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Schöner wohnen mit Ursula von der Leyen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums!

Es mangelte wahrlich nicht an klischeehaften Vorbehalten, als die Bundeswehr im vergangenen Dezember mit Ursula von der Leyen erstmals eine Chefin vorgesetzt bekam. Die Bezeichnung „Mutter der Kompanie“ etwa war so naheliegend und gleichzeitig plump, dass viele Journalisten sie dankenswerter Weise bewusst mieden. Statt dessen erlagen sie dem Zauber des Neuen. Warum soll in Deutschland nicht klappen, was in anderen europäischen Staaten mit einer Verteidigungsministerin bestens funktioniert? Es ist jedenfalls nicht bekannt, dass die Armeen in Norwegen, den Niederlanden oder Frankreich verweichlicht sind, nur weil dort eine Frau das Kommando hat oder hatte.

Gut fünf Monate ist Ursula von der Leyen nun im Amt. Von Haus aus Sozialpolitikerin, wollte die CDU-Frau und siebenfache Mutter von Anfang an vor allem eines: den Wohlfühl-Faktor in der Truppe erhöhen. Die Bundeswehr soll zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland werden, lautet ihr Credo. Dazu gehören nach ihren Vorstellungen nicht nur ein anderer Umgangston auf dem Kasernenhof, eigene Kitas und Teilzeit-Modelle. Nein, ihr neuester 29-Punkte-Katalog, den das Ministerium gestern vorlegte, geht im Detail noch viel weiter: Ein Flachbild-Fernseher auf der Stube muss es künftig ebenso sein wie Mini-Kühlschrank, Garderobenspiegel und Stehlampe. Stockbetten und Linoleumböden könnten bald der Vergangenheit angehören. Schöner wohnen mit von der Leyen. Rund 100 Millionen Euro will die Ministerin in den nächsten fünf Jahren in die Attraktivitätsoffensive investieren. „Die Freiwilligenarmee Bundeswehr soll jedem Vergleich mit der Wirtschaft standhalten“, bekräftigte von der Leyen gestern.

Bei vielen Militärs ruft die Ministerin aber nur noch Kopfschütteln hervor. Ex-Offiziere, die keine disziplinarischen Konsequenzen zu befürchten haben, gehen mit der 55-Jährigen hart ins Gericht. „Von der Leyen hat ganz offensichtlich keine Ahnung vom Militär“, ätzt der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat. Die Ministerin komme ihm vor, „wie eine gute Hausfrau, die ihre Kinder versorgt“, sagte er dem „Focus“. Sie solle sich lieber um die wirklich wichtigen Dinge kümmern. „Soldaten brauchen eine vernünftige Ausrüstung. Das macht den Soldatenberuf sicherer und damit attraktiv.“

Tatsächlich ist es von der Leyens Art der Schwerpunkt-Setzung, die verwirrt. Niemand bezweifelt, dass die Bundeswehr als Freiwilligenarmee attraktiver werden muss, um genügend geeigneten Nachwuchs zu finden. Aber die Wirkung, die sie mit ihren PR-Auftritten erzeugt, stößt auch Parteifreunden unangenehm auf. Anfang Mai weihte von der Leyen in München die angeblich erste Bundeswehr-Kita ein. Dass es beispielsweise in Husum eine solche Einrichtung schon lange gibt, sei an dieser Stelle nur am Rande moniert. Schlimmer ist der Umstand, dass im Osten der Ukraine die Luft brannte, während die Ministerin gemeinsam mit Kindern in die Kameras grinste.

Krippen statt Krisenbewältigung. Dass die Nato und mithin die Bundeswehr angesichts eines sich abzeichnenden neuen Ost-West-Konflikts vor sicherheitspolitischen Grundsatzfragen steht, verdrängt die Chefin im Bendlerblock. Immerhin entsendet die Ministerin (im Herbst!) eine Handvoll Eurofighter ins Baltikum, um die besorgten osteuropäischen Nato-Partner zu beruhigen.

Ursula von der Leyen ist eine gewiefte, durchsetzungsstarke Politikerin, das hat sie in der Vergangenheit bewiesen. In ihrem neuen Ressort bedient sie aber bislang vor allem ein Klischee – das der Mutter der Kompanie.

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erstellt am 30.Mai.2014 | 12:15 Uhr

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