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Politik

19. Oktober 2017 | 19:06 Uhr

Schattendeal

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

IS-Terrormiliz lässt Geiseln frei

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2014 | 14:22 Uhr

Es klingt wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, was sich nach den offiziellen Angaben der türkischen Regierung bei der Geisel-„Befreiung“ der 49 Türken aus IS-Hand im Irak abgespielt haben soll: Keine Lösegeldzahlung, aber auch kein Schusswechsel. Haben sich also die Terroristen nur nach gutem Zureden zur Übergabe ihres wertvollen Pfandes entschlossen? Das ist kaum glaubhaft. Viel wahrscheinlicher ist, dass hier heimlich Millionensummen geflossen sind und die Türkei dies – wie andere westeuropäische Staaten auch – nicht bestätigen will. Oder dass es hier ein „quid pro quo“ anderen Strickmusters gegeben hat: Die Überstellung der Gefangenen gegen die Zusage Erdogans, sich nicht aktiv der „Koalition der Willigen“ anzuschließen, die US-Präsident Barack Obama für seinen IS-Feldzug zu schmieden versucht.

Verräterisch ist, dass Ankara den USA mitteilte, es werde den auf dem Stützpunkt Incirlik stationierten US-Jets nicht gestatten, von dort gegen IS-Ziele vorzugehen. Dies könnte zu dem Schatten-Deal gehören, den Erdogan mit den Kalifats-Fanatikern geschlossen hat. Für das Weiße Haus ist deshalb die Freilassung der Geiseln kurioserweise eine schlechte Nachricht: Entweder wurde Lösegeld gezahlt, was er unbedingt vermeiden wollte, um Präzedenzfälle zu verhindern. Oder die IS-Kämpfer haben sich das Stillhalten Ankaras erkauft.

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