Schlag gegen Islamisten-Szene

Mitglieder eines Polizei-Sonderkommandos stehen während der gestrigen Razzia vor einem Mehrfamilienhaus in der Perleberger Straße in Berlin. .
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Mitglieder eines Polizei-Sonderkommandos stehen während der gestrigen Razzia vor einem Mehrfamilienhaus in der Perleberger Straße in Berlin. .

Polizei nimmt zwei verdächtige Türken in Berlin fest / Wolfsburger IS-Kämpfer muss in U-Haft

shz.de von
16. Januar 2015, 12:45 Uhr

Nach den Attentaten in Paris und dem Anti-Terror-Einsatz in Belgien wächst auch in Deutschland der Druck auf die Radikalen. Gestern Morgen schlugen Sicherheitskräfte in Berlin zu. Sie nahmen zwei terrorverdächtige Türken fest. Der Vorwurf: Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sowie die Vorbereitung eines Anschlags in Syrien. Es gebe keine Hinweise auf ähnliche Pläne im Bundesgebiet, betonten Staatsanwaltschaft und Polizei gestern. Und: „Es gibt keinen Zusammenhang mit den Anschlägen in Frankreich.“ Zu konkreten Ermittlungsverfahren oder Schutzvorkehrungen in Schleswig-Holstein wollten das LKA in Kiel wie auch ein Sprecher des Generalbundesanwalts keine Stellung nehmen.

Die 41 und 43 Jahre alten Verdächtigen in Berlin waren laut Staatsanwaltschaft Kern einer Logistikzelle für terroristische Aktivitäten. Sie sollen Kämpfer rekrutiert, fanatisiert und bei der Ausreise nach Syrien unterstützt haben. Dabei soll die Gruppe, zu der drei weitere Männer mit „untergeordneter Tatbeteiligung“ gerechnet werden, auch Nachtsichtgeräte, Geld und Flugtickets besorgt haben. Die drei Verdächtigen, ebenfalls in Berlin lebende Türken, blieben auf freiem Fuß.

Bei dem Einsatz wurden elf Wohnungen durchsucht. 250 Beamte, darunter drei Spezialeinsatzkommandos, waren dabei. Einer der Verhafteten soll als selbst ernannter „Emir“ eine Islamistengruppe mit Türken und russischen Staatsangehörigen tschetschenischer und dagestanischer Herkunft angeführt haben. Zudem muss ein in Wolfsburg festgenommener terrorverdächtiger Deutsch-Tunesier in Untersuchungshaft. Nach Überzeugung des Bundesgerichtshofs hat der 26-Jährige eine Kampfausbildung in Syrien durchlaufen und Kämpfer für den IS angeworben.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) rief erneut zu Wachsamkeit auf, warnte aber vor Panikmache. „Die Sicherheitsbehörden unternehmen alles, um die Bevölkerung wirksam zu schützen“, sagte er. „Dass man nicht jede Maßnahme sieht oder nicht offen über sie spricht, ist dabei sicher verständlich.“

Bundesweit hatten sich gestern zudem Muslime zu Mahnwachen vor Redaktionen und Medienhäusern getroffen. Dazu aufgerufen hatte die Türkisch-Islamische Union (Ditib) als Reaktion auf den „Charlie Hebdo“-Anschlag. Es reiche nicht, den Angriff aufs Schärfste zu verurteilen, hieß es. „Wir müssen als Religionsgemeinschaft deutlich machen, dass wir uns mit unserem Glauben und unseren Gemeinden für die Freiheiten und das Leben eines jeden einsetzen.“

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