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Hilfsorganisation im Visier : Schlag gegen Al-Kaida in der Türkei

vom

Die türkische Polizei nimmt mutmaßliche Anhänger des Terrornetzwerkes Al-Kaida fest. Nach einer Durchsuchung verliert wieder ein Polizeichef seinen Posten.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2014 | 18:00 Uhr

Istanbul | Die türkische Polizei hat bei einem Einsatz gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida am Dienstag auch eine regierungsnahe Hilfsorganisation durchsucht. Insgesamt seien in sechs Provinzen 25 Beschuldigte festgenommen worden, berichteten türkische Fernsehsender. Die islamisch-türkische Stiftung für humanitäre Hilfe (IHH) protestierte heftig dagegen, dass sich die Razzia auch gegen ein Lager in Kilis im Grenzgebiet zu Syrien richtete.

Festgenommen wurden türkischen Berichten zufolge mehrere Männer, bei denen es sich um ranghohe Al-Kaida-Anhänger handele. Darunter sei auch Ibrahim Sen, der bis 2008 im US-Gefangenenlager Guantanamo saß. Ihm werden in der Türkei Terrorismus und eine Entsendung extremistischer Kämpfer ins benachbarte Syrien vorgeworfen. Bei der IHH beschlagnahmte die Polizei Computer und Unterlagen.

Der Einsatz richtete sich nach Medienberichten gegen einen Gesuchten, der für die Organisation gearbeitet und die IHH-Niederlassung als Wohnadresse angegeben hatte.

Die Hilfsorganisation steht der islamisch-konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nahe. Sie hatte sich schon vor knapp zwei Wochen heftig gegen Beschuldigungen verteidigen müssen, wonach in einem Lastwagen mit Hilfsgütern für Syrien auch Waffen transportiert worden seien. Eine auf Anordnung eines Staatsanwaltes begonnene Durchsuchung des Fahrzeugs war auf Befehl eines Provinzgouverneurs abgebrochen worden.

Die IHH war international bekannt geworden, weil sie gegen den Widerstand Israels auf dem Seeweg Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen wollte. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien engagiert sich die Organisation stark in dem Nachbarland.

In den vergangenen Wochen gab es Anzeichen dafür, dass die Stiftung in den Machtkampf zwischen Erdogan und der Bewegung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen geraten ist, die Einfluss in Polizei und Justiz hat. Nach dem Einsatz gegen die IHH in Kilis sei dort am Dienstag der Leiter einer Anti-Terror-Einheit seines Postens enthoben worden, hieß es in den Berichten.

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