Misstrauen und Feindschaft“ geprägt.

Auch der Verwaltungschef von Ferguson, John Shaw, werde sein Amt abgeben, berichtete die „St. Louis Post-Dispatch“. Als „City Manager“ war Shaw weitgehend für die Finanzen verantwortlich - und damit auch für den Missbrauch von Geldstrafen. Auch ein Richter und Polizeioffiziere hätten bereits ihren Rücktritt eingereicht, hieß es.

Kritiker fordern, dass die gesamte Polizei des Vorortes von St. Louis aufgelöst werden solle. Die Behörde solle von der Polizeidirektion in St. Louis übernommen werden, die bereits die Polizeiämter auch anderer Vororte mit verwalte.

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erstellt am 12.Mär.2015 | 10:48 Uhr

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