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Schleswig-Holstein droht einen Sitz zu verlieren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Prognose zur Bundestagswahl: Trotz neuer Ausgleichsmandate wird das künftige Parlament kaum größer werden als das bisherige

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 00:34 Uhr

Der Bundestag wird nach der Wahl am 22. September etwas größer werden als bisher – aber nicht so stark aufgebläht, wie Kritiker des neuen Wahlrechts befürchtet haben. Schleswig-Holstein wird sogar vermutlich einen Abgeordneten weniger stellen als derzeit. Das geht aus einer aktuellen Hochrechnung des Hamburger Wahlforschungsinstituts Election.de hervor.

Während Experten nach der jüngsten Wahlrechtsreform gewarnt hatten, dass im Bundestag wegen der neu eingeführten Ausgleichsmandate künftig 670 oder sogar über 700 Abgeordnete sitzen könnten, kommt die jetzige Prognose für die Wahl am Sonntag nur auf 625 Sitze. Vor vier Jahren waren es mit 622 kaum weniger. Aus Schleswig-Holstein werden wahrscheinlich nur noch 23 statt bisher 24 Parlamentarier in Berlin sitzen. Das ist aber immerhin noch einer mehr als regulär vorgesehen.

Der Verlust des einen Sitzes liegt daran, dass im Land diesmal wohl kein Überhangmandat entsteht und zudem die Wahlbeteiligung nicht wieder so überdurchschnittlich hoch sein wird wie 2009, als gleichzeitig die Landtagswahl stattfand. Zwar wird die SPD in Schleswig-Holstein besser abschneiden als vor vier Jahren und laut Prognose mit 30 Prozent der Stimmen acht Bundestagsmandate erhalten – zwei mehr als vor vier Jahren. Eines davon ist ein bundesweites Ausgleichsmandat. Doch im Gegenzug verliert die FDP zwei Sitze, die Linke einen. Die CDU rutscht knapp an einem zehnten Mandat vorbei und bleibt daher wie die Grünen im Land unverändert.

Dass der Bundestag trotz der neuen Ausgleichsmandate kaum größer als 2009 wird, liegt am höheren Zweitstimmenanteil, den die beiden Volksparteien diesmal wohl erringen können. Damit steigt ihr Anspruch auf reguläre Mandate – und sinkt die Zahl der Überhangmandate. Die entstehen dann, wenn eine Partei mehr Sitze direkt in den Wahlkreisen gewinnt, als ihr nach Zweitstimmen-Prozentanteil zustehen.

Wäre der jetzige Bundestag mit seinen 24 Überhangmandaten der Union nach dem neuen Wahlrecht zusammengesetzt worden, hätte er samt Ausgleichssitzen tatsächlich 671 Abgeordnete gehabt. Am Sonntag wird es aber laut Hochrechnung von election.de nur neun Überhangmandate für die CDU geben, drei davon in Baden-Württemberg. Zudem könnte auch die SPD zwei erhalten – in Brandenburg. Hinzu kommen insgesamt 16 der neuen Ausgleichsmandate. Mit ihnen werden nicht nur Überhangmandate ausgeglichen, sondern auch mögliche regionale Verzerrungen zugunsten von Ländern mit niedriger Wahlbeteiligung – theoretisch kann es sogar Ausgleichsmandate geben, ohne dass ein einziges Überhangmandat entstanden ist.

Unterm Strich sieht election.de Schwarz-Gelb knapp vorn – mit 314 zu 311 Sitzen.

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